ungeheuer

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-heu-er (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
außergewöhnlich groß, riesig, gewaltig in der Ausdehnung
Beispiele:
ein ungeheurer Koloss
eine ungeheure Statue
eine ungeheure Weite, Entfernung, Tiefe, Höhe, Länge
zahlenmäßig, mengenmäßig außergewöhnlich umfangreich
Beispiele:
eine ungeheure Summe, Anzahl
ungeheure Mengen, Kosten, Mittel, Massen
ein ungeheures Vermögen
ungeheure Ausgaben, Verluste
es kostete ungeheure Opfer
von außergewöhnlichem Maß, Grad, enorm
Beispiele:
etw. erregt ungeheures Aufsehen
etw. wurde ein ungeheurer Erfolg
ungeheure Energie, Kraft, Mühe aufwenden
ungeheure Schmerzen haben
eine ungeheure Angst, Wut, Begeisterung, Freude empfinden
es machte mir ungeheuren Spaß
in ungeheuren Jubel ausbrechen
eine ungeheure Erleichterung spüren
etw. spielt eine ungeheure (= außerordentlich wichtige) Rolle
eine ungeheure (= großartige) Leistung
adverbiell
umgangssprachlich, übertrieben verstärkend   im höchsten Grade, außerordentlich, sehr
Beispiele:
etw. ist ungeheuer groß, hoch
er nahm alles ungeheuer wichtig
eine ungeheuer schwierige Aufgabe
er ist ungeheuer stark
er kam sich [Dativ] ungeheuer witzig vor
sich ungeheuer freuen
das Stück hat mich ungeheuer interessiert
2.
veraltet nicht geheuer, unheimlich, mysteriös
Beispiel:
So war er allen, auch den Bauern, immer ein wenig ungeheuer [C. Hauptm.Einhart2,20]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geheuer · ungeheuer · Ungeheuer · ungeheuerlich
geheuer Adj. heute nur noch verneint nicht geheuer ‘unheimlich’ gebräuchlich. Mhd. gehiure ‘nichts Unheimliches an sich habend, lieblich, angenehm, trefflich’ ist mit Präfix zu einem mhd. nicht belegten Adjektiv ahd. hiuri ‘einfältig, schlicht’ (um 800) gebildet, dem aengl. hēore ‘angenehm, freundlich, mild’, anord. hȳrr ‘mild, froh, freundlich’ entspricht. Es gehört etymologisch als Bildung mit r-Suffix zu germ. *hī̌w-, ie. *k̑(e)iu̯- und damit zu ↗Heirat (s. d.) und weiter zu ↗Heim (s. d.). geheuer bedeutet ursprünglich ‘zum Haushalt, Hauswesen gehörig’ und deshalb ‘vertraut, angenehm’. ungeheuer Adj. ‘unheimlich, grauenhaft’, adverbial mit Bedeutungsabblassung ‘sehr’, ahd. ungihiuri Adj. ‘unnatürlich, mißgestaltet’ (um 800), mhd. ungehiure. Ungeheuer n. ‘Unhold, Scheusal’, ahd. ungihiuri n. (um 800), mhd. ungehiure m. f. n.; Substantivierung des Adjektivs; erst seit dem 18. Jh. durchgehend mit neutralem Genus. ungeheuerlich Adj. ‘schrecklich, fremd, unvorstellbar’, mhd. ungehiurlīche Adv.; vgl. ahd. (substantiviert) unhiurlīh ‘Ungeheuer’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
astronomisch · ↗enorm · ↗gewaltig · ↗gigantisch · ↗immens · ↗kolossal · ↗monströs · ↗monumental · ↗mächtig · ↗riesengroß · ↗riesenhaft · ↗titanisch · ↗unermesslich · ungeheuer · ungeheuer groß · von ungeheurer Größe · ↗überdimensional · ↗überdimensioniert  ●  Herkules...  fig. · Mammut...  fig. · ↗aberwitzig  fig. · ↗riesig  Hauptform · ↗formidabel  geh. · ↗immensurabel  geh.
Assoziationen
  • (die) menschliche Vorstellungskraft übersteigen · (etwas) kann man sich nicht vorstellen · außerhalb des (menschlichen) Vorstellungsvermögens liegen · kaum vorstellbar (sein)
  • (ein) Trumm (von) · ↗Brocken · ↗Kaventsmann · Monster... · ↗Monstrum · Riesen... · großes Ding  ●  dicker Brummer  fig. · (ein) Ungetüm (von)  ugs. · ↗Apparillo  ugs., rheinisch · Mordsteil  ugs. · Oschi  ugs. · ↗Riesending  ugs. · ↗Riesenteil  ugs. · dickes Ding  ugs. · fettes Teil  ugs., jugendsprachlich · Ömmel  ugs. · Ömmes  ugs. · Öschi  ugs.
Synonymgruppe
außergewöhnlich · ↗außerordentlich · ↗besonders · ↗bitter(-) (nur in speziellen Kontexten) · ↗brennend · ↗extrem · ↗fürchterlich · ↗ganz · ↗hoffnungslos · ↗mächtig · ↗rettungslos · ↗schrecklich · ↗sehr (Gradadverb vor Adjektiven) · ↗sündhaft · ↗tief · ungeheuer · ↗verflixt · ↗zutiefst  ●  ↗furchtbar  ugs. · ↗verdammt  ugs. · ↗voll (noch eher jugendsprachlich)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anspannung Anstrengung Anziehungskraft Aufsehen Aufwand Ausmaß Datenmenge Dichte Dynamik Energie Erregung Faszination Fleiß Fülle Intensität Kraftanstrengung Menge Nachholbedarf Popularität Potential Potenzial Provokation Reichtum Summe Tragweite Verschwendung Vielfalt Weite Wichtigkeit Wucht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungeheuer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Punk ist das nun wirklich nicht mehr, die Band geht ungeheuer gelassen zu Werke.
Die Zeit, 27.10.2008, Nr. 43
Eine Übereinstimmung von unterschiedlichen Erfahrungen, vom unterschiedlichen Wissen, ist wirklich ungeheuer schwer.
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2004
Indem sie die Zeit ihre Arbeit tun ließ, hat sie die ungeheure Macht zurückgewonnen, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 294
Sie übersehen hier einen ungeheuer wichtigen Satz, den letzten Satz der Frage 3.
o. A.: Einhundertfünfter Tag. Donnerstag, 11. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 4486
Man ist ausgezeichnet versehen, doch bin ich etwas betäubt von dem ungeheuren Material.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 216
Zitationshilfe
„ungeheuer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ungeheuer>, abgerufen am 21.05.2019.

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