usurpieren

GrammatikVerb · usurpierte, hat usurpiert
Aussprache
Worttrennungusur-pie-ren
HerkunftLatein
eWDG, 1976

Bedeutung

etw. usurpierensich widerrechtlich (und gewaltsam) Macht über etw. aneignen, widerrechtlich (mit Gewalt) Besitz von etw. ergreifen
Beispiele:
Der 21. April 1967, an dem die ... Putschisten die Regierungsgewalt usurpierten [Tageszeitung1970]
Warum habe ich das Amt eines Vizekanzlers usurpiert? [KlabundBorgia53]
Denn der Boden ... gehört ihm [dem privaten Bauern] nicht, er usurpiert ihn nur [JahnnNiederschrift1,457]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

usurpieren · Usurpator · Usurpation
usurpieren Vb. ‘unrechtmäßig und gewaltsam Macht an sich reißen, etw. eigenmächtig, widerrechtlich in Besitz nehmen’, entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat. ūsurpāre ‘von etw. Besitz ergreifen, Gebrauch machen, (sich) widerrechtlich aneignen, sich anmaßen’ (Terminus der Rechtssprache, gebildet aus lat. ūsus ‘Benutzung, Anwendung, Gebrauch, Gewohnheit, Praxis’ und lat. rapere ‘raffen, eilig an sich nehmen, fortraffen, -reißen’), eigentlich ‘durch tatsächlichen Gebrauch in seinen Besitz bringen’. Usurpator m. ‘wer widerrechtlich die (Staats)gewalt an sich reißt’, insbesondere ‘Thronräuber’ (2. Hälfte 17. Jh.), spätlat. ūsurpātor, im 18. Jh. (unter frz. Einfluß) auch Usurpateur. Usurpation f. ‘widerrechtliche Besitz-, Machtergreifung, Aneignung’ (vereinzelt Ende 16. Jh., häufiger seit Anfang 18. Jh.), lat. ūsurpātio (Genitiv ūsurpātiōnis) ‘widerrechtliche Aneignung, Mißbrauch’, eigentlich ‘Gebrauch, Benutzung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) widerrechtlich aneignen · usurpieren · widerrechtlich erobern  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) abnehmen (unter Gewaltanwendung) · (jemandem) aus der Hand reißen · ↗(jemandem) entreißen · (jemandem) wegnehmen (unter Gewaltanwendung)  ●  ↗(etwas) abziehen  jugendsprachlich · ↗(jemanden) abziehen  jugendsprachlich · ↗(jemanden) berauben  Hauptform · ↗rauben  juristisch · usurpieren  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begriff Funktion Herrschaft Krone Macht Recht Rechte Thron Vorteil monopolisieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›usurpieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die extremen Konservativen glaubten, dass die Liberalen das Establishment usurpiert hätten.
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2002
Lorenz hätte es in seiner zurückhaltenden Art wahrscheinlich nicht gewagt, einen historisch derart vorbelasteten Begriff für ein bestimmtes Verhalten dynamischer Systeme zu usurpieren.
Die Zeit, 28.04.2008, Nr. 17
Die weltliche Obrigkeit wird bestätigt oder usurpiert, das Christliche als das konzessionierte Heilsressort betrieben.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 202
Doch blieb mit dem Einsatz der Feudalkontingente nicht aus, daß auch öffentliche Rechte usurpiert und nicht lehensmäßig entziehbarer Grundbesitz hinzuerworben wurde.
Grunebaum, Gustav Edmund von: Der Islam. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21662
Später, vor der Schaffung eines römischen Weltreichs, usurpierte das römische Gemeinwesen eine solche Rolle.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 992
Zitationshilfe
„usurpieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/usurpieren>, abgerufen am 18.10.2019.

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