trügen

GrammatikVerb · trog, hat getrogen
Aussprache
Worttrennungtrü-gen
Wortbildung mit ›trügen‹ als Binnenglied: ↗untrügbar
eWDG, 1976

Bedeutung

etw. trügtetw. erweckt einen falschen Eindruck, eine falsche Hoffnung, täuscht jmds. Sinne
Beispiele:
das Gefühl, die Ahnung trog nicht
wenn mich mein Gedächtnis, die Erinnerung nicht trügt, ist das so
die Sinne trügen (uns) oft
das Auge trügt
der Augenschein kann trügen
der Schein trügt
meine Hoffnungen haben (mich) nicht getrogen (= waren nicht illusorisch)
Wenn nicht alles trügt, stehen wir an der Schwelle einer neuen Entwicklungsphase des deutschen Romans [Weiskopf8,143]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter ↗Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Synonymgruppe
blenden · ↗bluffen · trügen · ↗täuschen
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnung Anschein Anzeichen Augenschein Eindruck Erinnerung Frucht Gefühl Handschrift Hauptlast Hauptschuld Hauptverantwortung Hoffnung Idyll Instinkt Kopftuch Mitschuld Mitverantwortung Rechnung Schein Schuld Verantwortung Vorzeichen Zeichen austrügen beitrügen davontrügen mittrügen vortrügen weitertrügen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trügen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die poetischen Namen lassen eine zauberhafte Gegend vermuten, und sie trügen nicht.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 48
Die Juden trügen ihm aber doch noch mehr, wendete der Kaiser ein.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 41
Das falsche Licht trog, täuschte ihm einen widerlichen Anblick vor.
Ebner-Eschenbach, Marie von: Agave. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5747
Wie oft wird mich dieses Gefühl noch trügen bei dem Einzug in eine fremde Stadt!
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 32
Sie höben zudem das Straßenbild und trügen somit zur Förderung des Fremdenverkehrs bei.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 983
Zitationshilfe
„trügen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trügen>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Trugdolde
Trugbild
Trug
Trüffelschwein
Trüffelschokolade
trügerisch
Truggestalt
Truggewebe
Trugschluss
Trugschrift