unbeholfen

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-be-hol-fen
Wortbildung mit ›unbeholfen‹ als Grundform: ↗Unbeholfenheit
eWDG, 1976

Bedeutung

etwas plump und hilflos in den körperlichen Bewegungen
Beispiele:
der Kranke war etwas unbeholfen
das kleine Kind machte seine ersten unbeholfenen Gehversuche
sich unbeholfen bewegen
seine Hände waren unbeholfen bei dieser Arbeit
etwas ungeschickt, ungewandt
Beispiele:
er war unbeholfen in der praktischen Arbeit
sein Benehmen, Verhalten wirkt unbeholfen
sie sprach immer etwas unbeholfen, es bereitete ihr Mühe, Worte für ihre Gedanken zu finden [NollHolt2,123]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

helfen · abhelfen · behelfen · Behelf · unbeholfen · verhelfen · Helfer · Helfershelfer
helfen Vb. ‘unterstützen, behilflich sein, förderlich sein, Heilung bringen’. Das gemeingerm. starke Verb ahd. helfan (8. Jh.), mhd. helfen, asächs. aengl. helpan, mnd. mnl. nl. helpen, engl. (schwach) to help, anord. hjalpa, schwed. hjälpa, got. hilpan ist lediglich vergleichbar mit balt. Formen wie lit. šel̃pti ‘unterstützen, fördern, beistehen, helfen’, šalpà ‘Unterstützung, Hilfe’, so daß ie. *k̑elb- bzw. (für das Balt.) *k̑elp- ‘helfen, stützen’ angesetzt werden könnte. Möglicherweise ist die zweite Variante dadurch entstanden, daß (im Balt.) die Form durchgeführt wurde, in der die ursprüngliche Media des Wurzelauslauts vor stimmlosem Verschlußlaut oder stimmloser Spirans der folgenden Flexionssilbe (besonders t und s) zur Tenuis wird. Zweifelhaft bleibt, ob die genannten Ansätze als Erweiterungen der Wurzel ie. *k̑el- ‘bergen, verhüllen’ (s. ↗hehlen, ↗hüllen, ↗Hülse, ↗Hölle, hier nach Trier Lehm (1951) 56 in einer semantischen Weiterentwicklung zu ‘genossenschaftlicher und unterstützender Männerkreis’) oder der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. ↗Halde, ↗hold, ↗Huld, vgl. Seebold 254) aufzufassen sind. abhelfen Vb. ‘jmdn. helfend von etw. befreien, einen Übelstand beseitigen’, mhd. abehelfen. behelfen Vb. (reflexiv) ‘sich zu helfen wissen, sich mit Unzureichendem begnügen’, mhd. behelfen (reflexiv) ‘als Hilfe brauchen’; Behelf m. ‘womit man sich in Ermangelung von etw. Besserem behilft, notdürftiger Ersatz(gegenstand), Aushilfe’, mhd. behelf ‘Ausflucht, Vorwand, Zuflucht’; unbeholfen Part.adj. ‘hilflos in den körperlichen Bewegungen, ungeschickt, schwerfällig’, mhd. unbeholfen ‘nicht behilflich’. verhelfen Vb. ‘vermitteln, verschaffen, behilflich sein’, spätmhd. verhelfen. Helfer m. ‘wer jmdm. hilft, jmdn. unterstützt’, ahd. helfāri (8. Jh.), mhd. helfære; Helfershelfer m. zuerst ‘Streitgenosse in einer Fehde’ (Anfang 15. Jh.), doch bald im Sinne von Helfer, seit dem 17. Jh. zunehmend, heute ausschließlich ‘Spießgeselle, Komplize’.

Thesaurus

Synonymgruppe
umständlich · unbeholfen · ↗unpraktisch
Assoziationen
Synonymgruppe
dumpf · ↗plump · unbeholfen  ●  ↗stumpf  ugs.
Synonymgruppe
linkisch · ↗tapsig · ↗tollpatschig · trampelig · ↗täppisch · unbeholfen · ↗ungelenk · ↗ungeschickt · ↗ungewandt · ↗ungeübt  ●  ↗patschert  österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
hölzern · unbeholfen · ↗ungelenk · ↗unprofessionell
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Annäherungsversuch Ausdrucksweise Deutsch Dramaturgie Zärtlichkeit eher hantieren hölzern inszeniert linkisch plump roh rührend scheu schlaksig schwerfällig schüchtern staksen steif stolpern tapsen umständlich unerfahren ungelenk ungeschickt watscheln wirken wirkend Übersetzung ängstlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unbeholfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann steht er etwas unbeholfen gekleidet da, aber seine Geschichten füllen Abende.
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2003
Mir war es lieb, einmal hätte ich mich sicher sehr unbeholfen angestellt, und dann wäre es mir auch peinlich gewesen.
Die Zeit, 31.01.1955, Nr. 05
Plötzlich streicht eine kleine fremde Hand unbeholfen über ihr Haar!
Kästner, Erich: Das doppelte Lottchen, Hamburg: Dressler 1996 [1949], S. 3
Wie sie ihn ermunternd anlachte, tat er schließlich doch den Mund auf, derbgalant, etwas unbeholfen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 977
Und sie schrieb, mit steilen unbeholfenen Zügen ihres Vaters Namen.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 93
Zitationshilfe
„unbeholfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/unbeholfen>, abgerufen am 18.06.2019.

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