utopisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunguto-pisch
HerkunftGriechisch
WortzerlegungUtopie-isch
eWDG, 1976

Bedeutung

mit den Gegebenheiten derzeitiger Realität nicht vereinbar, undurchführbar, phantastisch
Beispiele:
ein utopischer Plan, Gedanke
eine utopische Vorstellung
ein utopischer Roman (= Roman, in dem derzeit phantastische gesellschaftliche Zustände und technisch-naturwissenschaftliche Gegebenheiten als real existierend dargestellt sind)
historisch der utopische Sozialismus (= vormarxistische sozialistische Lehre, die im Unterschied zum wissenschaftlichen Sozialismus nicht oder noch nicht realisierbare Pläne einer sozialistischen Gesellschaft entwickelte)
Der neue Zuschauertyp […] ist natürlich kein utopischer (= kein nur erwünschter), er ist vorhanden, wenn auch bisher nicht im Theater [BrechtSchriften z. Theater1,76]
ein Zukunftsbild, das uns heute noch utopisch anmutet, aber nicht als unerreichbar abgetan werden sollte [Urania1965]
Bis vor kurzem mochte eine technische Ausnutzung der in den Atomkernen schlummernden Energie utopisch erscheinen [PlanckSinn29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Utopie · utopisch · utopistisch · Utopist
Utopie f. ‘Idealbild von gesellschaftlichen Verhältnissen, die nicht oder unter den gegebenen Bedingungen nicht zu verwirklichen sind, phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage, Wunschtraum, Hirngespinst’ (1. Hälfte 19. Jh.). Der Ausdruck geht zurück auf nlat. Utopia, eine Wortschöpfung des englischen Humanisten Thomas Morus (1516 „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“, wo das Bild eines republikanischen Idealstaates entworfen wird). Er ist gebildet zu griech. ū (οὐ) ‘nicht’ und tópos (τόπος) ‘Ort, Stelle, Gegend, Land’, also eigentlich ‘Nirgendland’. Daraus im Dt. Utópien ‘Traumland’ (1. Hälfte 16. Jh.) und Utopia (Anfang 17. Jh.), danach (unter Einfluß von frz. utopie) in der oben genannten Form und Bedeutung. utopisch Adj. ‘nur in der Vorstellung möglich, nicht durchführbar, phantastisch’ (2. Hälfte 17. Jh.) und gleichbed. utopistisch Adj. (Mitte 19. Jh.); vgl. utopistischer Sozialismus (Marx und Engels 1848), dann utopischer Sozialismus. Utopist m. ‘wer phantastische, aber undurchführbare Pläne oder Vorstellungen hat’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
nur in der Fantasie möglich · nur in der Phantasie möglich · ↗realitätsfern · ↗realitätsfremd · ↗unerfüllbar · ↗unrealistisch · utopisch · ↗visionär · ↗wirklichkeitsfremd  ●  über den Wolken schweben  ugs.
Assoziationen
  • impraktikabel · ↗lebensfern · ↗lebensfremd · nicht praktikabel · nicht realisierbar
  • elitär  ●  ↗(im) Elfenbeinturm  fig. · ohne Bodenhaftung  fig. · ↗abgehoben  ugs.
  • (sich) als Illusion herausstellen · (sich) als unrealistisch erweisen · (sich) nicht erfüllen · (sich) nicht realisieren · (zer)platzen wie eine Seifenblase · nicht Realität werden · nicht in Erfüllung gehen · zunichte gemacht werden (Hoffnung) · ↗zunichte machen · zunichtegemacht werden · ↗zunichtemachen  ●  (sich) zerschlagen (Hoffnungen)  fig. · ↗zerplatzen (Träume)  fig. · (in sich) zusammenfallen wie ein Kartenhaus  ugs.
Synonymgruppe
Wunschdenken · ↗illusionär · ↗illusorisch · ↗irreal · ↗lebensfremd · ↗realitätsfremd · ↗unrealistisch · utopisch · ↗wirklichkeitsfremd  ●  (ein) frommer Wunsch  ugs., ironisierend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Denken Endzustand Entwurf Fernziel Fluchtpunkt Gegenbild Gegenentwurf Gegenwelt Gesellschaftsentwurf Horizont Ideal Potential Potenzial Roman Sozialismus Sozialist Staatsroman Totum Träumer Träumerei Unterfangen Verheißung Vision Vorgriff Weltentwurf Zielvorstellung anmuten anmutend apokalyptisch geradezu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›utopisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nicht einmal von utopischen Welten ist seit 1989 noch die Rede.
Der Tagesspiegel, 29.01.2004
Für uns ist das utopische Moment des Theaters die Idee des Ensembles.
Süddeutsche Zeitung, 21.01.2000
Der musische Leser erwartet vom Roman, daß er „romanhaft“ sei. Seinem Wesen nach ist jeder Roman utopisch.
Die Zeit, 22.04.1960, Nr. 17
Er war immer weltfremd und ist nur seinen Plänen nachgejagt, seinen utopischen Ideen.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 147
Diese Pläne, so utopisch sie sind, werfen freilich zum Teil noch einen reaktionären Schatten.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 0
Zitationshilfe
„utopisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/utopisch>, abgerufen am 15.10.2019.

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