unvertretbar

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Worttrennungun-ver-tret-bar
Wortzerlegungun-vertretbar
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2019

Bedeutungen

1.
nicht zu vertreten (Lesart 2); nicht zu befürworten
Beispiele:
Besonders alarmierend sei, dass inzwischen auch Angeklagte mit erheblichen Tatvorwürfen aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssten, weil Strafverfahren unvertretbar lange dauerten. [Süddeutsche Zeitung, 03.08.2017]
Beim sogenannten Fracking wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass Gas entweichen kann. Kritiker warnen, dass der Einsatz von gefährlichen Stoffen zu unvertretbaren und nicht beherrschbaren Risiken für die Umwelt führt. [Die Welt, 13.07.2013]
Australien hat den Anfang gemacht und die Plastiktüte verboten, Deutschland und Europa sollten folgen. Es ist kein unvertretbarer Aufwand, zum Einkauf eine Stofftasche, einen Korb oder eine Kiste mitzunehmen. [Bild am Sonntag, 03.02.2008, Nr. 5]
Ich halte es für unvertretbar und nicht im Sinne des Tierschutzes, wenn ein Tiermediziner seine Praxis eröffnen kann, ohne vorher ein reales Tier operiert und behandelt zu haben. [C’t, 1998, Nr. 1]
Enteignungen der Jahre 1945-1949 [auf dem Gebiet der späteren DDR] sind endgültig. Juristisch ergibt sich dieser Standpunkt aus dem Besatzungsrecht bzw. der Besatzungshoheit. Ökonomisch wäre jede Entschädigungslösung eine unvertretbar hohe Belastung für das geeinte Deutschland. [Nr. 308B: Anlage 3 Gesprächskonzeption zum Thema Offene Vermögensfragen vom 11. Juni 1990. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1990], S. 3544]
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein unvertretbarer Aufwand, Umfang; eine unvertretbare Härte, Belastung, Auswirkung; ein unvertretbares Risiko, Ausmaß
mit Adverbialbestimmung: etw. ist ethisch, wirtschaftlich unvertretbar
als Adverbialbestimmung: etw. [eine finanzielle Belastung, der Aufwand] ist unvertretbar hoch; etw. als unvertretbar zurückweisen; etw. für unvertretbar halten
2.
nicht zu vertreten (Lesart 1 a u. b); nicht durch einen Stellvertreter, einen Bevollmächtigten o. Ä. durchführbarQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
[…] [Die Menschenwürde] gebietet die Art von gleichem Respekt und gegenseitiger Anerkennung, die Bürger eines demokratisch verfassten Gemeinwesens einander als unvertretbaren Individuen schulden. [Süddeutsche Zeitung, 13.05.2009]
Immer wenn ein bestimmter Mensch eine bestimmte Handlung schuldet und ein Dritter diese nicht vornehmen kann (man spricht da von unvertretbaren Handlungen), stehen Exekutive und Gerichte vor der Frage, was tun? Die Rechtsordnung weist grundsätzlich zwei Auswege: Zwangsgeld und – unter besonderen Voraussetzungen – Zwangshaft. [o. A. [azo]: Zwangsgeld. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1985]]
[Papst] Franziskus […] lädt [die geschiedenen und wieder verheirateten Ehepartner] […] ein, die dunklen Seiten ihrer Vergangenheit […] selbstkritisch aufzuarbeiten. […] Am Ende dieses Weges, der durch einen Seelsorger begleitet werden soll, steht die unvertretbare Gewissensentscheidung der Person selbst [ob sie zur Kommunion gehen sollte oder nicht]. [Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2017]
Die Freiheit des christlichen Glaubens fordert […], sich seiner Vernunft zu bedienen. Das zu tun ist ein wesentliches Kennzeichen der Freiheit selbst. Denn so wie sich der Mensch als individuelle Person unvertretbar von Gott angesprochen weiß, ist er auch unvertretbar zeugnis- und auskunftspflichtig. Die Pflicht dazu kann an keine noch so gelehrte oder mächtige Instanz in oder außerhalb der Kirche delegiert werden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2006]
Und wie die Freiheit beim Einzelnen, so ist die Souveränität [des Staates] unübertragbar, unteilbar, unvertretbar, unbeschränkbar beim Volk. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 102]

