taumeln

GrammatikVerb · taumelte, hat/ist getaumelt
Aussprache
Worttrennungtau-meln
Wortbildung mit ›taumeln‹ als Letztglied: ↗auftaumeln · ↗umhertaumeln · ↗umtaumeln · ↗vorbeitaumeln · ↗vorwärtstaumeln · ↗wegtaumeln · ↗zurücktaumeln
eWDG, 1976

Bedeutung

sich schwankend, schaukelnd bewegen
a)
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
sich (unsicher) hin- und herbewegen, torkeln
Beispiele:
er hat, ist vor Schwäche, Hunger, Müdigkeit, wie ein Betrunkener getaumelt
er stand so ruckartig auf, dass er getaumelt ist
er taumelte unter den Schlägen
etw. macht jmdn. taumeln
er schleppte sich taumelnd weiter, ging mit taumelnden Schritten davon
der Nachtfalter flatterte im taumelnden Flug um das Licht
taumelnde Schmetterlinge
Er mußte sich an den Pfosten festhalten, so taumelte er [St. ZweigNovellen1,27]
bildlich
Beispiele:
vor dem Fenster taumelten große Schneeflocken
Metas Ohrring taumelte wieder vor meinen Augen [H. W. RichterSpuren116]
nach vielen Stunden ... war in meinem Kopf nur noch ein Taumeln von Gedanken [KeunMitternacht79]
im Part. Präs.
gehoben, übertragen taumelndrauschhaft, ekstatisch
Beispiele:
ihn erfüllte eine taumelnde Glückseligkeit
in einem wahren Rausch taumelnder Verzückung [BahrHimmelfahrt337]
b)
mit Hilfsverb ›ist‹
sich schwankend, torkelnd in einer bestimmten Richtung vorwärtsbewegen
Beispiele:
er ist betrunken nach Hause, durch die Straßen, von einer Straßenseite auf die andere getaumelt
er taumelte aus dem Bett, in das Zimmer, gegen die Wand, zum Fenster
der Falter taumelt (= flattert) von Blüte zu Blüte
die Schiffe taumeln über das stürmische Meer
bildlich
Beispiele:
jmd. taumelt in den Abgrund, ins Unglück
er taumelt von Vergnügen zu Vergnügen, von einem Liebesabenteuer zum anderen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taumeln · Taumel · taum(e)lig
taumeln Vb. ‘sich unsicher, schwankend vorwärts oder hin und her bewegen, schwanken, torkeln’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb ahd. tūmilōn ‘dröhnen, tosen’ (8. Jh.), tūmalōn ‘sich im Kreise herumdrehen, rollen’ (Hs. 15. Jh.), mhd. tūmeln ‘sich mit Heftigkeit bewegen, springen, tanzen’, frühnhd. ‘sich (im Schwindel, im Rausch) unsicher bewegen, hin und her wanken’, mnd. mnl. tūmelen, nl. tuimelen ist eine Iterativbildung zu dem untergegangenen Verb ahd. tūmōn ‘kreisen, drehen, (sich) winden’ (10. Jh.), mhd. tūmen. Es gehört als Bildung mit m-Formans zu der unter ↗Duft, ↗Dunst (s. d.) aufgeführten Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf, auch ‘in heftiger, wallender Bewegung sein’; s. auch ↗tummeln. Taumel m. ‘Gefühl des Schwankens, Schwindel(gefühl), rauschhafter Gemütszustand, innere Erregung, Überschwang’ (17. Jh.), Rückbildung von taumeln. taum(e)lig Adj. ‘schwindlig, schwankend, benommen’ (17. Jh.), früher taumelicht.

Thesaurus

Synonymgruppe
schwanken · taumeln · ↗torkeln · ↗trudeln · ↗wanken  ●  ↗wackeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Betrunkener Freie Schmetterling auftaumeln benommen blutüberströmt dahintaumeln durchtaumeln entgegentaumeln entlang führungslos her heraustaumeln herein herum herumtaumeln hilflos hineintaumeln hintaumeln hinunter orientierungslos rückwärts torkeln umher umhertaumeln vorbei vorwärts zurücktaumeln zutaumeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›taumeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich taumelte nur von einer neuen Erfahrung in die nächste.
Bild, 08.02.2005
Dann gehen sie lautlos ihrer Wege, sie taumeln nicht mal.
Die Welt, 03.06.2003
Schließlich erhebt er sich leicht taumelnd und streckt dem Arzt die Hand hin.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 281
Er taumelt und seine Augen verdrehen sich auf eine seltsame Art.
Rilke, Rainer Maria: Der Totengräber. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1903], S. 6082
Man taumelt herum, die Arme hochgeworfen, und japst nach Luft.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 443
Zitationshilfe
„taumeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/taumeln>, abgerufen am 17.08.2019.

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