streichen

GrammatikVerb · strich, hat/ist gestrichen
Aussprache
Worttrennungstrei-chen
Wortbildung mit ›streichen‹ als Erstglied: ↗Streicher · ↗Streicherei · ↗Streichergebnis · ↗Streichfett · ↗Streichgarn · ↗Streichholz · ↗Streichinstrument · ↗Streichkäse · ↗Streichmassage · ↗Streichmasse · ↗Streichmusik · ↗Streichorchester · ↗Streichquartett · ↗Streichquintett · ↗Streichresultat · ↗Streichriemen · ↗Streichsextett · ↗Streichung · ↗Streichwurst · ↗streichfertig · ↗streichfähig
 ·  mit ›streichen‹ als Letztglied: ↗abstreichen · ↗anstreichen · ↗aufstreichen · ↗ausstreichen · ↗darüberstreichen · ↗davonstreichen · ↗durchstreichen · ↗einstreichen · ↗entlangstreichen · ↗fortstreichen · ↗glattstreichen · ↗heranstreichen · ↗herausstreichen · ↗herstreichen · ↗herumstreichen · ↗hinausstreichen · ↗hinstreichen · ↗hinwegstreichen · ↗nachstreichen · ↗umherstreichen · ↗umstreichen · ↗unterstreichen · ↗vorbeistreichen · ↗vorstreichen · ↗vorüberstreichen · ↗wegstreichen · ↗zurechtstreichen · ↗zurückstreichen · ↗zusammenstreichen · ↗überstreichen
 ·  mit ›streichen‹ als Grundform: ↗bestreichen · ↗verstreichen  ·  formal verwandt mit: ↗dreigestrichen · ↗eingestrichen · ↗zweigestrichen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
mit einer gleitenden Bewegung die Oberfläche von etw. berühren
a)
(mit der Hand) leicht über etw. hinfahren
Beispiele:
jmdm. über die Haare, den Kopf, das Gesicht streichen
jmdm., sich [Dativ] (mit der Hand) über die Stirn streichen
er strich sich [Dativ] nachdenklich, vergnügt den Bart, strich seinen Schnurrbart
sie strich (mit der Hand, Bürste) über das Kissen, den Stoff, die Decke
b)
etw. (mit der Hand) von etw. weg, zur Seite schieben
Beispiele:
jmdm., sich die Haare aus der Stirn streichen
Brotkrumen, Geld vom Tisch streichen
veraltend er hat das Geld in die Tasche gestrichen (= eingesteckt)
c)
veraltend
Beispiele:
die Geige streichen (= spielen)
Der Mond strich die Fidel und spielte zum Tanz [Ric. HuchGedichte246]
d)
Beispiele:
etw. durch ein Sieb streichen (= passieren)
der Quark wird durchs Sieb gestrichen
e)
nur im Part. Prät.
Beispiele:
ein gestrichener Teelöffel (voll) Zucker (= ein gerade bis zum Rand mit Zucker gefüllter, aber nicht gehäufter Teelöffel)
ein Maß, Glas ist gestrichen voll (= randvoll)
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich das Maß meiner Geduld ist jetzt aber gestrichen voll
salopp ich habe die Nase gestrichen voll (= habe genug davon)
salopp er hat die Hosen gestrichen voll (= hat große Angst)
übertragen
Beispiel:
Schießen gestrichenes Korn nehmen (= so zielen, dass die Spitze des Korns in gleicher Höhe mit der Visierkante der Kimme zu sehen ist)
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
einen halbfesten oder flüssigen Stoff in einer dünnen Schicht auf etw. auftragen
a)
mit einem Messer oder Spatel
Beispiele:
Butter, Marmelade, Honig aufs Brot streichen
ein Brötchen (mit Käse, Leberwurst) streichen (= bestreichen)
sie strich dem Kind ein Butterbrot (= bestrich ihm ein Brot mit Butter)
Salbe auf eine Wunde, Kitt in die Fugen streichen
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlich jmdm. etw. aufs Butterbrot streichen (= jmdm. etw. vorwerfen)
b)
mit einem Pinsel
Beispiele:
eine Wand, den Gartenzaun streichen (= mit Farbe versehen, anstreichen)
die Fensterläden waren grün gestrichen
das Schiff ist neu gestrichen
Vorsicht, frisch gestrichen!
