unterdrücken

GrammatikVerb · unterdrückte, hat unterdrückt
Worttrennungun-ter-drü-cken (computergeneriert)
Wortzerlegungunter-drücken
Wortbildung mit ›unterdrücken‹ als Erstglied: ↗Unterdrücker · ↗Unterdrückung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., besonders Gefühlsäußerungen, Laute nicht laut werden lassen, zurückhalten
Beispiele:
sie konnte ihren Zorn, Ärger, ihre Empörung, Gefühle nur mit Mühe unterdrücken
ein Weinen, Schluchzen, Lachen mühsam unterdrücken
ein unterdrücktes Lächeln, Gähnen, Husten
ein unterdrückter (Freuden)schrei, Seufzer
einen Wunsch, seine Gedanken unterdrücken
eine Bemerkung, Frage unterdrücken (= nicht aussprechen)
er unterdrückte seinen Protest, seine Kritik
2.
einen Aufstand unterdrückeneinen Aufstand gewaltsam verhindern, unterbinden
Beispiele:
der Aufstand wurde rücksichtslos unterdrückt
[die preußischen Truppen] die zum Kampf gegen die Heere der Französischen Revolution aufgebrochen waren mit dem Ziel, die Freiheit des französischen Volkes wieder zu unterdrücken [Natur u. Heimat1962]
3.
jmd. unterdrückt jmdn.jmd. hindert (aufgrund seiner persönlichen Machtbefugnisse) einen anderen an der Wahrung seiner Rechte, Interessen
Beispiel:
er unterdrückte seine Mitarbeiter, Frau
eine Klasse unterdrückt eine andere Klassedie herrschende Klasse hindert aufgrund ihrer verfügbaren wirtschaftlichen und politischen Machtmittel eine aufsteigende Gesellschaftsklasse an ihrer Entfaltung, an der Durchsetzung ihrer Interessen
Beispiele:
das Volk wurde lange Zeit unterdrückt
Alle bisherige Gesellschaft beruhte ... auf dem Gegensatz unterdrückender und unterdrückter Klassen [Marx-EngelsManifest21]
man hat [die Frauen] Jahrtausende unterdrückt [BebelFrau321]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

