trüb

GrammatikAdjektiv
Nebenform trübe · Adjektiv
Worttrennungtrüb ● trü-be
Wortbildung mit ›trüb‹ als Erstglied: ↗Trübnis · ↗Trübsinn · ↗Trübstoff · ↗trübgelb · ↗trübrot · ↗trübselig
 ·  mit ›trüb‹ als Letztglied: ↗naturtrüb  ·  mit ›trüb‹ als Grundform: ↗Trübheit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ohne Leuchtkraft, ziemlich dunkel
Gegenwort zu klar
a)
matt
Beispiele:
der trübe Schein der Petroleumlampe
Von der Decke stank ein trübes Lämpchen inmitten der verbrauchten Luft [KolbSchaukel87]
b)
nicht hell und klar, sonnenlos, unfreundlich, düster
Beispiele:
ein trüber Novembertag, Morgen, Himmel
auch in der trüben Jahreszeit sollte man spazierengehen
heute ist trübes Wetter
bildlich
Beispiel:
Trübe Schatten haben sich auf den anbrechenden Herbst seines Lebens herabgesenkt [WildenhainSchauspieler90]
c)
trübe Farben (= Farben, die wegen ihrer Zusammensetzung oder Verschmutzung nicht leuchtend und klar sind)
Beispiel:
ein trübes Rot, Gelb
2.
nicht durchsichtig
Gegenwort zu klar
Beispiele:
das trübe Wasser des Kanals
ein trüber Strom schmutzigen Wassers
ein trüber Saft, Wein
nicht spiegelnd, stumpf
Beispiele:
er hat trübe Augen
der Spiegel, das Glas ist trüb (= beschlagen)
bildlich jmd. hat einen trüben Blick
abwertend, übertragen
Beispiele:
ein trübes (= unsauberes) Gewerbe
im Trüben fischen (= aus einer unklaren Lage Vorteile ziehen)
3.
traurig
a)
bekümmert, bedrückt
Beispiele:
eine trübe Stimmung, Laune haben
manchmal macht mich das ganz trübe
jmd. schaut trübe (= düster) drein, lächelt trübe vor sich hin
trübe saß er in einer Ecke des Zimmers
salopp er ist eine trübe Tasse (= mit ihm ist nichts anzufangen)
b)
betrübend, bedrückend
Beispiele:
trübe Ahnungen, Aussichten, Erfahrungen, Zweifel
keine trüben Gedanken aufkommen lassen
damals waren es trübe Zeiten, Verhältnisse
das wird dir über trübe Stunden hinweghelfen
diese Epoche war ein trübes Kapitel in der Geschichte
Überraschend zwängte sich eine Erinnerung in seine trüben Betrachtungen [O. M. GrafBolwieser16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trübe · trüben · Trübsinn · trübsinnig · Trübsal · trübselig · betrüben · betrüblich
trübe Adj. ‘undurchsichtig, nicht klar, nicht hell, freudlos’. Das westgerm. bezeugte Adjektiv ahd. truobi ‘dunkel, undurchsichtig, getrübt, betrübt, verwirrt’ (8. Jh.), mhd. trüebe ‘lichtlos, glanzlos, düster, finster, traurig, bekümmert’, asächs. drōƀi ‘trübe, betrübt’, mnd. drȫve ‘betrübt, traurig’, mnl. droeve, nl. droef ‘betrübt, düster, dunkel, unklar, unverständlich’, aengl. drōf ‘unruhig, in Verwirrung, schmutzig, schlammig’ (germ. *drōbi-) ist verwandt mit den unter ↗Treber angeführten germ. und außergerm. Formen und stellt sich mit diesen zu ie. *dherəbh-, *dhrāb-, *dhrəbh-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch von trüben Farbtönen. Ausgehend von ‘aufgewühlt’ (von Gewässern), ‘unklar, schlammig’, entwickeln sich bereits im Ahd. die übertragenen Bedeutungen ‘unklar, nicht oder kaum durchsichtig’ und (seelisch, geistig) ‘verwirrt, unruhig, verstört’. trüben