unschuldig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-schul-dig
Wortbildung mit ›unschuldig‹ als Erstglied: ↗unschuldigerweise
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
schuldlos, frei von Schuld
Beispiele:
der Angeklagte ist unschuldig
an diesem Verbrechen ist er unschuldig
jmdn. für unschuldig erklären
jmdn. unschuldig verdächtigen (= jmdn. verdächtigen, obwohl er schuldlos ist)
unschuldig im Gefängnis sitzen
unschuldig leiden
stell dich nicht so unschuldig!
den Unschuldigen spielen
einen Unschuldigen bestrafen
an etw. unschuldig sein (= für etw. nichts können)
2.
gehoben sittlich rein, ohne Falschheit und ohne Schuld
Beispiele:
unschuldige Kinder
ein unschuldiges Gesicht, Herz, Wesen
umgangssprachlich du bist ein unschuldiger Engel
ein ... Knabe mit großen unschuldigen Augen [C. F. Meyer4,201]
harmlos, naiv
Beispiele:
ein unschuldiges Vergnügen
eine unschuldige Freude
etw. unschuldig fragen, tun
jmdn. unschuldig anblicken
3.
veraltend jungfräulich, unberührt
Beispiele:
ein unschuldiges Mädchen
sie ist noch unschuldig
Ich bin unschuldig in den Stand der Ehe getreten [BrechtDreigroschenoperII 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schuld · schuld · schulden · schuldig · schuldigen1 · Schuldiger1 · schuldigen2 · Schuldiger2 · beschuldigen · anschuldigen · entschuldigen · Schuldner · Unschuld · unschuldig
Schuld f. ‘Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)’, ahd. sculd ‘(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache’ (8. Jh.), mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti-Suffix zu dem unter ↗sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum. Verwandt sind lit. skolà und kaltė͂ ‘Schuld’, apreuß. skallīsnan (Akkusativ Sing. Fem.) ‘Pflicht’. Schuld bezeichnet zunächst eine ‘Verpflichtung oder Leistung’, die einem obliegt, dann speziell die ‘Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst’ und steht sowohl für ‘entliehenes, zurückzuzahlendes Geld’ als auch (vom Gläubiger her gesehen) für ‘verliehenes Geld, Guthaben’. Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über ‘Verpflichtung zur Buße’ die Bedeutung ‘Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht’ an. Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung ‘Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung’ (vgl. mhd. schult geben), ‘Ursache, Grund’ (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens, vgl. mhd. einer sache schulde hān, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben). Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. ‘schuldig’. schulden Vb. ‘jmdm. zu einer Leistung, besonders zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken’, ahd. sculdōn ‘verschulden, verdienen’ (10. Jh., gisculdōn, 9. Jh.), sculden ‘verschulden, verdienen, schuldig sprechen’ (9. Jh.), mhd. schulden ‘schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen’. schuldig Adj. ‘verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend’, ahd. sculdīg ‘schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet’ (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. schuldigen1 Vb. ‘anklagen, bezichtigen’, ahd. sculdigōn (um 1000), mhd. schuldigen. Davon abgeleitet Schuldiger1 m. ‘Beschuldigender, Ankläger, Gläubiger’, mhd. schuldigære, schuldiger. Daneben (selten) schuldigen2 Vb. ‘Schuld tragen, schuldig sein’, ahd. sculdigen (10. Jh.). Davon abgeleitet Schuldiger2 m. ‘wer Schuld auf sich geladen hat, Straffälliger, Missetäter, Beklagter’, ahd. sculdiger (11. Jh.), mhd. schuldigære, schuldiger. Biblisch: … wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Vaterunser (Matth. 