treu

GrammatikAdjektiv · Komparativ: treuer · Superlativ: am treuesten/am treusten
Aussprache
Wortbildung mit ›treu‹ als Erstglied: ↗Treuhand · ↗treudeutsch · ↗treudoof · ↗treuergeben · ↗treusorgend
 ·  mit ›treu‹ als Letztglied: ↗Mannstreu · ↗Männertreu · ↗bekenntnistreu · ↗buchstabentreu · ↗flächentreu · ↗formtreu · ↗gesetzestreu · ↗gesinnungstreu · ↗goldtreu · ↗heimattreu · ↗kaisertreu · ↗kirchentreu · ↗königstreu · ↗lauttreu · ↗lebenstreu · ↗linientreu · ↗markentreu · ↗naturtreu · ↗pflichttreu · ↗prinzipientreu · ↗regierungstreu · ↗regimetreu · ↗staatstreu · ↗tatsachentreu · ↗texttreu · ↗untreu · ↗verfassungstreu · ↗vertragstreu · ↗wahrheitstreu · ↗werktreu · ↗winkeltreu · ↗wirklichkeitstreu · ↗worttreu · ↗überlieferungstreu
 ·  mit ›treu‹ als Grundform: ↗betreuen · ↗getreu
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
an der engen Bindung zu jmdm., einer Sache beständig und zuverlässig festhaltend
Beispiele:
ein treuer Ehemann, Freund
treue Bundesgenossen, Gefährten
er ist ein treuer Anhänger seines Vereins
eine treue Freundschaft verbindet die beiden seit Jahren
ein treues Tier, Pferd, ein treuer Hund
umgangssprachlich, vertraulich sie ist eine treue Seele
in treuer Liebe
in treuem Gedenken
jmdn. in treuen Andenken behalten
jmdm. etw. zu treuen Händen (= in gute Obhut) übergeben
er wurde für treue Dienste ausgezeichnet
jmdm. treu zur Seite stehen
treu an jmds. Seite stehen
jmdm., einer Sache treu ergeben sein
jmd. ist treu wie Gold, treu wie ein Hund
jmdm. treu sein, bleiben
die beiden sind sich [Dativ] immer treu geblieben
jmdm. treu sein bis in den Tod
sich [Dativ] selbst treu bleiben (= seine Haltung, Gesinnung nicht ändern)
seinen Grundsätzen, Vorsätzen, seiner Überzeugung treu bleiben
treu seine Pflicht erfüllen
treu zusammenhalten
vertraulich treu und brav (= rechtschaffen und redlich) seine Arbeit tun
vertraulich er hat treu und brav eine Stunde lang dort gewartet
bildlich
Beispiel:
das Glück, der Erfolg blieb ihm treu (= er hatte immer Glück, Erfolg)
2.
umgangssprachlich treuherzig
Beispiele:
ihr treuer Blick
treue Augen
jmdn. treu ansehen
du bist ja treu! (= von kindlichem Gemüt, naiv!)
3.
genau, getreu
Beispiele:
ein treues Abbild von etw.
eine treue Schilderung der Verhältnisse geben
eine treue Wiedergabe der Wirklichkeit
eine treue Übersetzung
die Tatsachen treu darstellen
wann [er] die echten Blattern gehabt, war treu verzeichnet [Th. MannBuddenbrooks1,55]
gehoben treu einer Sacheeiner Sache entsprechend
Beispiel:
treu seinem Versprechen, dem Beschluss handeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treu · Treue · traun · Treubruch · treubrüchig · Treuhänder · treulich · treulos · Treulosigkeit · betreuen · Betreuung
treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘treu, getreu, wohlmeinend’, mnd. trūwe, mnl. trūwe, trouwe, nl. trouw, aengl. trīewe, trēowe, engl. true (‘wahr, richtig, echt’) hat neben sich den a/ō-Stamm anord. tryggr ‘treu, vertrauensvoll’, schwed. trygg ‘sicher, geborgen’, got. triggws ‘treu, zuverlässig’. Das Adjektiv gehört zusammen mit den unter Treue (s. unten), ↗trauen und ↗Trost (s. d.) genannten Formen zu dem unter ↗Teer (s. d.) dargestellten Ansatz ie. *deru-, *dreu-, *drū- ‘Baum’, eigentlich wohl ‘Eiche’, und ‘baumstark, hart, fest, treu’ (s. auch ↗Trog und ↗Truhe). Treue f. ‘unverändert feste Verbundenheit, beständige Anhänglichkeit, Zuverlässigkeit’, ahd. triuwa ‘Treue, Zuverlässigkeit, Vertrag, Bündnis’ (8. Jh.), mhd. triuwe, triwe, triu ‘Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Versprechen, Gelübde’, asächs. treuwa ‘Treue, Frieden, Bund’, mnd. trūwe, trouwe ‘Treue, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Eheversprechen, Verlobung’, mnl. trouwe, trūwe, nl. trouw ‘Treue, Heirat, Trauung’, aengl. trēow ‘Treue, Wahrheit, Glaube, Versprechen’, got. triggwa ‘Bund, Bündnis’ (germ. *trewwō), ablautend aengl. trūwa ‘Treue, Glaube, Vertrauen’, anord. trū ‘Treue, Gelöbnis, Glaube, Religion’, schwed. tro ‘Glaube, Treue’. Aus der ursprünglichen Bedeutung ‘gegenseitige feste Abmachung, Bündnis’ entwickelt sich ‘das Einhalten eines Vertrages’; in mhd. Zeit wird Treue zu einem Tugendbegriff der ritterlich-höfischen Ethik. In nhd. Zeit überwiegt der Sinn des Steten, Festen, Dauernden. Die feste präpositionale Wendung (Dativ Plur.) mhd. in triuwen ‘in Wahrheit’, verschmolzen zu einem Wort mhd. entriuwen, mnd. entrūwen, entwickelt sich unter Schwund der unbetonten Präposition zu mhd. triuwen, trouwen, (md.) trūwen, mnl. trouwen, nhd. traun Interjektion ‘fürwahr!, wahrhaftig!, ganz gewiß!’; doch bereits Adelung vermerkt: „in den gemeinen Sprecharten veraltet“. Treubruch m. ‘Verrat’ (um 1700), zuvor bereits treubrüchig Adj. ‘die Treue, den Treueid brechend’, spätmhd. triuwebrüchic ‘wortbrüchig, meineidig’. Treuhänder m. ‘wem etw. zu treuen Händen übergeben worden ist, Verwalter fremden Eigentums’, mhd. triuwehander, -hender, Rechtsausdruck nach Fügungen wie mhd. die triuwen hende, ze triuwer hant, ze triuwen handen. treulich Adj. ‘mit Treue, zuverlässig’, mhd. triuwelich. treulos Adj. ‘ohne Treue, nicht treu, verräterisch’, mhd. triuwelōs. Die ursprünglich rechtliche Bedeutung ‘vertragsbrüchig gegenüber einem Bündnis, gegenüber Abmachungen’ wird in mhd. Zeit zu ‘verräterisch, bertrügerisch’ erweitert, später auch ‘unzuverlässig’ (16. Jh.), ‘lügnerisch’ (18. Jh.), ‘(vom Gedächtnis) unbeständig, ungenau’ (19. Jh.); Treulosigkeit f. ‘treuloses Verhalten, Treubruch’ (Mitte 16. Jh.). betreuen Vb. ‘in Obhut nehmen, pflegen, für jmdn., etw. sorgen’, mhd. betriuwen ‘in Treue erhalten, schützen’. Betreuung f. ‘Zuwendung, Pflege, Bearbeitung’ (17. Jh.), zuvor ‘Zusicherung, Übereignung’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gehorsam · ↗pflichtbewusst · ↗pflichtgemäß · treu
Assoziationen
Synonymgruppe
ergeben · ↗getreu · ↗loyal · ↗sicher · treu · ↗treu ergeben · treugesinnt · ↗treulich · ↗vertrauenswürdig · ↗zuverlässig
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗aufrecht · ↗aufrichtig · ↗ehrbar · ↗ehrlich · ↗fair · ↗geradeheraus · ↗grundanständig · ↗grundehrlich · ↗grundgut · ↗kreuzbrav · ↗lauter · ↗patent · ↗rechtschaffen · ↗redlich · treu · treu und brav · ↗unverstellt · ↗veritabel · ↗wahrhaft  ●  das Herz am rechten Fleck haben  sprichwörtlich, fig. · ↗honett  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anhänger Anhängerschaft Begleiter Diener Fan Fangemeinde Freund Gefolgschaft Gefolgsleute Gefolgsmann Gefährte Helfer Hund Kunde Leser Paladin Parteigänger Parteisoldat Pflichterfüllung Seele Stammpublikum Untertan Vasall Verbündeter Weggefährte bleiben brav ergeben sorgend stets

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›treu‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin offen, treu, ehrlich, lieb und das solltest Du auch sein.
Bild, 30.08.2005
Wir wollen vor allem, dass du aufhörst, uns liebenden Bayern so schändlich treu zu sein.
Der Tagesspiegel, 03.08.2003
In erster Linie muß ich mir selbst treu bleiben, erst dann kann ich anderen treu sein.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 265
Als wir - getreu der deutschen militärischen Devise - getrennt durch den Garten marschierten, um uns auf der Straße wieder zu vereinen, folgte der treue Musikant.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 23
Bleib treu, lieb, bleib gesund und dann bin ich zufrieden.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 24.05.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„treu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/treu>, abgerufen am 24.10.2019.

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