streuen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungstreu-en (computergeneriert)
Wortbildung mit ›streuen‹ als Erstglied: ↗Streuartikel · ↗Streubesitz · ↗Streublumen · ↗Streubüchse · ↗Streudose · ↗Streugut · ↗Streulicht · ↗Streuobst · ↗Streupflicht · ↗Streusalz · ↗Streusand · ↗Streusiedlung · ↗Streuwagen · ↗Streuzettel · ↗Streuzucker
 ·  mit ›streuen‹ als Letztglied: ↗abstreuen · ↗aufstreuen · ↗ausstreuen · ↗daraufstreuen · ↗einstreuen · ↗hinstreuen · ↗umherstreuen · ↗überstreuen
 ·  mit ›streuen‹ als Binnenglied: ↗Blumenstreukind  ·  mit ›streuen‹ als Grundform: ↗Streu · ↗bestreuen · ↗verstreuen · ↗zerstreuen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., besonders ein aus Brocken, Körnern oder Pulver bestehendes Material, allmählich und geregelt über einer bestimmten Fläche fallen lassen und dabei möglichst gleichmäßig verteilen
a)
Beispiele:
Dünger, Samen, Laub, Torf streuen
bei Glatteis Sand (auf den Weg) streuen
den Hühnern, Vögeln Körner streuen
die Kinder hatten dem Brautpaar Blumen (auf den Weg) gestreut
Zucker auf, über den Kuchen, Salz und Pfeffer auf das Ei streuen
bildlich
Beispiele:
jmdm. Sand in die Augen streuen (= jmdm. etw. Falsches vorspiegeln, jmdn. täuschen)
veraltend sich [Dativ] Asche aufs Haupt streuen (= seinen Fehler, sein Versagen eingestehen, büßen)
b)
(die Straße) streuenbei Schneeglätte und Eisglätte Sand auf der Straße verteilen
Beispiele:
heute müssen wir streuen
der Grundstückseigentümer hatte den, auf dem Gehweg nicht gestreut
auf der Autobahn wird, ist gestreut
c)
übertragen etw. allseitig verbreiten, verteilen
Beispiele:
Druckschriften, Flugblätter unter die Leute, Menge streuen
er war bemüht, die Verantwortung möglichst breit zu streuen
sie machten sich daran, ihr Geld und ihre Laune unter die Verkäuferinnen zu streuen [H. Mann8,408]
2.
etw. streut
a)
etw., besonders ein mit Körnern oder Pulver gefüllter Behälter, lässt seinen Inhalt herausrinnen
Beispiele:
der Mehlsack, die Zuckertüte streut
das Salzfässchen streut nicht mehr
b)
Medizin
Beispiele:
ein Krankheitsherd streut (= die in ihm enthaltenen Erreger gelangen durch die Blutbahn in andere Körperteile)
Militär ein Geschoss streut (= verstreut seine Splitter in weiterem Umkreis um das Ziel)
3.
etw. streutetw. zielt nicht in die beabsichtigte Richtung, lenkt etw. von der ursprünglichen Richtung ab
a)
Militär
Beispiel:
ein Gewehr, das Geschütz streut (= trifft ungenau)
b)
Optik
Beispiele:
die Linse streut (= verteilt in Abweichung von der geraden Linie das Licht nach verschiedenen Seiten infolge der Oberflächenform)
die Beleuchtung eines Raumes mit direktem oder gestreutem Licht
c)
fachsprachlich
Beispiele:
streuende (= abweichende) Werte
Eine gleichbleibende Meßkraft müssen die Schüler anstreben, weil sonst die Genauigkeit der Meßwerte zu sehr streut [Schule u. Produktion1959]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streuen · Streu · Streusel · zerstreuen · zerstreut · Zerstreuung · Zerstreutheit
streuen Vb. ‘werfend gleichmäßig ausbreiten’, ahd. strewen, strouwen (8. Jh.), mhd. strewen, ströuwen, ströun, strouwen, streun ‘niederstrecken, zu Boden werfen, (aus)streuen, -schütten, vergießen, ausbreiten, zerstreuen, verbreiten, bedecken’, asächs. strōian, streuwian, mnd. ströu(w)en, mnl. strōien, strouwen, nl. strooien, afries. strēwa, aengl. strewian, streowian, engl. to strew, anord. strā (statt *streyja, Neubildung zum schwach gebildeten Prät. strāða), schwed. strö, got. straujan (germ. *straujan) führt mit lat. struere (strūctum) ‘schichten, über-, aneinanderlegen, aufbauen’, struēs ‘Haufen, Menge’ auf ie. *streu-, Erweiterung der Wurzel