traurig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungtrau-rig
WortzerlegungTrauer-ig
Wortbildung mit ›traurig‹ als Erstglied: ↗Traurigkeit  ·  mit ›traurig‹ als Letztglied: ↗tieftraurig · ↗todestraurig · ↗todtraurig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
von Trauer erfüllt, betrübt, kummervoll
Beispiele:
ein trauriger Mensch
sein trauriger Blick
traurige Augen
ein trauriges Gesicht machen
er schrieb einen traurigen Brief, traurige Gedichte
über etw. traurig sein
sie sah ihn traurig an, sagte ganz traurig ...
traurig gestimmt sein
etw. macht jmdn. traurig
Trauer, Betrübnis, Kummer hervorrufend, bedauerlich
Beispiele:
eine traurige Nachricht
ein trauriger Vorfall
umgangssprachlich das ist ein trauriges Kapitel
sie musste eine traurige Pflicht erfüllen, hat traurige Erfahrungen gesammelt
etw. nimmt ein trauriges Ende
ein trauriges (= beklagenswertes) Los haben
es ist traurig, dass es erst so weit kommen musste, dass man dir das erst sagen muss
traurig genug, dass du mich nicht verstehst!
umgangssprachlich traurig, aber wahr
das traurige Erbe, das der faschistische deutsche Imperialismus unserem Volke hinterlassen hatte [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung12,15]
freudlos, hart, schwer
Beispiele:
er hatte eine traurige Jugend
das waren damals traurige Zeiten, Jahre
2.
armselig, erbärmlich, kläglich
Beispiele:
in traurigen Verhältnissen leben
der Garten war in einem traurigen Zustand
eine traurige Gegend, Einöde
eine traurige Figur abgeben
spöttisch ein Ritter von der traurigen Gestalt
eine Rotte jener traurigen Individuen [BrechtDreigroschenoper-Anmerkungen150]
scherzhaft, übertragen
Beispiele:
es war noch ein trauriger Rest Kuchen da
in deiner Geldbörse sieht es ja traurig aus (= sie ist ja fast leer)
beschämend
Beispiele:
er hat eine traurige Berühmtheit erlangt, spielt eine traurige Rolle in dieser Sache
sie kann den traurigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, auch dabeigewesen zu sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trauern · Trauer · traurig · Trauerspiel
trauern Vb. ‘seelischen Schmerz empfinden, betrübt, ernst sein, Trauerkleidung tragen’, ahd. trūrēn (9. Jh.), mhd. trūren ‘traurig, ernst, nachdenklich sein’, aus dem Hd. entlehnt mnd. trūren, trōren, mnl. trōren, treuren, nl. treuren; vgl. Frings/M. Germania Romana 1 (1966) 21. Geht man daher von anlautendem germ. dr- aus, können als Verwandte asächs. driosan ‘fallen’, aengl. drēosan ‘fallen, sinken’, got. driusan ‘fallen’ sowie aengl. drūsian ‘kraftlos herabsinken, langsam, träge werden’ und ahd. trōr ‘Blut, tropfende Flüssigkeit’, asächs. drōr ‘fließendes Blut’ angesehen werden. Das ermöglicht eine Rückführung auf ie. *dhreus-, dehnstufig *dhrēus-, wozu vielleicht griech. thrá͞uein (θραύειν) ‘zerbrechen, zermalmen, entkräften’, das als s-Erweiterung der unter ↗triefen (s. d.) genannten Wurzel ie. *dhreu- ‘zerbrechen, zerbröckeln’ gelten kann. Als Ausgangsbedeutung für trauern ergibt sich ‘den Kopf sinken lassen’ oder ‘die Augen niederschlagen’ als Trauergebärde (in diesem Sinne wohl ahd. trūrēn bei Otfrid). Bis ins 18. Jh. ist trauren die übliche Form, trauern entsteht unter Einfluß des Substantivs Trauer, zunächst in der 2. und 3. Pers. Präs. trauerst, trauert. Trauer f. ‘tiefer seelischer Schmerz, besonders um einen Verstorbenen, Trauerkleidung’, mhd. (selten) trūre, triure, Rückbildung aus dem Verb; erst seit dem 17. Jh. geläufig. traurig Adj. ‘von Trauer erfüllt, bekümmert, schmerzlich, beklagenswert, armselig, erbärmlich’, ahd. trūrag (um 1000), mhd. trūrec, trūric; vgl. ablautend aengl. drēorig ‘blutig, schmerzlich, traurig’, engl. dreary ‘traurig’. Trauerspiel n. ‘Theaterstück mit tragischem Ausgang’ (um 1630) für Tragödie, zuerst Trauerspielschreiber (Opitz), wohl gebildet nach älterem Lustspiel.

Thesaurus

Synonymgruppe
armselig · ↗betrüblich · ↗kümmerlich · ↗ärmlich  ●  ↗billig  ugs. · ↗schwach  ugs. · traurig  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem ist) schwer ums Herz · bedrückt · ↗bekümmert · ↗betrübt · ↗freudlos · ↗gedrückt · ↗kummervoll · ↗lustlos · nicht aufzuheitern · ↗niedergedrückt · ↗niedergeschlagen · ↗resigniert · ↗trübselig · ↗trübsinnig · ↗unfroh · ↗unglücklich  ●  traurig  Hauptform · dasitzen wie ein Häufchen Elend  ugs. · ↗geknickt  ugs. · ↗unlustig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Trübsal blasen · ↗betrauern · den Kopf sinken lassen · deprimiert (sein) · durch nichts aufzuheitern sein · enttäuscht (sein) · ↗leiden · ↗mutlos (sein) · ↗resigniert (sein) · ↗trauern · traurig (sein)  ●  den Kopf hängen lassen  Redensart, fig. · (wie) ein Häufchen Elend  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Anblick Auge Berühmtheit Bilanz Clown Geschichte Gesicht Gestalt Gewißheit Held Höhepunkt Kapitel Lied Los Nachricht Realität Rekord Schicksal Tatsache Tropen Wahrheit enttäuscht gucken komisch lustig sehr stimmen wütend ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›traurig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin sehr traurig, dass ich nicht mehr mit diesem Verleger arbeiten werde.
Die Zeit, 16.12.2013, Nr. 50
Der Mann muß den Samen verlieren, andernfalls wird er traurig.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 61
Nein, das Ende ist traurig, und meine Augen werden nass, nein, nicht nur feucht.
Bach, Tamara: Marsmädchen, Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger 2003, S. 86
Aber sie bat ihn, nicht traurig darüber zu sein, daß sie ihn erkannt habe.
Jacques, Norbert: Dr. Mabuse, der Spieler, Gütersloh: Bertelsmann 1961 [1920], S. 49
Und dann hatte sie den Vater sanft auf die traurigen Augen geküßt.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 246
Zitationshilfe
„traurig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/traurig>, abgerufen am 19.08.2019.

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