ur-

GrammatikAffix · nominal; stets betont
Wortbildung mit ›ur-‹ als Erstglied: ↗Urahn · ↗Urahne · ↗Urangst · ↗Urbedeutung · ↗Urdarm · ↗Urdruck · ↗Urenkel · ↗Urenkelin · ↗Urfehde · ↗Urflügler · ↗Urgedenken · ↗Urgestein · ↗Urgroßmutter · ↗Urgroßonkel · ↗Urinsekt · ↗Urinstinkt · ↗Urknall · ↗Urlaut · ↗Urmensch · ↗Urmeter · ↗Urmusik · ↗Urmutter · ↗Urquell · ↗Urschrift · ↗Ursprache · ↗Urstrom · ↗Urszene · ↗Urteilchen · ↗Urtext · ↗Urtier · ↗Urtrieb · ↗Ururgroßmutter · ↗Urvertrauen · ↗Urviech · ↗Urwahl · ↗Urwesen · ↗uraufführen · ↗urchristlich · ↗urdeutsch · ↗ureigen · ↗ureinfach · ↗urgewaltig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
bezeichnet den Anfang, das erste, etw. sehr weit Zurückliegendes
Beispiel:
Urbeginn, Urbevölkerung
2.
bezeichnet Echtheit, Unverbrauchtheit, den idealen Zustand nach der Entstehung, Produktion von etw.
Beispiel:
Urquell, Urtext
3.
bezeichnet einen hohen Grad
Beispiel:
uralt, urkomisch
4.
in Zusammensetzungen mit Verwandtschaftsnamen
bezeichnet die vorhergehende oder folgende Generation
Beispiel:
Urgroßvater, Urenkel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ur- · urig
ur- Präfix in nominalen Zusammensetzungen. Die nur in alter Zeit bezeugte Präposition ahd. ur (nur 8./9. Jh.), anord. ōr, got. us ‘aus, aus … heraus’ und das darauf beruhende gemeingerm. Präfix ahd. mhd. engl. schwed. ur-, asächs. ur-, or-, mnd. ōr-, aengl. or-, mnl. nl. oor-, anord. ōr-, ør-, mit grammatischem Wechsel got. us-, uz- ‘aus, hinaus, hinauf’ führen auf ie. *ū̌ds, eine Weiterbildung von ie. *ū̌d- (s. ↗aus). Das in Verbalkomposita unbetonte Präfix wird zu ↗er- (s. d.) geschwächt, während Nominalkomposita (als die vermutlich älteren Bildungen) unter Einwirkung der germ. Anfangsbetonung stehen, so daß das Präfix in der Tonstelle seine volle Form ur- bewahren kann. Infolgedessen stehen sich gegenüber Urlaub und erlauben, Urteil und erteilen (erst als junge Ableitung dazu urteilen). Die alte Bedeutung ‘aus, hinaus, hinauf’ zeigen got. uzanan ‘aushauchen’, ahd. urteil ‘Aus-, Zuteilung (des Rechts)’, got. urreisan ‘aufstehen’. Daraus hervorgegangenen privativen bzw. negierenden Sinn zeigt ahd. urtriuwi ‘treulos’ (8. Jh.), resthaft erhalten in Urfehde (s. ↗Fehde); in verstärkender, steigernder Funktion steht das Präfix in uralt (ahd. 8. Jh.), urplötzlich (16. Jh.), urkomisch (19. Jh.). In Verwandtschaftsbezeichnungen bezieht es sich auf die nächstvorhergehende oder nächstfolgende Generation, z. B. Urahn (s. ↗Ahn), Urenkel (s. ↗Enkel), auch in der Verdopplung Ururgroßvater; daran anschließend urverwandt, Urgesellschaft (beide 19. Jh.). Schließlich kennzeichnet ur- das Erste, das weit Zurückliegende, das Unverfälschte, vgl. Urbild (17. Jh.), Urwald (19. Jh.), urtümlich (19. Jh.). urig Adj. ‘urwüchsig, sonderbar, seltsam, komisch, originell’, wohl unmittelbar gebildet zum Präfix ur- (wie in urwüchsig, urtümlich, urkomisch), im 19. Jh. aus den Mundarten in die Literatursprache eindringend. Nicht verwandt ist schweiz. urchig, schwäb. ur(ch)ig ‘rein, lauter, echt’.
Zitationshilfe
„ur-“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ur->, abgerufen am 23.05.2019.

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