ungebärdig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-bär-dig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›ungebärdig‹ als Erstglied: ↗Ungebärdigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

wild, zügellos
Beispiele:
ein ungebärdiges Kind, Füllen
jmd. hat ein ungebärdiges Wesen, Temperament
ungebärdig (= wild und hemmungslos) weinen, schluchzen
ein ungebärdiger, reißender Gebirgsfluss
[das italienische Volk] das ungebärdig (= aufbegehrend) an seinen Ketten zu rütteln begann [MehringDt. Geschichte162]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gebärde · gebärden · gebärdig · Ungebärde · ungebärdig
Gebärde, f. bis ins 19. Jh. meist Geberde, ‘eine Empfindung, einen Willen, einen inneren Vorgang ausdrückende Bewegung mit Hilfe der Hände, des Gesichts oder des ganzen Körpers, Geste’, ahd. gibārida (8. Jh.), mhd. gebærde ‘Verhalten, Benehmen, Wesen’, asächs. gibāriða, mnd. gebērde, mnl. ghebaerde, ghebeerde gehören als Verbalabstrakta zu ahd. gibāren (8. Jh.), mhd. gebæren ‘sich betragen, verhalten’, asächs. gibārian, mnd. gebēren, aengl. gebæran; dazu vgl. noch ahd. gibārī f. ‘Verhalten’ (11. Jh.), mhd. gebære ‘Verhalten, Aussehen, Wesen’, ahd. gibāri Adj. ‘sich verhaltend, geartet’ (9. Jh.), mhd. gebære ‘angemessen, schicklich, gebührend’. Zur weiteren Verwandtschaft s. ↗gebaren und ↗gebären. Vom Substantiv abgeleitet gebärden Vb. reflexiv ‘sich außergewöhnlich benehmen, verhalten, aufführen’ (2. Hälfte 15. Jh.). gebärdig Adj. ‘sittsam, freundlich’ (16. Jh.). Ungebärde f. ‘übles, unziemliches Benehmen’, mhd. ungebærde. ungebärdig Adj. ‘widersetzlich, störrisch, wild’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
enthemmt · ↗hemmungslos · ↗unbändig · ungebärdig · ↗ungehemmt · ↗ungezügelt
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Haar Natur Phantasie Temperament wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungebärdig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie schlagen ungebärdig um sich und schonen auch die nicht, die mit ihnen marschiert sind.
Die Zeit, 15.07.1966, Nr. 29
Es war durchaus nicht ungezogen, in keiner Weise wild und ungebärdig.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 148
Dann kann der Kritiker lustvoller toben als je zuvor, noch ungebärdiger metzeln und meucheln.
Der Tagesspiegel, 29.09.2001
Früher hatte der Vater, wenn sie wieder einmal gar zu ungebärdig störend um ihn herumsprang, gelegentlich eine Platte gespielt.
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 179
Mit dem Überschwang eines ungebärdigen Jungen preßt er ihren Arm an sich.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 253
Zitationshilfe
„ungebärdig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ungebärdig>, abgerufen am 20.05.2019.

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