umgarnen

GrammatikVerb · umgarnte, hat umgarnt
Aussprache
Worttrennungum-gar-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›umgarnen‹ als Erstglied: ↗Umgarnung
eWDG, 1976

Bedeutung

jmdn. durch Liebenswürdigkeit, Schmeichelei, List für sich und seine eigenen Zwecke zu gewinnen suchen, jmdn. betören
Beispiele:
es gelang ihr, ihn mit Verführungskünsten zu umgarnen
Durch seine Keckheit, seinen Witz und einen Schein von Offenheit hatte dieser Mensch ihn zu umgarnen gesucht [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,78]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Garn · umgarnen · Seemannsgarn
Garn n. ‘aus Fasern gesponnener Faden’, ahd. (9. Jh.), mhd. garn, mnd. gāren, mnl. garen, gaern, nl. garen, aengl. gearn, engl. yarn, anord. schwed. garn (germ. *garna-) bezeichnet ursprünglich die ‘aus getrockneten Därmen gedrehte Schnur’. Die alte Bedeutung ‘Darm’ zeigt sich noch in den Zusammensetzungen ahd. mittigerni (8. Jh.), asächs. midgarni, mhd. mittiger, aengl. micgern ‘in der Mitte der Eingeweide sitzendes Fett’ und im Femininum anord. gǫrn, Plur. garnar ‘Eingeweide’. Sie gilt auch für die außergerm. Verwandten griech. chordḗ (χορδή) ‘Darm(saite), Wurst’ (s. ↗Kordel), lat. hernia ‘Eingeweidebruch’, lit. žárna ‘(Dünn)darm, Schlauch’, aind. híraḥ ‘Band, Streifen’, hirā́ ‘Ader’, die eine Wurzel ie. *g̑her- ‘Darm’ voraussetzen. Bezeichnet Garn zunächst den ‘tierischen Darm’, mit dem man Felle und dgl. zusammennäht, so wird das Wort später auf den einfachen gesponnenen Faden übertragen, während der verstärkte, zweifach gedrehte Faden ↗Zwirn (s. d.) heißt. Schon in mhd. Zeit bedeutet Garn auch das ‘Netz zum Fangen von Wild, Vögeln und Fischen’, heute noch in der Jäger- und Fischersprache; daraus die Wendung ins Garn gehen ‘hereinfallen’, ferner die Ableitung umgarnen Vb. ‘durch Schmeichelei, List für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’, eigentlich ‘mit Netzen einfangen’ (17. Jh.). Seemannsgarn n. ‘abenteuerliche, nicht mit der Wahrheit übereinstimmende Erzählung’, von Seeleuten beim Spinnen von Garn aus zerfasertem Tauwerk vorgetragen (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
berücken · ↗betören · ↗bezaubern · ↗bezirzen · ↗hypnotisieren · in den/seinen Bann schlagen · in den/seinen Bann ziehen · umgarnen · ↗verführen · ↗verzaubern  ●  ↗einlullen  ugs. · ↗einwickeln  ugs. · um den (kleinen) Finger wickeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Charme Dame Delegierte Investor Kunde Leser Nase Netz Publikum Schmeichelei Sponsor Wähler einspinnen gezielt locken umarmen umkreisen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›umgarnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie umgarnen einander, wie sie es in der Ehe nicht getan haben.
Die Welt, 20.07.2005
Hier schickt sich die fünfte Generation gerade an, auch Überseemärkte zu umgarnen.
Süddeutsche Zeitung, 01.06.1996
Daß dieses kleine naiv-verderbte Luderchen ausgerechnet einen solchen seriösen älteren Herrn umgarnen konnte!
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 86
Zu gerne würde er seine Braut auf das Schloss schicken, damit sie den Grafen umgarnt, doch dazu ist er viel zu eifersüchtig.
Fath, Rolf: Rollen - B. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 2067
Die Reichsregierung läßt sich von den Schmeichelworten des römischen Papstes und seiner Bischöfe umgarnen und macht ihren gefährlichsten Feinden die größten Konzessionen.
Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1899], S. 34367
Zitationshilfe
„umgarnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/umgarnen>, abgerufen am 18.10.2019.

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