drücken · Drückeberger · Druck2 · eindrücken · Eindruck · Drücker · ausdrücken · Ausdruck · ausdrücklich · bedrücken · unterdrücken · Unterdrückung · Unterdrücker
drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd. ↗drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bedrücken, quälen, bedrängen’ (9. Jh.), mhd. drücken, drucken ‘(be)drängen, pressen, auspressen, sich drängen’, mnd. drücken, mnl. drucken, nl. drukken, aengl. þryccan ‘zerdrücken, drängen, beleidigen, unterdrücken’, schwed. trycka ‘drücken, drucken’ sind Intensivbildungen (germ. *þrukkjan) zu einer Weiterbildung der Verbalwurzel germ. *þrūg-, die innerhalb des Germ. auch in anord. þrūga ‘drohen, unterdrücken, nötigen’ überliefert ist. Mit verwandtem lit. trū́kti ‘entzweireißen, zerspringen, bersten’ stellen sich die germ. Formen zu ie. *treuk-, *trū̌k-, einer zweifachen Erweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘reiben, drehend reiben’, auf die auch ↗drehen und ↗drohen zurückgehen (s. d.). Drückeberger m. ‘wer sich heimlich (vor einer Arbeit) davonmacht, eine Aufgabe nicht übernimmt’ (19. Jh.), scherzhafte Bildung nach dem Typ der Herkunftsnamen auf -berger (vgl. Perleberger ‘einer aus Perleberg’, s. auch ↗Schlauberger), zu sich drücken ‘sich heimlich davonmachen’ (13. Jh.). Druck2 m. ‘das Drücken, Zwang, Belastung’, modern als technischer Terminus in Luft-, Wasser-, Überdruck u. a.; ahd. thruc ‘Druck, Einwirkung’ (um 1000), mhd. druc ‘Druck, feindliches Zusammenstoßen’. eindrücken Vb. ‘eine Spur hinterlassen, einprägen, durch Druck zerstören’, ahd. inthrucken ‘etw. mit Druck einprägen, aufdrücken’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īndrucken; für geistige Beeinflussung und Wirkung ist heute beeindrucken üblich (seit etwa 1900). Daraus rückgebildet Eindruck m. ‘Druckspur, Einwirkung auf Fühlen und Denken’, mhd. īndruc ‘Empfindung, nachhaltige Wirkung’, bei den Mystikern gebräuchlich, danach häufig seit dem 18. Jh. (einen guten, tiefen Eindruck ‘Wirkung’ machen, hinterlassen). Drücker m. ‘mechanische Vorrichtung, Handhabe zur Ausübung von Druck’ (17. Jh.), dann ‘Bedienungsknopf zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes’; vgl. dagegen mhd. drücker ‘Unterdrücker’, so noch im 19. Jh., dann abgelöst von Unterdrücker (s. unten). ausdrücken Vb. ‘auspressen, (in Worten) darstellen’, mhd. ūʒdrücken ‘auspressen’; seit dem 15. Jh. ‘in Worte fassen, aussprechen’ (Luther: mit ausgedruckten Worten für lat. expressis verbis); im 16. Jh. wird das Part. Prät. ausgedruckt häufig für heutiges ausdrücklich (s. unten) verwendet. Das 18. Jh. verbindet ausdrücken (und Ausdruck) mit dem Sichtbarwerden von Gefühl und seelischer Reaktion und bezieht es auf künstlerische Gestaltung und Formgebung. Ausdruck m. ‘äußerliches Zeichen inneren Geschehens, Erlebens’, spätmhd. ūʒdruc, seit dem 18. Jh. ‘die Art zu sprechen’, auch ‘Redensart, Wort, (künstlerische) Gestaltung’. ausdrücklich Adj. ‘betont, deutlich, klar’ (16. Jh.). bedrücken Vb. ‘belasten’, ahd. bithrucken ‘schänden, niederdrücken, unterdrücken’ (10. Jh.), mhd. bedrücken ‘niederdrücken, überwältigen’. unterdrücken Vb. ‘niederhalten, unterjochen, gewaltsam beherrschen’, mhd. underdrücken ‘nach unten drücken, unterjochen, unterwerfen’; Unterdrückung f. ‘Unterwerfung, (gewaltsame) Beherrschung’ (15. Jh.); Unterdrücker m. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwürgen (Diskussion) · ↗ersticken · unterdrücken
Unterbegriffe
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor der Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.
Assoziationen
  • (jemandem) das Maul stopfen · mundtot machen · zum Schweigen bringen  ●  dafür sorgen, dass jemand den Mund hält  ugs.
  • Totschlagargument  ●  Killerphrase  ugs.
Synonymgruppe
abwehren · ↗ausblenden · ↗ersticken (Gefühle) · ↗niederdrücken · ↗supprimieren · unterdrücken · ↗verdrängen
Politik
Synonymgruppe
kleinhalten · ↗knebeln · ↗knuten · unterdrücken · ↗unterjochen · ↗versklaven  ●  ↗opprimieren  geh., veraltet, lat. · ↗unterbuttern  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
nicht aussprechen · unterdrücken  ●  ↗(eine Bemerkung) hinunterschlucken  fig. · ↗(etwas) runterschlucken  fig. · ↗(sich) (eine Bemerkung) verkneifen  ugs. · (sich) auf die Zunge beißen  ugs., fig. · ↗verbeißen  ugs.
Assoziationen
  • kein Wort über etwas verlieren · mit keinem Wort erwähnen · nicht ansprechen · nicht eingehen (auf) · nicht erwähnen · unerwähnt lassen · ungesagt lassen · ↗unterschlagen · ↗verheimlichen · ↗verleugnen  ●  ↗verschweigen  Hauptform · (mit etwas) hinter dem Berg halten  ugs., variabel · nichts erwähnen (von)  ugs. · nichts erzählen (von)  ugs. · nichts sagen (von)  ugs. · unter den Tisch fallen lassen  ugs., fig. · ↗verhehlen  geh.
  • (aus etwas) ein Geheimnis machen · (die) Diskretion wahren · ↗(jemandem etwas) verheimlichen · für sich behalten · in seinem Herzen bewahren · nicht ausplaudern · nicht verraten · nicht weitererzählen · nicht weitergeben (eine Information) · nicht weitersagen  ●  mit ins Grab nehmen  fig. · ↗verschweigen  Hauptform · Stillschweigen bewahren  geh. · in seinem Herzen verschließen (lit.)  geh. · mit niemandem sprechen über  ugs. · nicht preisgeben  geh. · niemandem etwas sagen (von)  ugs., variabel
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Synonymgruppe
maßregeln · mit Sanktionen belegen  ●  ↗sanktionieren  fachspr. · unterdrücken  ugs.
Synonymgruppe
abwürgen (Diskussion) · nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen · unterdrücken · zu verheimlichen suchen  ●  unter den Teppich kehren  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufstand Grinsen Gähnen Hungergefühl Immunabwehr Immunreaktion Immunsystem Lachen Lächeln Meinungsfreiheit Meinungsäußerung Minderheit Mühe Opposition Pressefreiheit Regung Schluchzen Schmunzeln Seufzer Trieb Träne Vermehrung Zensur ausbeuten brutal demütigen diskriminieren foltern gewaltsam mühsam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterdrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch wenn ich kein Geld hatte, wollte ich mich nicht davon unterdrücken lassen.
Der Tagesspiegel, 20.04.2002
Ich war nicht unterdrückt, wie manche Mädchen, die damals noch nicht mal wußten, wie man zwei Sätze zusammensetzt, weil sie sich nicht entwickeln konnten.
Süddeutsche Zeitung, 10.07.1999
Es kann experimentell wünschenswert sein, die Synthese eines bestimmten Proteins spezifisch zu unterdrücken.
Zimmermann, Herbert: Molekulare Funktionsträger der Nervenzelle. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 34
Auch gegen die Ergebnisse der Ausführungen von A. Schreiber (730) kann ich Bedenken nicht unterdrücken.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 172
Die thematische Kraft dieser Werke läßt sich eben nicht unterdrücken.
Wagner, Siegfried: Erinnerungen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1923], S. 21550
Zitationshilfe
„unterdrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unterdrücken>, abgerufen am 26.06.2019.

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