straucheln

GrammatikVerb · strauchelte, ist gestrauchelt
Aussprache
Worttrennungstrau-cheln
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben stolpern und taumeln, beinahe fallen
Beispiele:
der Läufer, das Pferd strauchelte
ins Straucheln kommen
wie er strauchelte und nach einem Halt griff [GaiserSchlußball262]
Er tat, als sei er besorgt, dem Blinden jedes Straucheln zu ersparen [Feuchtw.Tag129]
2.
(erstmals) straffällig werden, einen Fehltritt begehen, auf die schiefe Bahn geraten
Beispiel:
mancher [dieser jungen Bürger] strauchelt und wird kriminell [Neue Justiz1968]
oft im Part. Prät.
Beispiel:
daß die sozialistische Gesellschaft die Reife und Kraft besitzt, einen gestrauchelten Bürger ohne Freiheitsstrafe umzuerziehen [Tageszeitung1964]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

straucheln Vb. ‘stolpern’, spätmhd. strūcheln ‘stolpern, zu Fall kommen, sinken, stürzen’, mnd. strǖkelen, mnl. strūkelen, nl. struikelen ist als Iterativum mit l-Suffix zu ahd. strūhhōn ‘rennen, stürzen’ (10. Jh.), mhd. strūchen, frühnhd. strauchen (bis 17. Jh.) gebildet, dessen Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Entweder steht es mit den unter ↗Strauch (s. d.) abgehandelten Wortformen zu der unter ↗starren (s. d.) verzeichneten Wurzel ie. *(s)ter(ə)- ‘starr, steif sein, steif gehen, stolpern, fallen’, wobei als Ausgangsbedeutung ‘mit steifen Beinen gehen und folglich stolpern’ anzusetzen ist (vgl. de Vries Nl. 713). Oder es gehört als Intensivbildung (vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 131) zu nl. stroken ‘streicheln, liebkosen’, anord. strjūka ‘streichen, nehmen, schlagen, eilen’, schwed. stryka ‘streichen’, verwandt mit griech. stré͞ugesthai (στρεύγεσθαι) ‘hinschmachten, erschöpft, geplagt werden’ (eigentlich ‘gestrichen, aufgerieben werden’?), aslaw. struga ‘Vernichtung, Zerstörung’, russ. strug (струг) ‘Hobel’, dazu ablautend aslaw. strъgati ‘zerfleischen’, russ. strogát’ (строгать) ‘hobeln, schaben’, zu ie. *streug-, einer Erweiterung der unter ↗streichen, ↗Strahl, ↗Streifen, ↗Strieme (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ster- ‘Streifen, Strich, Strähne, Strahl’, in Erweiterungen auch ‘über etw. hinwegstreifen, -streichen’, wohl eine semantische Variante der Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten’ (s. ↗streuen).

Thesaurus

Synonymgruppe
stolpern · straucheln
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) verwickeln · ↗(sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  straucheln  fig. · ↗(sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · den Faden verlieren  ugs. · durcheinander kommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
  • (gerade) nicht weiterwissen · (jemandem) nicht einfallen  ●  (den) Faden verloren haben  fig. · nicht parat haben (Information)  fig. · (einen) Hänger haben  ugs. · und da verließen sie ihn  ugs., Spruch
  • (auch) nicht (mehr) weiterwissen · (es ist) keine Lösung in Sicht (für) · (sich) keinen Rat wissen · (sich) nicht mehr zu helfen wissen · keine Lösung (parat) haben · mit seiner Weisheit am Ende sein · nicht wissen, was man machen soll · nicht wissen, was zu tun ist · passen müssen  ●  (Da) ist guter Rat teuer.  sprichwörtlich · keine Antwort(en) haben auf  fig. · ratlos sein  Hauptform · (dastehen / aussehen) wie eine Kuh wenn's donnert  ugs. · (sich) die Haare raufen  ugs., fig. · ↗(zu etwas) fällt einem nichts (mehr) ein  ugs. · Was tun, sprach Zeus.  ugs., Spruch · kein Patentrezept haben  ugs., fig. · mit seinem Latein am Ende (sein)  ugs., fig. · nackt in den Erbsen stehen  ugs., fig. · sein Pulver verschossen haben  ugs., fig. · und da(nn) verließen sie ihn  ugs., Spruch · und jetzt?  ugs., variabel
  • Versprecher  ●  ↗Lapsus Linguae  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Favorit Fuß Hürde Konkurrent Meister Pferd Spieltag Sprung Start Stufe Tabellenführer Titelverteidiger einmal erneut fallen fangen fällen gefallen häufig oft rutschen schwanken stolpern straucheln stürzen taumeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›straucheln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wollte hoch hinaus, er kam weit, doch letztlich strauchelte er.
Die Welt, 27.12.2004
Brink konnte sich nicht mehr richtig bewegen, es flimmerte vor seinen Augen, er strauchelte fast.
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2003
Er lief immer schneller, strauchelte beim Abstieg, stürzte und verlor einen Stiefel.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 285
Er strauchelte, raffte sich auf, strauchelte von neuem und atmete schwer.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 143
Obwohl sie sich dauernd auf die Füße sah, strauchelte sie bei jedem zweiten Schritt.
Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 116
Zitationshilfe
„straucheln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/straucheln>, abgerufen am 12.11.2019.

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