stumm

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›stumm‹ als Erstglied: ↗Stummfilm · ↗Stummheit  ·  mit ›stumm‹ als Letztglied: ↗stockstumm · ↗taubstumm  ·  mit ›stumm‹ als Grundform: ↗Stumme · ↗verstummen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
ohne die Fähigkeit, das Vermögen, sprechen zu können
Beispiele:
ein stummes Kind
seit dem schweren Unfall ist er stumm
er ist stumm geboren
übertragen
Beispiele:
am Wege lag ein Findling aus Granit, ein stummer Zeuge der Eiszeit
umgangssprachlich ein stummer Diener (= Serviertisch)
veraltend der stumme Portier (= Orientierungstafel mit den Namen aller Hausbewohner, die im Hausflur hängt)
2.
ohne sich lautlich, in Worten zu äußern, ohne zu sprechen, schweigsam
a)
Beispiele:
er war ein aufmerksamer, aber stummer Zuhörer
sie sahen einander stumm an
stumm nicken
vor Schreck, Freude stand sie starr und stumm da
sie schauten uns stumm an
er war so stumm, dass wir fürchteten, er fühle sich beleidigt
er begleitete uns stumm hinaus
er war stumm wie ein Fisch (= hatte nichts gesagt, war nicht gesprächig)
er ist stumm wie ein Grab (= ist verschwiegen)
b)
nicht von Worten begleitet, lautlos, wortlos
Beispiele:
eine stumme Mahlzeit
ein stummer Blick, Gruß, Protest, Tadel, Vorwurf
eine stumme Anklage, Frage, Geste
er blickte in stummer Erbitterung zum Fenster hinaus
eine stumme Rolle (= Rolle, bei der der Schauspieler nichts zu sprechen hat)
eine stumme Person (= Darsteller einer stummen Rolle)
übertragen
Beispiel:
das stumme (= nicht ausgesprochene) ›e‹ am Ende eines aus dem Französischen kommenden Wortes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stumm · Stummheit · verstummen
stumm Adj. ‘(physisch oder psychisch) unfähig zu sprechen, sprachlos’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte Adjektiv ahd. (um 800), mhd. mnd. stum (Genitiv stummes), asächs. stumm, mnl. nl. stom, daneben, in Anlehnung an die unter ↗dumm (s. d.) genannten Formen mit labialem Verschlußlaut, mhd. stump, mnl. stomp steht im Ablaut zu den unter ↗stammeln und ↗stemmen (s. d.) angeführten Verben und kann wie diese auf die Wurzel ie. *stem- ‘stoßen, anstoßen, stottern, stammeln, hemmen’ zurückgeführt werden. Als Ausgangsbedeutung ist ‘im Sprechen gehemmt’ anzunehmen. stumm verdrängt dumm in dessen älterer Bedeutung ‘stumm’. Stummheit f. ‘Zustand des Stummseins’ (15. Jh.); vgl. mhd. stumme, stumbe m. (noch im 18. Jh. auch f.) und stummede f. verstummen Vb. ‘stumm, still werden’, mhd. verstummen, verstumben.

Thesaurus

Synonymgruppe
lautlos · ↗still · stumm · ↗tonlos
Assoziationen
Synonymgruppe
in Schweigen gehüllt · ↗schweigsam · ↗sprachlos · ↗still · still und stumm · stumm · stumm wie ein Fisch · ↗verschwiegen · verstummt · ↗wortlos
Assoziationen
  • (sich) kurz fassen · ↗einsilbig · kurz angebunden · nicht gesprächig · nicht viele Worte machen · redescheu · wenig auskunftsfreudig · ↗wortarm · ↗wortkarg · ↗zurückhaltend (reagieren)  ●  ↗schmallippig (reagieren)  fig. · kurz ab  ugs. · ↗maulfaul  ugs. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • distanziert · in sich gekehrt · ↗introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · ↗reserviert · ↗unaufgeschlossen · ↗unzugänglich · ↗verschwiegen · ↗zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · ↗verschlossen  Hauptform, fig. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • gehemmt · ↗kontaktarm · ↗kontaktscheu · ↗scheu · ↗schüchtern · selbstunsicher (psychol.) · ↗unsicher · ↗zaghaft · ↗zurückhaltend  ●  ↗verklemmt  ugs.
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu)  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diener Einverständnis Entsetzen Frühling Gebet Kreatur Nicken Protest Schrei Staunen Verkäufer Verzweiflung Vorspiel Zeuge Zeugin Zwiegespräch Zwiesprache beredt bleich blind dasitzen herumblicken nicken reglos regungslos schütteln starr steif still taub

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stumm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann stockt das Kollektiv, schaut stumm - vorwurfsvoll wäre schon zuviel gesagt.
Der Tagesspiegel, 23.04.1999
Sie sind politisch "stumm" geworden und ihre Bewohner erwarten nichts mehr von der Politik.
Süddeutsche Zeitung, 25.01.1999
Ein paar Minuten saßen wir stumm in den vier engen Wänden des Wagens.
Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 311
Vielleicht hätte ich wieder stumm werden mögen wie als kleines Kind.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Da ich den Titel nicht aussprechen konnte, so zeigte ich stumm auf das Buch.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6945
Zitationshilfe
„stumm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/stumm>, abgerufen am 17.06.2019.

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