untergraben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungun-ter-gra-ben
Wortzerlegungunter-graben
Wortbildung mit ›untergraben‹ als Erstglied: ↗Untergrabung
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
untergräbt (Präsens), untergrub, ›hat‹, untergraben
etw. (mit Absicht) langsam, unmerklich zerstören, zerrütten
Beispiele:
jmds. Autorität, Ansehen, Stellung, Existenz untergraben
diese Gerüchte untergruben seinen Ruf
jmds. Selbstbewusstsein untergraben
das Rauchen hat seine Gesundheit völlig untergraben
Die imperialistischen Kräfte versuchen ... die Einheit und Geschlossenheit des sozialistischen Lagers sowie die Grundlagen des Sozialismus zu untergraben [Einheit1968]
II.
gräbt unter (Präsens), grub unter, ›hat‹, untergegraben
etw. unter die Erde graben und mit der Erde vermengen
Beispiel:
Dünger, Torfmull untergraben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
aushöhlen · untergraben · ↗unterhöhlen · ↗unterminieren · ↗zersetzen  ●  erodieren lassen  geh.
Synonymgruppe
beeinträchtigen (Vertrauen) · ↗beschädigen · ↗erschüttern · in Mitleidenschaft ziehen · untergraben (Vertrauen, jemandes Ruf)
Assoziationen
  • (jemandem) in die Quere kommen · ↗behindern · ↗stören  ●  (jemandem) in die Parade fahren  fig. · (jemandem) ins Gehege kommen  ugs. · (jemandes) Kreise stören  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ansehen Arbeitsmoral Autorität Bemühung Friedensbemühung Friedensprozeß Fundament Glaubwürdigkeit Grundfeste Integrität Kampfmoral Konkurrenzfähigkeit Legitimität Machtbasis Moral Rechtsbewußtsein Rechtsstaat Solidarität Souveränität Stabilität Steuermoral Tarifautonomie Unabhängigkeit Verfassungsgrundsatz Vertrauen Wettbewerbsfähigkeit Zusammenhalt destabilisieren schwächen systematisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›untergraben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das erklärte Ziel vieler Ärzte ist es, das erst vor wenigen Jahren verabschiedete Gesetz systematisch zu untergraben.
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2002
Denn ihr raubtierhaftes Verhalten untergräbt die öffentliche Moral und führt zu sozialem Chaos.
Die Zeit, 18.04.1969, Nr. 16
Wenigstens hier im Hause sollte man seine Kraft nicht untergraben!
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 142
Bolschewistische Flugblätter trugen nicht wenig dazu bei, ihre Moral zu untergraben.
Gitermann, Valentin: Die Russische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 6528
Es lag ihm gar nichts daran, dessen Kommandogewalt zu untergraben.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 239
Zitationshilfe
„untergraben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/untergraben>, abgerufen am 20.05.2019.

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