trotzig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungtrot-zig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
besonders von Kindern   starrsinnig, eigensinnig, widerspenstig
Beispiele:
ein trotziges, störrisches Kind
ein trotziges Gesicht machen
er zeigte ein trotziges Wesen, Verhalten
trotzig blicken
sich gegen jmdn. trotzig auflehnen
trotzig antworten, schweigen
bildlich
Beispiel:
Und dräut der Winter noch so sehr / Mit trotzigen Gebärden [GeibelHoffnung]
2.
dichterisch kühn
Beispiel:
O wie liebte sie ihn, diesen rechten trotzigen Mann [BrodTycho Brahe74]
bildlich
Beispiel:
eine trotzige (= uneinnehmbare) Burg
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trotz · trotzen · tratzen · trotzig · trotz · trotzdem · Trotzkopf
Trotz m. ‘Widersetzlichkeit, Eigensinn’, mhd. (vorwiegend) tra(t)z, (md.) trotz, (obd.) tru(t)z ‘Widersetzlichkeit, Feindseligkeit, Herausforderung’, frühnhd. auch ‘Unerschrockenheit, Mut’, mnd. trot (in der Fügung trot bēden ‘Trotz bieten’), seit dem 17. Jh. in der Literatursprache durch md. Trotz und in bestimmten Wendungen (vgl. Schutz und Trutz) durch obd. Trutz vertreten. Dazu trotzen, tratzen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Herausforderung standhalten’, auch ‘verstockt, bockig sein’ sowie ‘reizen, ärgern, necken’, mhd. (vorwiegend) tratzen, (mit Umlaut) tretzen, (md.) trotzen, frühnhd. (obd.) trutzen ‘reizen, herausfordern zum Kampf, Widerstand leisten, Gehorsam verweigern, mutig, tapfer, hochmütig sein’. Herkunft ungeklärt. Die im Vokalismus unterschiedlichen Formen lassen lautmalenden Ursprung vermuten. de Vries Nl. 724 verbindet trotzen unter Annahme von Metathese mit mnl. tarten, terten, torten, nl. tarten ‘reizen, herausfordern, trotzen’; Pokorny 1, 207 erwägt Verbindung mit aengl. teart ‘streng, scharf, bitter’, vielleicht auch ↗zart (s. d.) im Sinne von ‘zerfasert’, und knüpft an die unter ↗zehren, ↗zerren (s. d.) dargestellte Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ an. trotzig Adj. ‘widersetzlich, eigensinnig, bockig’, mhd. tratzic, tretzig, (md.) trotzic, frühnhd. (obd.) trutzic. trotz Präp. ‘ungeachtet’, hervorgegangen (16./17. Jh.) aus Verbindungen des Substantivs mit nachfolgendem Dativ als eingeschobener Satz (vgl. Trutz meinem Feind), später (Mitte 18. Jh.) auch mit Genitiv. Der Dativ ist erhalten in trotzdem Konj. ‘dennoch’ (19. Jh.), aus trotz dem, daß … Trotzkopf m. ‘trotziger Mensch’ (18. Jh.), älter ‘eigensinnige, halsstarrige Haltung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufmüpfig · ↗aufsässig · ↗dickköpfig · ↗eigensinnig · ↗renitent · ↗respektlos · trotzig · ↗unartig · ↗unbotmäßig · ↗ungehorsam · ↗widersetzlich  ●  ↗zickig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
trotzig · ↗unfreiwillig · ↗ungern · ↗widerwillig  ●  schweren Herzens  ugs.
Assoziationen
  • (auch) gegen ihren Willen · (auch) gegen seinen Willen · ↗gezwungenermaßen · ↗notgedrungen · ob jemand will oder nicht · ↗unfreiwillig · wider Willen · ↗widerwillig · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwangsweise  ●  schweren Herzens  fig. · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs., fig. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs., fig. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs., fig. · ↗nolens volens  geh., lat. · ↗zähneknirschend  ugs., fig.
Synonymgruppe
(ein) sturer Bock (sein) · ↗bockbeinig · ↗bockig · ↗dickköpfig · ↗dickschädelig · stur wie ein Bock · stur wie ein Esel · trotzig · unfügsam · ↗widerborstig · ↗widersetzlich · ↗widerspenstig  ●  ↗störrisch  Hauptform · ↗unduldsam  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufbegehren Aufbäumen Auflehnung Beharren Behauptungswillen Durchhalteparole Entschlossenheit Festhalten Gebärde Nein Optimismus Selbstbehauptung Selbstbehauptungswille Selbstbewußtsein Stolz Verweigerung Zuversicht aufstampfen beharren beinahe bockig entgegnen erwidern fast geradezu klingen recken rotzig verkünden Überlebenswille

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trotzig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann sieht er von hinten aus wie ein trotziges Kind.
Die Welt, 26.02.2003
Ja, sie tragen sie gar mit einem gewissen trotzigen Stolz in ihren Städten.
Der Tagesspiegel, 16.06.2001
Wenn es nicht so läuft, wie sie sich das vorstellt, wird sie trotzig.
Der Spiegel, 06.11.2000
Er wollte die Wirklichkeit nicht verkennen, wollte sie trotzig verneinen.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 211
Der hielt sich aber trotzig zurück, obgleich es beinah unhöflich war, nichts zu sagen.
Meysenbug, Malwida von: Unerfüllt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1907], S. 3425
Zitationshilfe
„trotzig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trotzig>, abgerufen am 19.05.2019.

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