trüben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungtrü-ben
Wortbildung mit ›trüben‹ als Letztglied: ↗betrüben · ↗eintrüben
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. trübt etw.etw. macht etw. trübe, etwas dunkler
Beispiele:
keine Wolke trübte das Licht der Sonne, den Sonnenschein, den blauen, klaren Himmel
gehobenNicht trübte schon den funkelnden Azur / der Riesenschlote schmutzigfeuchter Brodem [A. HolzBuch d. Zeit242]
etw. trübt sichetw. wird trübe, etwas dunkler
Beispiel:
der Himmel trübte sich
bildlich
Beispiel:
Tod und Not hatten das Licht der Augen nicht trüben können [ApitzNackt301]
2.
etw. trübt etw.etw. bewirkt, dass etw. nicht durchsichtig, nicht klar ist
Beispiele:
Bakterien haben die Brühe getrübt
eine getrübte Nährlösung
Er aß gierig, daß ihm der Schweiß die Brillengläser trübte [MoloEin Deutscher365]
Ist jedoch die Hornhaut oder Linse durch Erkrankung oder Verletzung getrübt und dadurch undurchsichtig geworden, versagt auch der Augenspiegel [Gesundheit1966]
etw. trübt sichetw. wird undurchsichtig, unklar
Beispiel:
das Wasser trübt sich und fängt an zu kochen
bildlich
Beispiele:
etw. trübt jmdm. den Blick (für etw.) (= etw. bewirkt, dass jmd. etw. nicht erkennt)
sich [Dativ] den Blick für etw. durch nichts trüben lassen
spöttischjmd. ist von keiner Sachkenntnis getrübt (= jmd. versteht von einer bestimmten Sache nichts)
umgangssprachlich, scherzhaft jmd. kann kein Wässerchen trübenjmd. kann nichts Unrechtes, Böses tun, ist harmlos
Beispiel:
er tut so, sieht aus, sitzt da, macht ein Gesicht, als könne er kein Wässerchen trüben
übertragen
Beispiele:
ein getrübtes Bewusstsein, Gedächtnis
der getrübte Orientierungssinn des Kranken
Sein Verstand trübte sich vor Eifersucht und Ekel [NollHolt1,215]
3.
etw. trübt etw.etw. beeinträchtigt, stört etw.
Beispiele:
das trübte nicht die Freude, das Fest, die Freundschaft
Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten trübten das persönliche Verhältnis der beiden
schöne, durch nichts getrübte Tage verbringen
zu diesem Land bestehen getrübte politische Beziehungen
die Stimmung war getrübt
die fortwährenden Geldangelegenheiten haben die Beziehungen zwischen ihr und Balzac endgültig getrübt [St. ZweigBalzac384]
etw. trübt sichetw. verschlechtert sich
Beispiel:
Ich muß gestehen, daß leider meine Seelenstimmung sich zu trüben beginnt bei deinem Gespräch [Th. MannJoseph4,378]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trübe · trüben · Trübsinn · trübsinnig · Trübsal · trübselig · betrüben · betrüblich
trübe Adj. ‘undurchsichtig, nicht klar, nicht hell, freudlos’. Das westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. truobi ‘dunkel, undurchsichtig, getrübt, betrübt, verwirrt’ (8. Jh.), mhd. trüebe ‘lichtlos, glanzlos, düster, finster, traurig, bekümmert’, asächs. drōƀi ‘trübe, betrübt’, mnd. drȫve ‘betrübt, traurig’, mnl. droeve, nl. droef ‘betrübt, düster, dunkel, unklar, unverständlich’, aengl. drōf ‘unruhig, in Verwirrung, schmutzig, schlammig’ (germ. *drōbi-) ist verwandt mit den unter ↗Treber angeführten germ. und außergerm. Formen und stellt sich mit diesen zu ie. *dherəbh-, *dhrāb-, *dhrəbh-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch von trüben Farbtönen. Ausgehend von ‘aufgewühlt’ (von Gewässern), ‘unklar, schlammig’, entwickeln sich bereits im Ahd. die übertragenen Bedeutungen ‘unklar, nicht oder kaum durchsichtig’ und (seelisch, geistig) ‘verwirrt, unruhig, verstört’. trüben Vb. ‘trübe, dunkler machen, beeinträchtigen, stören’, ahd. truoben ‘Bodensatz aufwühlen, Wasser verunreinigen, verwirren, beunruhigen, erschüttern’ (8. Jh.), mhd. trüeben, truoben ‘trübe machen, beunruhigen, verwirren’, reflexiv ‘sich betrüben’, aengl. drēfan ‘betrüben, erregen, beunruhigen’, got. drōbjan ‘trüben, irre machen’. Daneben steht intransitives ahd. truobēn ‘betrübt, dunkel werden’ (9. Jh.), mhd. truoben ‘trübe sein oder werden, traurig werden’, asächs. drōƀian ‘betrübt werden, zurückschrecken’, got. drōbnan ‘unruhig werden’. Im Nhd. wird das intransitive Verb aufgegeben und durch reflexives sich trüben ersetzt. Übertragener Gebrauch ist in den frühesten Zeugnissen bereits voll ausgebildet. Trübsinn m. ‘schwermütige, melancholische Gemütsverfassung’ und trübsinnig Adj. ‘schwermütig, hoffnungs- und mutlos, pessimistisch’ (beide Mitte 18. Jh.). Trübsal f. ‘Traurigkeit, Melancholie, Hoffnungslosigkeit’, ahd. truobisal n. m. (11. Jh.), mhd. trüebesal n. m. f. ‘Undurchsichtigkeit, Finsternis, Drangsal, Plage, Traurigkeit, Betrübnis’, bis ins 19. Jh. mit schwankendem Genus; zum Ableitungssuffix s. ↗-sal, ↗-sel. trübselig Adj. ‘mit Ungemach, Bedrängnis behaftet, traurig, mutlos’ (16. Jh.), besonders in neuerer Sprache ‘armselig, kümmerlich’; voraus geht Trübseligkeit f. (15. Jh.). betrüben Vb. ‘traurig machen’, ahd. bitruoben ‘verderben’ (Hs. 13. Jh.), mhd. betrüeben ‘trübe machen, verdunkeln, betrüben, heimsuchen’. betrüblich Adj. ‘traurig machend, Bedauern hervorrufend’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dämpfen · ↗schmälern · trüben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausblick Aussicht Bilanz Blick Erfolgsbilanz Freude Genuß Gesamtbild Gesamteindruck Glanz Harmonie Idyll Konjunkturaussicht Konjunkturdaten Laune Mißton Optimismus Sachkenntnis Stimmung Urlaubsfreude Urteilsvermögen Vergnügen Verhältnis Vorfreude Wachstumsaussicht Wasser Wermutstropfen Wolke eintrüben Ölpreis

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trüben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß man dabei nicht allein ist, trübt das Vergnügen keineswegs.
Die Welt, 14.01.2005
Dennoch waren die Feiern etwas getrübt, weil Ang Lee nicht als bester Regisseur und nicht für den besten Film ausgezeichnet wurde.
Der Tagesspiegel, 26.03.2001
Diese letzte Stunde mit ihr wollte er sich nicht trüben.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 168
Tod und Not hatten das Licht der Augen nicht trüben können.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 200
Mehrere Kinder waren gestorben und trübten vorübergehend die Freude des Wiedersehens.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 471
Zitationshilfe
„trüben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trüben>, abgerufen am 14.11.2019.

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