ie. *ster(ə)-, *strē-, *stru- ‘ausbreiten, (aus)streuen’, wozu (mit Nasalpräsens) aind. stṛṇā́ti ‘streut (hin), bestreut, wirft hin’, stṛṇṓti ‘streckt nieder, unterwirft, besiegt’, griech. stornýnai (στορνύναι) ‘hinbreiten, ausbreiten, ein Bett machen, ebnen, bahnen, ausstreuen, bestreuen’, lat. sternere ‘hinbreiten, streuen, ebnen, bedecken’, air. sernim ‘breite aus’ sowie (ohne Nasal) aslaw. prostrěti, russ. prosterét’ (простереть) ‘ausbreiten, ausdehnen’. Verwandt sind u. a. die unter ↗Strahl, ↗Stirn, ↗streichen, ↗Streifen, ↗Stroh behandelten Wortgruppen. Im Nhd. hat sich aus einer Vielzahl mundartlicher Formen streuen durchgesetzt. Zur Bedeutungsentwicklung von ‘ausbreiten’ zu ‘verteilend auswerfen’ vgl. Pfeifer in: PBB 82 (1960) 132 ff. Streu f. ‘das Hingestreute, Material zum Unterstreuen, Stallstroh’, Abstraktbildung auf ī zum Verb, mhd. ströuwe, strewe, ströu; vgl. ahd. gistrewi, gistrouwi (8. Jh.). Streusel m. n. ‘Klümpchen aus Mehl, Butter und Zucker, auf Kuchen gestreut’ (19. Jh.; dazu Streuselkuchen, ebenfalls 19. Jh.), mundartlich und in der bäuerlichen Umgangssprache gleichbed. mit Streu, Deverbativum mit dem Suffix ↗-sal, ↗-sel (s. d.); vgl. mnd. strouwelse. zerstreuen Vb. ‘auseinanderstreuen, -jagen’, mhd. zerströuwen, -ströun. Übertragener Gebrauch der Mystik daʒ gemüet, herze zerströuwen ‘die Seele von der Gemeinschaft mit Gott ablenken’ geht im 15. Jh. auf Störungen des seelischen Gleichgewichts über, wird jedoch in mystisch-religiösem Sinne vom Pietismus übernommen. Zu Anfang des 18. Jhs. entwickelt sich daraus jmdn., sich zerstreuen ‘ablenken, vergnügen’, beeinflußt von zerstreut Part.adj. (15. Jh.), das Anfang des 18. Jhs., wohl in Anlehnung an frz. distrait, die Bedeutung ‘unaufmerksam, durch fremde Eindrücke abgelenkt, unkonzentriert’ annimmt. Zerstreuung f. ‘Ablenkung, Vergnügen, Zeitvertreib’ (18. Jh.), zuvor ‘das Auseinanderwerfen, -treiben, Auflösen’, spätmhd. zerströuwunge ‘Uneinigkeit’. Zerstreutheit f. ‘Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit’ (18. Jh.), vereinzelt ‘Abgesondertheit, Isoliertheit’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bepudern · ↗bestreuen · ↗bestäuben · ↗einpudern · streuen · ↗überpudern · ↗überstreuen
Synonymgruppe
Absiedelungen bilden · Metastasen bilden · ↗absiedeln · ↗metastasieren  ●  streuen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienkapital Asche Auge Blume Dünger Feuchtsalz Gehweg Gerücht Getriebe Gift Haupt Pfeffer Pulver Rest Risiko Saat Salz Same Samen Sand Wunde Zucker abstreuen ausstreuen breit darüberstreuen drüber einstreuen hineinstreuen hinstreuen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streuen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Oder wollte er den Journalisten Sand in die Augen streuen?
Der Tagesspiegel, 22.06.1998
Er weigert sich sogar, den vereisten Pfad um seine Kirche mit Sand zu streuen.
Süddeutsche Zeitung, 23.01.1996
Kurzum, das jüdisch-bolschewistische Netz ist feingesponnen, man streut dem englischen Volk Sand in die Augen.
Gütt, Arthur: Volksgesundung und Wehrkraft. In: Archiv f. Rassen- u. Gesellschafts- Biologie einschließlich Rassen- u. Gesellschafts- Hygiene, Bd. 30, Nr. 3, 1936, S. 192
Er setzte seinen Namen darunter, streute Sand und ging zum Fenster.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 246
Radieschen ißt man mit der Hand, sie können zuvor in Salz getaucht werden, das man sich auf den Rand seines Tellers gestreut hat.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 18967
Zitationshilfe
„streuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/streuen>, abgerufen am 22.07.2019.

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