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. Geschriebenes, Gedrucktes mit einem Strich ungültig machen, tilgen
Beispiele:
ein Wort, eine Zeile im Manuskript streichen (= durchstreichen)
diesen Satz hat mir die Redaktion gestrichen
Nichtzutreffendes bitte streichen
einen Auftrag, jmds. Schulden streichen (= für ungültig erklären)
jmds. Namen, jmdn. in, aus einer Liste streichen
wir können ihn aus den Reihen der Bewerber streichen
Streichen ist eine wehmütige Pflicht für einen Verfasser [A. ZweigDe Vriendt116]
bildlich
Beispiele:
sie hat ihn, diesen Vorfall aus ihrem Leben, Gedächtnis gestrichen (= hat ihn vergessen wollen)
umgangssprachlich seine Urlaubspläne musste er streichen (= aufgeben)
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
irgendwohin streichen
a)
sich ohne ein bestimmtes Ziel vorwärtsbewegen, umherstreifen
Beispiele:
jmd. streicht durch den Wald, die Felder, Straßen, das Haus, alle Räume
eine Katze strich durch die Wiese
er ist aus der Tür, über das Feld, von dannen gestrichen
b)
Jägersprache
Beispiele:
Vögel streichen (= fliegen in geringer Höhe über etw. hin)
Wildenten streichen aus dem Schilf, über den See
am Nachthimmel strich lautlos ein Käuzchen
streichende Drosseln, Schnepfen
c)
sich dicht über einer Fläche dahinbewegen, an etw. entlangfahren, durch etw. hindurchfahren
Beispiele:
der Wind streicht (= weht) über die Felder, das Land
die feuchte Luft strich ihr durch die Haare, um die Stirn
der Regen streicht schräg gegen die Mauer
Und der Wind streicht durch die Hallen [VolksliedAn der Saale]
d)
um etw. streichenetw. (lauernd, erwartungsvoll) umkreisen, um etw. im Bogen schleichen
Beispiele:
der Hund streicht um das Gehöft, den Tisch
ums Haus strich eine dunkle Gestalt
eine schwarze Katze strich ihr mit erhobenem Schwanz schnurrend um die Beine
e)
Perf. u. Plusquamperf. nicht üblich
Geologie
Beispiele:
ein Gebirge streicht (= erstreckt sich) von Osten nach Westen, parallel zur Küste
Am nordöstlichen Harzrande ... streichen rotliegende Schichten zu Tage [Natur u. Heimat1959]
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
Seemannssprache die Segel, Flagge streichendie Segel, Flagge einziehen, einholen
Beispiele:
das Schiff hat die Flagge gestrichen (= hat sich ergeben)
ich ließ sofort die obersten Segel streichen [WeitendorfLogbuch120]
bildlich
Beispiele:
sie hat vor ihm, vor diesen unerwarteten Schwierigkeiten die Segel gestrichen (= hat den Kampf, Widerstand aufgegeben)
(vor jmdm., etw.) die Flagge streichen (= sich geschlagen bekennen, nachgeben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streichen · Streicher · Streichholz · abstreichen · Abstrich · anstreichen · Anstreicher · Anstrich · verstreichen
streichen Vb. ‘sich fortbewegen, gehen, (mit der Hand) etw. streifend berühren, über etw. hinstreifen, (be)schmieren, durch streichende Bewegung entfernen, einen Strich ziehen’, ahd. strīhhan (8. Jh.), mhd. strīchen ‘Striche machen, streichend bewegen, glätten, bestreichen, schärfen, streichend berühren, schlagen, sich rasch bewegen, herumstreifen’, mnd. mnl. strīken, nl. strijken, afries. strīka, aengl. strīcan, engl. to strike (germ. *strīkan), daneben anord. strӯkja, strӯkva (germ. *streukan) sowie (ablautend) schwach flektierendes ahd. streihhōn ‘streicheln’ (um 1000), mhd. streichen (s. ↗streicheln) führen mit dem zugehörigen, unter ↗Strich (s. d.) behandelten Abstraktum und lat. (mit n-Infix) stringere ‘schnüren, zusammenbinden, (ab)streifen’, striga ‘Strich, Schwaden, Zeltreihe, Längsfurche’, strigilis ‘Schabeisen’, aslaw. strišti, russ. strič’ (стричь) ‘scheren’ auf ie. *streig-, eine durch Guttural erweiterte Form der Wurzel ie. *ster- ‘Streifen, Strich, Strähne, Strahl’, in Erweiterungen auch ‘über etw. hinwegstreifen, -streichen’, wohl eine semantische Variante der unter ↗streuen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’. Streicher m. ‘Landstreicher, Vagabund’ (16. Jh.; s. ↗Landstreicher), ‘Maler’ (17. Jh.; s. unten Anstreicher), ‘Spieler eines Streichinstruments’ (1. Hälfte 20. Jh.), mhd. strīcher als Bezeichnung für unterschiedliche Handwerker. Streichholz n. ‘Zündholz’ (19. Jh.), älter Bezeichnung für unterschiedliche Geräte, z. B. zum