Vb. ‘trübe, dunkler machen, beeinträchtigen, stören’, ahd. truoben ‘Bodensatz aufwühlen, Wasser verunreinigen, verwirren, beunruhigen, erschüttern’ (8. Jh.), mhd. trüeben, truoben ‘trübe machen, beunruhigen, verwirren’, reflexiv ‘sich betrüben’, aengl. drēfan ‘betrüben, erregen, beunruhigen’, got. drōbjan ‘trüben, irre machen’. Daneben steht intransitives ahd. truobēn ‘betrübt, dunkel werden’ (9. Jh.), mhd. truoben ‘trübe sein oder werden, traurig werden’, asächs. drōƀian ‘betrübt werden, zurückschrecken’, got. drōbnan ‘unruhig werden’. Im Nhd. wird das intransitive Verb aufgegeben und durch reflexives sich trüben ersetzt. Übertragener Gebrauch ist in den frühesten Zeugnissen bereits voll ausgebildet. Trübsinn m. ‘schwermütige, melancholische Gemütsverfassung’ und trübsinnig Adj. ‘schwermütig, hoffnungs- und mutlos, pessimistisch’ (beide Mitte 18. Jh.). Trübsal f. ‘Traurigkeit, Melancholie, Hoffnungslosigkeit’, ahd. truobisal n. m. (11. Jh.), mhd. trüebesal n. m. f. ‘Undurchsichtigkeit, Finsternis, Drangsal, Plage, Traurigkeit, Betrübnis’, bis ins 19. Jh. mit schwankendem Genus; zum Ableitungssuffix s. ↗-sal, ↗-sel. trübselig Adj. ‘mit Ungemach, Bedrängnis behaftet, traurig, mutlos’ (16. Jh.), besonders in neuerer Sprache ‘armselig, kümmerlich’; voraus geht Trübseligkeit f. (15. Jh.). betrüben Vb. ‘traurig machen’, ahd. bitruoben ‘verderben’ (Hs. 13. Jh.), mhd. betrüeben ‘trübe machen, verdunkeln, betrüben, heimsuchen’. betrüblich Adj. ‘traurig machend, Bedauern hervorrufend’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bedeckt · ↗bewölkt · ↗bezogen · trüb · trübe · ↗wolkig
Synonymgruppe
trüb · trübe · ↗unklar
Synonymgruppe
milchig · ↗opak · opaque · ↗transluzent · transluzid · trüb · trübe · ↗undurchsichtig
Assoziationen
  • kontrastarm  ●  ↗flau (Foto)  fachspr., Jargon
Synonymgruppe
fahl (Licht) · ↗matt · trüb

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausblick Aussicht Brühe Flut Flüssigkeit Funzel Gedanke Geschäftsaussicht Gewässer Herbsttag Herbstwetter Kapitel Konjunkturaussicht Licht Linse Novembermorgen Novembertag Novemberwetter Quelle Stimmung Tasse Tümpel Wachstumsaussicht Wasser Wetter Wintertag Wirtschaftsaussicht Zukunftsaussicht neblig regnerisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›trübe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für die Zahl 19, die den letzten hundert Jahren ihren Stempel aufgedrückt hat, brechen nun auch trübe Zeiten an.
Süddeutsche Zeitung, 01.01.2000
Wahrscheinlich wurde es draußen schon hell; trübes Licht erfüllte das Zimmer.
Der Tagesspiegel, 16.01.1998
Er sähe die Lage trüber an als das letzte Mal.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 41
Wie trüb ist das Auge, das hinter dem Drama den Autor nicht ahnen darf!
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 24
Es steht also noch die Normung der trüben Farben aus.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„trüb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/trüb>, abgerufen am 14.10.2019.

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