völlig

GrammatikAdjektiv · adverbiell, attributiv
Aussprache
Worttrennungvöl-lig (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

vollständig, gänzlich, ganz
Beispiele:
etw. völlig beherrschen, verstehen, vergessen
der Regen hat völlig aufgehört
er ist völlig einverstanden, beruhigt
völlig betrunken sein
das ist völlig belanglos
eine völlig verständliche Reaktion
du hat völlig recht
völlige Übereinstimmung, Einigung erzielen
völlige Gewissheit erlangen
sie wartet auf ihre völlige Genesung
es herrscht völlige Ruhe, Windstille
ihre Tochter sei ... noch ein völliges Kind (= ganz wie ein Kind) [G. Hauptm.4,232]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

voll · vollends · völlig · vollständig · Vollständigkeit · vollkommen · Vollkommenheit · vervollkommnen · Vollblut · vollstrecken · Vollmacht
voll Adj. ‘gefüllt, bedeckt’, ahd. fol (8. Jh.), mhd. vol, asächs. ful, mnd. vul, mnl. nl. vol, aengl. full, anord. fullr, schwed. full, got. fulls (germ. *fulla-) und aind. pūrṇáḥ ‘voll, gefüllt’, lit. pìlnas, aslaw. plьnъ, russ. pólnyj (полный) ‘voll’ sowie (ablautend) lat. plēnus ‘voll’ sind alte Partizipialbildungen mit dem Suffix ie. -no-, führen also auf ie. *pḷno- bzw. *plēno- ‘angefüllt’ (im Germ. mit Assimilation von -ln- zu -ll-). Vergleichbar sind griech. pimplánai (πιμπλάναι) ‘füllen’, lat. plēre ‘füllen’, so daß eine Wurzel ie. *pel(ə)-, *plē- ‘gießen, fließen, aufschütten, (ein)füllen’ zugrunde gelegt werden kann (wozu auch ↗viel, s. d.). vollends Adv. ‘völlig, ganz, überdies noch’ (17. Jh.), mit adverbiellem -s gebildet im Anschluß an spätmhd. vollent, das seinerseits (mit unorganischem -t) mhd. vollen Adv., ahd. follūn Adv. (8. Jh.), follon (9. Jh.) fortsetzt. völlig Adj. ‘gänzlich’, ahd. follīg ‘vollständig, sich ergänzend’ (11. Jh.; vgl. follī̌glīh Adj. ‘voll, reichlich, vollkommen’, um 1000, follī̌glīhho Adv., 10. Jh.), mhd. vollec, vollic ‘voll, vollständig, reichlich’. vollständig Adj. ‘aus allen zugehörigen Teilen bestehend, ganz’ (16. Jh.); Vollständigkeit f. (Anfang 16. Jh.). vollkommen Part.adj. ‘vollständig, vollendet, unübertrefflich’, ahd. folkoman ‘vollendet’ (Hs. 12. Jh.), mhd. volkomen, volkumen ‘ausgebildet, herangewachsen, vollständig’, Part. Prät. von ahd. fol(la)queman ‘zu einem Ziel gelangen, hinkommen, gelingen’ (um 1000), mhd. volkomen, volkumen Vb. ‘zum Ende, zum Ziele kommen, ausgeführt werden, sich ereignen’; Vollkommenheit f. mhd. volkomenheit; vervollkommnen Vb. ‘vollkommen machen, vervollständigen’ (vereinzelt 16. Jh., häufig ab 18. Jh.). Vollblut n. ‘reinrassiges Pferd’ (18. Jh.), nach engl. full-blood. vollstrecken Vb. ‘ausführen, verwirklichen’ (2. Hälfte 15. Jh.), eigentlich ‘bis zum Ende, zum Ziele strecken’. Vollmacht f. ‘einem anderen erteiltes Verfügungsrecht’, spätmhd. volmacht, vgl. afrz. plein pooir sowie nlat. plēnipotentia.