6, 12), mhd. … als wir tuon unsern schuldigæren, in der Übersetzung von lat. dēbitōribus nostris (Vulgata), griech. opheilétais ḗmōn (ὀφειλέταις ἡμῶν). beschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, anklagen, bezichtigen’, mhd. beschuldigen ‘anklagen’; vgl. ahd. sculdī̌gōn ‘beschuldigen’ (um 1000). anschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, bezichtigen’, mhd. aneschuldigen. entschuldigen Vb. ‘verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten’, mhd. entschuldigen ‘von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen’. Schuldner m. ‘wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß’, frühnhd. schuldener ‘Schuldner’ und ‘Gläubiger’ (15. Jh.). Unschuld f. ‘Schuldlosigkeit, moralische Reinheit’, ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. ‘schuldlos, moralisch untadelig’, ahd. unsculdīg (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec ‘frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
lauter · ↗makellos · ↗rein · ↗schuldlos · ↗unbefleckt · unschuldig · unschuldig wie ein Lamm · unschuldig wie ein Lämmchen · unschuldig wie ein neugeborenes Baby
Assoziationen
Synonymgruppe
naiv · ↗unberührt · ↗unerfahren · unschuldig  ●  ↗unverbildet  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ahnungslos · nicht eingeweiht (sein) · unschuldig · von nichts wissen
Assoziationen
  • (sich) (etwas) nicht ausgedacht haben · für etwas nicht verantwortlich sein · nicht jemandes Idee (gewesen) sein · nicht jemandes Schuld sein  ●  (etwas) nicht in Schuld sein  ugs., ruhrdt. · (etwas) nicht schuld sein  ugs. · etwas nicht gesagt haben  ugs. · ich war das nicht!  ugs. · nicht auf jemandes Mist gewachsen sein  ugs. · nichts dafür können  ugs.
Synonymgruppe
bar jeder Schuld · frei von (jeder) Schuld · ohne (jede) Schuld · ohne die geringste Schuld · ohne eigenes Verschulden · ↗schuldlos · unschuldig · ↗unverschuldet
Assoziationen
  • (die) Unschuld vom Lande  ugs. · (eine) verfolgte Unschuld  ugs. · ↗Unschuldsengel  ugs. · ↗Unschuldslamm  ugs.
  • (sich) (etwas) nicht ausgedacht haben · für etwas nicht verantwortlich sein · nicht jemandes Idee (gewesen) sein · nicht jemandes Schuld sein  ●  (etwas) nicht in Schuld sein  ugs., ruhrdt. · (etwas) nicht schuld sein  ugs. · etwas nicht gesagt haben  ugs. · ich war das nicht!  ugs. · nicht auf jemandes Mist gewachsen sein  ugs. · nichts dafür können  ugs.
Synonymgruppe
anständig · ↗jungfräulich · ↗keusch · ↗mädchenhaft · ↗rein · ↗sittsam · ↗unbefleckt (bibl.) · ↗unberührt · ↗unbescholten · unschuldig · ↗unverdorben · ↗züchtig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenaufschlag Geschöpf Iraker Kindlein Kreatur Lamm Mandant Mensch Menschenleben Miene Nacktheit Opfer Passant Vergnügen Weiß Zivilbevölkerung Zivilist Ziviliste Zivilperson dreinschauen erlitten fühlen keineswegs kindlich naiv schuldig unbeteiligt unwissend verurteilt wehrlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unschuldig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir wollen den Fall hier nicht noch einmal aufrollen, aber Sie fühlen sich doch immerhin völlig unschuldig.
Der Tagesspiegel, 15.11.2003
Und selbst wenn das Leben sinnlos sein sollte, sind wir nicht unschuldig daran.
Die Welt, 13.10.2003
Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu!
Heym, Stefan: Ahasver, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1983 [1981], S. 61
Sulla war großzügig genug, in diesem Fall kein unschuldiges Blut zu vergießen.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20531
Dieses unschuldige Wort ließ die junge Frau auf einmal laut aufklagen.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8732
Zitationshilfe
„unschuldig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unschuldig>, abgerufen am 18.06.2019.

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