unterhandeln

GrammatikVerb · unterhandelte, hat unterhandelt
Aussprache
Worttrennungun-ter-han-deln (computergeneriert)
Wortzerlegungunter-handeln1
Wortbildung mit ›unterhandeln‹ als Erstglied: ↗Unterhandlung
eWDG, 1976

Bedeutung

als Vertreter eines Staates, einer Gruppe, Interessengruppe mit der Gegenseite durch Verhandlungen zu einer Einigung über etw. zu kommen versuchen
Beispiele:
mit jmdm. über den Abschluss eines Vertrages unterhandeln
mit der Regierung über einen Waffenstillstand, Friedensvertrag unterhandeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

handeln · Handel · Händler · Handlung · abhandeln · Abhandlung · behandeln · Behandlung · mißhandeln · unterhandeln · verhandeln · Verhandlung
handeln Vb. ‘etw. tun, tätig sein, Handel treiben, feilschen, betreffen’, ahd. hantalōn (9. Jh.), mhd. handeln, asächs. handlon, mnd. mnl. nl. handelen, aengl. handlian, engl. to handle, anord. handla, hǫndla, schwed. handla gehören als Ableitungen zu den unter ↗Hand (s. d.) angegebenen Formen und bedeuten zunächst ‘in die Hand nehmen, nach etw. greifen’, ferner ‘behandeln, bearbeiten’. Stark differenziert sich der Gebrauch im Mhd., insbesondere im Sinne von ‘etw. tun, verrichten, betreiben’. Frühnhd. setzen (im Anschluß an Handel ‘Kaufgeschäft’, s. unten) mit kaufmannssprachlich ‘Handel treiben’ (16. Jh.), ‘den Preis festlegen, feilschen’ (17. Jh.) neue Gebrauchstraditionen ein. Auf (wissenschaftliche) Untersuchung und Darstellung bezieht sich handeln in der seit Luther geläufigen Verwendung ‘beschreiben, behandeln’, jünger oft mit unpersönlichem Subjekt ‘zum Inhalt haben’. Handel m. ‘gewerbsmäßiger Ein- und Verkauf, Geschäft, Angelegenheit’, mhd. handel ‘Handlungsweise, Vorgang, Begebenheit’, auch ‘Gerichtsverhandlung, Rechtssache’ (dazu der seit frühnhd. Zeit häufige Plural Händel ‘Streitigkeiten, Zwist’) ist Rückbildung zu handeln; seit dem Frühnhd. (15. Jh.) im Sinne von ‘Kaufgeschäft, Kaufmannsgewerbe’. Händler m. ‘Ein- und Verkäufer, Handeltreibender’, mhd. handeler, handler ‘wer etw. tut, vollbringt, Unterhändler’ (14. Jh.); die im Nhd. allein geläufige Bedeutung ‘Warenverkäufer’ ist seit 1500 nachweisbar und bleibt in zahlreichen Zusammensetzungen bis in jüngste Zeit lebendig, u. a. Buch-, Briefmarken-, Einzel-, Kohlenhändler. Handlung f. ‘Tat, Geschehen, Geschäft, Laden’, mhd. handelunge, in mannigfacher Verwendung, u. a. bereits ‘Kaufhandel’; vgl. ahd. hantalunga ‘Behandlung’ (10. Jh.). abhandeln Vb. ‘ein Thema erörtern, behandeln, durch Kauf oder Tausch erlangen, (den Preis) herunterhandeln’, geläufig seit dem 16./17. Jh.; vgl. mnd. afhandelen im Sinne von ‘abfinden’ (um 1300); Abhandlung f. ‘Unterhandlung, (schriftliche) Darlegung’ (16. Jh.). behandeln Vb. ‘bearbeiten, mit jmdm. umgehen, jmdn. zu heilen suchen’, frühnhd. auch ‘verhandeln’ (16. Jh.), mhd. ‘die Hand reichen’ (12. Jh.); vgl. mnd. behandelen ‘in die Hände bekommen, in die Hände liefern, ein-, aushändigen’; Behandlung f. ‘Bearbeitung, Umgang mit jmdm., ärztliche Betreuung, (wissenschaftliche) Darstellung’, frühnhd. ‘das Betasten’ und ‘Verhandlung’ (16. Jh.). mißhandeln Vb. ‘übel behandeln’, mhd. missehandeln, auch reflexiv ‘sich vergehen, verfehlen’; dazu Mißhandlung, mhd. missehandelunge. unterhandeln Vb. ‘zu vermitteln suchen’; dazu Unterhändler (beide 16. Jh.). verhandeln Vb. ‘über etw. sprechen, um eine Einigung zu erzielen’, mhd. verhandeln, verhendeln ‘verkehrt handeln, schlecht behandeln’, reflexiv ‘sich zutragen, verlaufen’; Verhandlung f. ‘Unterredung, Auseinandersetzung’ (15. Jh.), mhd. (und frühnhd.) verhandelunge ‘falsche Handlung, Vergehen’.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er warnt vor drohendem Unheil, organisiert und unterhandelt geschickt mit Gegnern.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 164
Wenn man mit ihnen unterhandelt, fällt dem Deutschen auf, was ihm auffallen muß.
Tucholsky, Kurt: Wiedersehen mit Paris. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 20491
Die Behauptung, Frankreich besitze keine Regierung, mit der man unterhandeln könne, sei falsch.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 3954
Ich sah mich daher zunächst nach einem Germanisten um und unterhandelte mit Professor Much in Wien.
Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 15687
Man unterhandelte damals mit Liebermann, mit Bernstein, mit Bing und anderen.
Die Zeit, 22.11.1968, Nr. 47
Zitationshilfe
„unterhandeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unterhandeln>, abgerufen am 20.05.2019.

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