Thesaurus

Synonymgruppe
der Länge nach (Menschen) · ↗gesamt · ↗heillos · in Gänze · ↗komplett · voll und ganz · ↗vollständig · von A bis Z · völlig  ●  ↗ganz  Hauptform · auf ganzer Linie  ugs. · ↗exhaustiv  geh., bildungssprachlich · ↗total  ugs. · ↗vollumfänglich  geh., Papierdeutsch
Assoziationen
  • (ein) Überangebot (an) · (ein) Überfluss an · ausufernd (viel) · entschieden zu viel · mehr als genug · ↗zu viel · zu viel des Guten · über und über · ↗übergenug · ↗überreichlich · ↗überzählig  ●  (ein) Overkill an  engl., fig. · auf keine Kuhhaut gehen  ugs., fig. · des Guten zu viel  geh. · doppelt und dreifach  ugs. · jenseits von Gut und Böse  ugs. · nicht mehr feierlich  ugs. · noch und nöcher  ugs., scherzhaft · ↗viel zu viel  ugs.
  • durch und durch · ↗ganz · vom Scheitel bis zur Sohle · von Kopf bis Fuß
  • absolut · durch und durch · ↗durchweg · ↗ganz · ganz und gar · ↗gänzlich · ↗hundertprozentig · in jeder Hinsicht · in vollem Umfang · ↗richtig · ↗rundum · ↗rundweg · ↗total · ↗vollauf · ↗vollends · ↗vollkommen · ↗vollständig · ↗vollumfänglich · völlig  ●  ↗durchwegs  österr., süddt. · bis über beide Ohren  ugs., fig. · ↗herzlich  ugs., emotional · jeder Zoll ein / eine ...  ugs. · mit Haut und Haaren  ugs., fig. · mit Herz und Seele  ugs. · sowas von  ugs., emotional · ↗voll  ugs., jugendsprachlich
  • auf der ganzen Linie · durch und durch · ↗ganz · ↗restlos · ↗vollends · ↗vollständig · von A bis Z · von vorne bis hinten
Synonymgruppe
absolut · durch und durch · ↗durchweg · ↗ganz · ganz und gar · ↗gänzlich · ↗hundertprozentig · in jeder Hinsicht · in vollem Umfang · ↗richtig · ↗rundum · ↗rundweg · ↗total · ↗vollauf · ↗vollends · ↗vollkommen · ↗vollständig · ↗vollumfänglich · völlig  ●  ↗durchwegs  österr., süddt. · bis über beide Ohren  ugs., fig. · ↗herzlich  ugs., emotional · jeder Zoll ein / eine ...  ugs. · mit Haut und Haaren  ugs., fig. · mit Herz und Seele  ugs. · sowas von  ugs., emotional · ↗voll  ugs., jugendsprachlich
Assoziationen
  • bis zum Überdruss  ●  ↗ad nauseam  geh., lat. · bis der Arzt kommt  ugs., fig. · bis die Haare bluten  ugs., fig. · bis es jemandem zu den Ohren wieder herauskommt  ugs. · bis jemand schwarz wird  ugs., fig. · bis zum Abwinken  ugs., fig. · bis zum Erbrechen  ugs., fig. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs. · bis zum Tezett  ugs., veraltend · bis zum Umfallen  ugs., fig. · bis zum tz  ugs., veraltend · bis zur Vergasung  derb, fig., veraltend · ohne Ende  ugs.
  • gar · ↗schier · ↗überhaupt
  • bar · ↗blank · ↗bloß · nichts als · ↗pur · ↗rein · ↗schier · ↗total (nachgestellt)  ●  (der/die/das) reinste (...)  emotional · ↗eitel  veraltend · ↗lauter  ugs.
  • durch und durch · ↗ganz · vom Scheitel bis zur Sohle · von Kopf bis Fuß
  • der Länge nach (Menschen) · ↗gesamt · ↗heillos · in Gänze · ↗komplett · voll und ganz · ↗vollständig · von A bis Z · völlig  ●  ↗ganz  Hauptform · auf ganzer Linie  ugs. · ↗exhaustiv  geh., bildungssprachlich · ↗total  ugs. · ↗vollumfänglich  geh., Papierdeutsch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschaffung Dunkelheit Freigabe Quatsch Unabhängigkeit Unverständnis Zusammenbruch aber ander ausbrennen ausreichen doch falsch fast fehlen jedoch nahezu neu neuartig nicht noch unbekannt unterschiedlich unzureichend verschieden verändert zerstört Übereinstimmung überfüllt überzogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›völlig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Leider blieb mir die Kirche trotz besten Willens völlig egal und ich schämte mich dafür.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 42
Völlig ungeklärt ist vor allem die Finanzierung des ehrgeizigen Vorhabens.
Die Zeit, 19.04.1996, Nr. 17
Erst 1526 gelang es, der Bewegung völlig Herr zu werden.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 287
Aber er wollte nicht bloß den Sieg, er wollte die völlige Vernichtung des feindlichen Heeres.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 1054
Auf die meines Wissens noch nicht völlig geklärten topographischen Probleme kann ich hier nicht eingehen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 12461
Zitationshilfe
„völlig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/völlig>, abgerufen am 25.06.2019.

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