trügerisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungtrü-ge-risch (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
betrügerisch, heuchlerisch
Beispiele:
trügerische Worte
trügerische Beredsamkeit
ein trügerisches Spiel treiben
sein Versprechen hat sich als trügerisch erwiesen
O wie so trügerisch sind Weiberherzen [VerdiRigolettoIV 2]
2.
einen falschen Eindruck oder eine falsche Hoffnung bei jmdm. erweckend, die Sinne täuschend
Beispiele:
ein trügerisches Merkmal, Zeichen, ein trügerischer Schein
eine trügerische Ähnlichkeit, Stille
ein trügerischer Schluss (= Trugschluss), Wohlstand
der äußere Prunk der Feste war trügerisch
eine trügerische Eisdecke, Luftspiegelung
Die Ruhe nach der Verhaftung war trügerisch [ApitzNackt250]
illusorisch
Beispiele:
sich keinen trügerischen Hoffnungen hingeben
Als es tagte, wollte sich wiederum ein trügerischer Hoffnungsschimmer in ihr Herz einschleichen [Kellerm.Totentanz386]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter ↗Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Synonymgruppe
trügerisch · ↗täuschend · ↗verräterisch
Synonymgruppe
schimärisch · trügerisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschein Beschaulichkeit Einfachheit Evidenz Gefühl Gewißheit Glanz Harmonie Hoffnung Hoffnungsschimmer Idyll Illusion Leichtigkeit Normalität Ruhe Schein Selbstgewißheit Selbstsicherheit Selbstzufriedenheit Sicherheit Sicherheitsgefühl Stille Verheißung Verlockung Versprechung Vorspiegelung Weiberherz Wunschbild erweisen glitzernd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trügerisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An diesem Abend ging man zusammen spazieren, doch dann riß der trügerische Frieden.
Der Spiegel, 13.04.1981
Unterstützung, die der General aus Bonn erhielt, erwies sich schmerzlicherweise als trügerisch.
Die Zeit, 19.04.1963, Nr. 16
Er hatte für den Fonds einen Namen bereit, noch von den armen, trügerischen Zeiten seines Vaters her.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 362
Partei, sagte er, das sei eine Religion, trügerisch wie jede andere.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 75
Die Ruhe nach der Verhaftung war trügerisch, und sie mißtrauten ihr.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 165
Zitationshilfe
„trügerisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trügerisch>, abgerufen am 16.10.2019.

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