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgeschlossen · diskussionsunwürdig · geht zu weit · ↗inakzeptabel · ↗indiskutabel · ↗intolerabel · keiner Diskussion würdig · nicht haltbar · nicht hinnehmbar · nicht hinzunehmen · nicht tragbar · niemandem zuzumuten · ↗tadelnswert · ↗unannehmbar · ↗unhaltbar · ↗untragbar · unvertretbar · ↗unzumutbar  ●  nicht akzeptabel  Hauptform
Assoziationen
  • (absolut) daneben sein · (ein) (absolutes) No-go sein · (ein) Fauxpas sein · (etwas/sowas) tut man einfach nicht · (sich) nicht gehören · ins Fettnäpfchen treten · nicht angebracht sein · tabu sein · unangebracht sein · ungehörig sein · unschicklich sein  ●  (etwas) geht gar nicht  ugs. · (etwas) nicht bringen können  ugs.
  • (ein) starkes Stück · ↗(eine) Frechheit · ↗(eine) Unverschämtheit · (etwas) spottet jeder Beschreibung · ↗dreist · ↗haarsträubend · hagebüchen · ↗hanebüchen · jeder Beschreibung spotten · ↗skandalträchtig · ↗unerhört · ↗unglaublich · ↗unsäglich · ↗unverschämt  ●  nichts für schwache Nerven  übertreibend · (da) bleibt einem die Spucke weg  ugs., fig. · (da) hört sich doch alles auf!  ugs. · (das ist) der Gipfel der Unverschämtheit  ugs. · (das) schlägt dem Fass den Boden aus!  ugs. · (das) schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht  ugs., scherzhaft-ironisch, salopp · (das) setzt dem ganzen die Krone auf!  ugs. · (dazu) fällt einem nichts mehr ein  ugs. · (ein) dicker Hund  ugs., fig. · (eine) Zumutung!  ugs. · (etwas) geht auf keine Kuhhaut  ugs. · also so etwas!  ugs. · ↗bodenlos  ugs. · das Allerletzte  ugs. · das Letzte  ugs. · das ist (ja wohl) die Höhe!  ugs. · heftig!  ugs. · ja gibt's denn sowas!?  ugs. · kaum zu fassen  ugs. · man fasst es nicht!  ugs. · nicht zu fassen  ugs., Hauptform · ↗unmöglich  ugs.
  • geschmacklos · ↗niveaulos · ↗pietätlos · ↗pöbelhaft · ↗stillos · ↗taktlos · ↗unangebracht · ↗unfein · ↗wüst  ●  ↗platt  fig. · ↗proletenhaft  derb · unterste Schublade  ugs., fig.
  • (ein) Unding · ↗(völlig) inakzeptabel  ●  geht gar nicht  ugs.
  • (den normalen) Anstandsregeln entsprechen · (den) bürgerlichen Gepflogenheiten entsprechen · ↗(sich) gehören · ↗(sich) schicken · Pflicht sein · angemessen sein · vom Anstand geboten sein  ●  ↗(sich) ziemen  veraltet · (den) Anstandsregeln Genüge tun  geh. · (etwas) bringen können  ugs. · (etwas) gebietet (schon allein) der Anstand  geh. · ↗(sich) geziemen  geh., veraltet · ↗(sich) passen  geh., veraltend · schicklich sein  geh.
  • Kinderei · unter jemandes Würde  ●  Kinderkacke  derb · ↗Kinderkram  ugs. · eines Erwachsenen nicht würdig  geh. · unter der (erhabenen) Würde seiner stolzen (...) Jahre  geh., ironisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abhängigkeit Aufwand Ausmaß Auswirkung Belastung Eingriff Einwirkung Härte Kostenschub Risiko Umfang Verwaltungsaufwand Weise eigentlich erscheinen falsch hoch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unvertretbar‹.

Zitationshilfe
„unvertretbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unvertretbar>, abgerufen am 25.06.2019.

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