Abstreichen gefüllter Gefäße (15. Jh.). abstreichen Vb. ‘durch streichende Bewegung entfernen, sich entfernen, herumstreifen, beschmieren, streichend berühren, durch einen Strich tilgen’, mhd. abestrīchen ‘beseitigen, abwischen, forteilen’; Abstrich m. ‘Abzug’ (17. Jh.), ‘abwärtsgehender Schriftstrich’ (19. Jh.), in der Medizin ‘Entnahme von Haut, Schleimhaut’ zu Untersuchungen (19. Jh.), mhd. abestrich ‘Tilgung’. anstreichen Vb. ‘mit Farbe bedecken, mit einem Strich versehen, bezeichnen’, mhd. anestrīchen ‘bedecken, beschmieren (mit Salbe), sich putzen’; Anstreicher m. ‘Maler, Tüncher’ (18. Jh.), bei Kepler für Tangente im Sinne von ‘Berührer, berührende Linie’ (17. Jh.); Anstrich m. ‘aufgemalte Farbe, Tünche, Salbe’ (16. Jh.), mhd. anstrich ‘auf den Geigenbogen gestrichenes Harz, Kolophonium’. verstreichen Vb. ‘verschmieren, breitstreichen, durch Streichen aufbrauchen, vergehen (von der Zeit)’, ahd. firstrīhhan ‘tilgen’ (8. Jh.), mhd. verstrīchen ‘ver-, überstreichen, verschmieren, ausstreichen, sich bewegen, sich schnell oder heimlich davonmachen, vergehen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anstreichen · ↗bemalen · ↗malen · ↗pinseln · streichen  ●  ↗malern  ugs.
Synonymgruppe
bergen · ↗einziehen · ↗reffen · streichen
Synonymgruppe
dahinsäuseln · ↗fächeln · leicht wehen · sanft wehen · streichen · ↗streifen · ↗säuseln  ●  ↗streicheln  fig.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
abscheiden · ↗absondern · ↗abspalten · ↗ausgliedern · ↗aussieben · ↗aussondern · ↗aussortieren · ↗eliminieren · ↗entfernen · ↗entnehmen · ↗extrahieren · ↗herausnehmen · ↗isolieren · ↗selektieren · ↗separieren · streichen · ↗trennen  ●  ↗auslesen  fachspr.
Assoziationen
  • herausfischen · ↗herauslesen · ↗herauspicken  ●  ↗(einzeln) heraussuchen  Hauptform · rausfischen  ugs. · rauspicken  ugs. · raussuchen  ugs.
  • auf die Seite legen · auf die Seite tun · ↗beiseitelegen · ↗weglegen · zur Seite legen
  • (sich) das Beste herauspicken · (sich) die besten Stücke herauspicken  ●  (die) Spreu vom Weizen trennen  fig. · guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen (tun)  Spruch · sich die Rosinen aus dem Kuchen picken  fig. · sich die Rosinen herauspicken  fig. · sich die Rosinen vom Kuchen herauspicken  fig.
  • ausmustern · ↗ausrangieren · ↗aussortieren · ↗entsorgen · ↗fortwerfen · in den Müll geben · ↗verschrotten · zum Alteisen werfen  ●  ↗wegwerfen  Hauptform · fortschmeißen  ugs. · in die Tonne kloppen  derb · in die Tonne treten  ugs. · ↗loswerden  ugs. · ↗wegschmeißen  ugs. · ↗wegtun  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
herumlaufen · ↗herumstreichen · ↗laufen · streichen · ↗streifen · ↗stromern · ↗umherstreichen · ↗umherstreifen · ↗ziehen  ●  ↗schnüren  fig. · ↗strawanzen  bair., österr.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
absagen (Termin) · streichen  ●  ↗canceln  engl. · ↗abblasen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitsplatz Aufgebot Feiertag Flug Haar Job Kader Liste Passage Passus Segel Stelle Steuervergünstigung Stirn Subvention Tagesordnung Urlaubsgeld Vergünstigung Wand Zuschuß anstreichen durchstreichen ein einstreichen ersatzlos glatt herausstreichen kürzen vorbeistreichen zusammenstreichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›streichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den nächsten Jahren will das Unternehmen in Frankreich mehr als 8000 Stellen streichen.
Die Zeit, 14.02.2013 (online)
Als sie endlich weitererzählen will, streicht sie immer wieder beschwichtigend über ihren gewölbten Leib.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 308
Zunächst hatte das Unternehmen erklärt, 450 der 2000 Stellen streichen zu wollen.
Die Welt, 02.04.2005
Er widersetzte sich den dringenden Bitten der Sowjets, jenen Satz zu streichen.
Johnson, Uwe: Jahrestage, Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1970, S. 254
Holt strich sich mit der Linken durch das widerborstige Haar.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 221
Zitationshilfe
„streichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/streichen>, abgerufen am 18.06.2019.

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