trotzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungtrot-zen
Wortbildung mit ›trotzen‹ als Letztglied: ↗abtrotzen  ·  mit ›trotzen‹ als Grundform: ↗ertrotzen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
besonders von Kindern   starrsinnig, eigensinnig sein, schmollen
Beispiele:
der Knabe trotzt
das Kind glaubte, durch Bitten und Trotzen doch noch etwas erreichen zu können
mit jmdm. trotzen (= jmdm., dem man etw. übelgenommen hat, seinen Unmut zeigen, jmdm. böse sein)
»Jetzt mag ich nimmer«, trotzte die Frau Mutter (= sagte die Frau Mutter trotzend) [TralowKepler265]
2.
gehoben jmdm., einer Sache trotzenjmdm., einer Sache Trotz, die Stirn bieten, entgegentreten, sich widersetzen
Beispiele:
er trotzte dem Vater
dem Wetter, Schicksal, allen Hindernissen, der Gefahr trotzen
Du glaubst es dir schuldig zu sein, mir weiter zu trotzen [ZuchardtNarr475]
bildlich
Beispiel:
die Tür hatte jedem Anprall getrotzt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trotz · trotzen · tratzen · trotzig · trotz · trotzdem · Trotzkopf
Trotz m. ‘Widersetzlichkeit, Eigensinn’, mhd. (vorwiegend) tra(t)z, (md.) trotz, (obd.) tru(t)z ‘Widersetzlichkeit, Feindseligkeit, Herausforderung’, frühnhd. auch ‘Unerschrockenheit, Mut’, mnd. trot (in der Fügung trot bēden ‘Trotz bieten’), seit dem 17. Jh. in der Literatursprache durch md. Trotz und in bestimmten Wendungen (vgl. Schutz und Trutz) durch obd. Trutz vertreten. Dazu trotzen, tratzen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Herausforderung standhalten’, auch ‘verstockt, bockig sein’ sowie ‘reizen, ärgern, necken’, mhd. (vorwiegend) tratzen, (mit Umlaut) tretzen, (md.) trotzen, frühnhd. (obd.) trutzen ‘reizen, herausfordern zum Kampf, Widerstand leisten, Gehorsam verweigern, mutig, tapfer, hochmütig sein’. Herkunft ungeklärt. Die im Vokalismus unterschiedlichen Formen lassen lautmalenden Ursprung vermuten. de Vries Nl. 724 verbindet trotzen unter Annahme von Metathese mit mnl. tarten, terten, torten, nl. tarten ‘reizen, herausfordern, trotzen’; Pokorny 1, 207 erwägt Verbindung mit aengl. teart ‘streng, scharf, bitter’, vielleicht auch ↗zart (s. d.) im Sinne von ‘zerfasert’, und knüpft an die unter ↗zehren, ↗zerren (s. d.) dargestellte Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ an. trotzig Adj. ‘widersetzlich, eigensinnig, bockig’, mhd. tratzic, tretzig, (md.) trotzic, frühnhd. (obd.) trutzic. trotz Präp. ‘ungeachtet’, hervorgegangen (16./17. Jh.) aus Verbindungen des Substantivs mit nachfolgendem Dativ als eingeschobener Satz (vgl. Trutz meinem Feind), später (Mitte 18. Jh.) auch mit Genitiv. Der Dativ ist erhalten in trotzdem Konj. ‘dennoch’ (19. Jh.), aus trotz dem, daß … Trotzkopf m. ‘trotziger Mensch’ (18. Jh.), älter ‘eigensinnige, halsstarrige Haltung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · ↗(sich) erwehren · (sich) seiner Haut zu wehren wissen · ↗(sich) sträuben · ↗(sich) verteidigen · ↗(sich) widersetzen · (sich) zur Wehr setzen · Trotz bieten · Widerstand leisten · die Stirn bieten · ↗widerstehen  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · ↗(sich) wehren  Hauptform · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) erbittert wehren · (sich) körperlich zur Wehr setzen · (sich) nach Leibeskräften widersetzen · (sich) vehement wehren  ●  (sich) mit Händen und Füßen wehren  auch figurativ · (sich) mit Zähnen und Klauen verteidigen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) ausrichten (können) · (jemandem/einer Sache) gewachsen sein · (jemandem/einer Sache) trotzen · (sich) behaupten (gegen) · (sich) durchsetzten (gegen) · ↗bestehen (gegen)  ●  (etwas) reißen (können)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwärtstrend Anfeindung Ansturm Baukrise Branchenflaute Branchenkrise Branchentrend Flaute Gegenwind Hitze Konjunkturflaute Konsumflaute Kälte Minusgrad Naturgewalt Negativtrend Nieselregen Regen Schwerkraft Sturm Trend Unbilden Wetter Widrigkeit Wind Witterung Zeitgeist Zeitlauf abtrotzen tapfer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trotzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur hier ist man unverfroren genug, allen statischen Risiken zu trotzen.
Die Zeit, 23.07.2007, Nr. 30
Sun fühlt sich dennoch in der Lage, dem rauen Wind zu trotzen.
Die Welt, 26.11.2002
Es war ein Leichtsinn, ich habe mir beim Kaufen eingebildet, der Parade aller Knoten trotzen zu können.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 56
Diese aber scheint noch mehr jeder sauberen Sonderung zu trotzen.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 1181
Aber wir trotzten dem furchtbaren Gegner durch feste Haltung und durch zähe Ausdauer.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 1101
Zitationshilfe
„trotzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trotzen>, abgerufen am 25.06.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
trotzdem
Trotzalter
trotz
Trottoir
Trottinett
Trotzer
Trotzhaltung
trotzig
Trotzkismus
Trotzkopf