unsittlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-sitt-lich
Wortbildung mit ›unsittlich‹ als Erstglied: ↗Unsittlichkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

die Moral, besonders auf sexuellem Gebiet, auf gröbste Weise verletzend
Beispiele:
ein unsittlicher Lebenswandel
eine unsittliche Handlung, sich unsittlich aufführen, betragen
unsittliche Beziehungen
sich jmdm. unsittlich nähern
»Sie ist unsittlich«, sagte Frau von Teschow wütend. »Immer steigt sie zu dem Inspektor ins Fenster« [FalladaWolf1,337]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sitte · Unsitte · sittlich · Sittlichkeit · unsittlich · sittsam · Sittenlehre
Sitte f. ‘Brauch, Gewohnheit, (moralischer) Anstand’, ahd. situ (8. Jh.), mhd. site ‘Art und Weise, wie man lebt und handelt, Volksart, -brauch, Gewohnheit, Beschaffenheit, Anstand’ (ursprünglich m., durch häufigen pluralischen Gebrauch bereits spätmhd. f.), asächs. sidu, mnd. sēde, sedde, mnl. sēde, nl. zede, afries. side, aengl. sidu, anord. siðr, schwed. sed, got. sidus (germ. *sedu- m.). Herkunft nicht geklärt. Die übliche Herleitung vergleicht aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Eigenkraft, Charakter, gewohnte Art, Gewohnheit’, griech. éthos (ἔθος, aus *Ϝέθος, ie. *su̯édhos) ‘Gewohnheit, Brauch, Übung’, lat. sodālis ‘Genosse, Kamerad, Gefährte, Mitglied einer Gemeinschaft’ und geht von ie. *su̯ē̌dh- aus, in dem eine Bildung zum Pronominalstamm ie. *seu̯e- (s. ↗sich) gesehen wird. Dagegen erklärt Wissmann in: Münchener Studien zur Sprachwiss. 6 (1955) 129 das stammhafte i in aengl. sidu und anord. siðr für alt (also nicht aus e hervorgegangen). Aus dem gleichen Grunde lehnt Trier Lehm (1951) 41 die oben vorgetragene Etymologie (also auch die Verbindung mit griech. éthos) ab und schließt die germ. Formen von Sitte an die unter ↗Saite und ↗Seil (s. d.) behandelten Substantive an, so daß Sitte (im Ablaut zu Saite stehend) als ‘Verbindendes, Bindung’ gedeutet werden kann. Unsitte f. ‘Anstand und Benehmen Zuwiderlaufendes’, ahd. unsitu (9. Jh.), mhd. unsite ‘üble Gewohnheit, Aufgebrachtheit, Zorn, unfeines oder grobes Benehmen’. sittlich Adj. ‘der Sitte, Moral entsprechend, moralisch’ (15. Jh.), ahd. situlīh (um 800), mhd. sitelich ‘dem Brauch gemäß, ruhig, milde, bescheiden, anständig’. Sittlichkeit f. ‘Wohlanständigkeit, Moral’ (Anfang 16. Jh.). unsittlich Adj. ‘unanständig, anstößig, unmoralisch’, ahd. unsitulīh (um 800), mhd. unsitelich ‘ungehörig, unziemlich, unpassend’. sittsam Adj. ‘brav, ehrbar, geziemend’ (15. Jh.), ahd. situsam ‘passend, geeignet’ (8. Jh.). Sittenlehre f. ‘Lehre von den Sitten, der Moral und Ethik, Moralphilosophie’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
sittenlos · unsittlich
Synonymgruppe
anrüchig · ↗fragwürdig · ↗sittenlos · ↗unethisch · ↗unmoralisch · unsittlich · ↗verwerflich  ●  ↗sündhaft  religiös · ↗amoralisch  geh. · ↗skrupellos  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
  • sittlich
Synonymgruppe
anstößig · eindeutig-zweideutig · nicht salonfähig · ↗obszön · ↗unanständig · unsittlich · ↗unzüchtig · ↗zotig  ●  ↗schmutzig  fig. · ↗dreckig  ugs., fig. · nicht stubenrein  ugs., scherzhaft, fig. · ↗priapeisch  geh., veraltet · ↗schweinisch  ugs. · ↗unkeusch  geh. · versaut  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicht Akt Angebot Annäherung Ansinnen Antrag Belästigung Benehmen Berühren Berührung Handeln Handlung Handlunge Handlungsweise Lebenswandel Schrift Treiben Verhalten Zeichnung Zeitschrift Zwecke angeblich anstößig berühren ehrlos empfinden geradezu nähern sittlich zutiefst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unsittlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Demnach soll einer der Beamten die Frau auch unsittlich berührt haben.
Der Tagesspiegel, 21.05.2004
Dann begann er die Kinder, die die Augen schließen mussten, unsittlich zu berühren.
Die Welt, 20.10.2000
Er habe sie bei äußerlich höflichem Wesen schwer belogen, er sei völlig unsittlich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1923. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1923], S. 123
Eine unsittliche Handlung ist nur eine falsche Bewertung des persönlichen Interesses.
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 11174
Haben Sie sich insbesondere je einer strafbaren oder unsittlichen Handlungsweise schuldig gemacht?
o. A.: Einhundertfünfzehnter Tag. Freitag, 26. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 19102
Zitationshilfe
„unsittlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unsittlich>, abgerufen am 19.04.2019.

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