stramm

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›stramm‹ als Erstglied: ↗strammsitzend · ↗strammstehen · ↗strammziehen
 ·  mit ›stramm‹ als Grundform: ↗Strammheit · ↗strammen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., besonders den Körper, fest umschließend
Beispiele:
der Gürtel, Rock, die Hose sitzt stramm
die Jacke sitzt etwas zu stramm über den Schultern, dem Bauch
die Mutter sitzt stramm auf dem Gewinde der Schraube
Die Offiziere […] streckten ihre Beine in den strammen Hosen aus [RennKindheit305]
gespannt
Beispiel:
die Telefondrähte dürfen nicht zu stramm aufgehängt werden
prall
Beispiel:
die Fahrradbereifung ist (noch) stramm
2.
nicht schlaff, nicht locker, straff
Beispiele:
eine stramme Haltung haben
stramme Haltung annehmen
salopp, scherzhaft den fehlenden Schlaf durch stramme Haltung ersetzen
sich stramm aufrichten, hinstellen
Militär eine stramme Kehrtwendung machen
Im Stehen und Gehen schob er den Unterleib etwas vor, was einen nicht eben strammen Eindruck machte [Th. MannZauberb.2,46]
Militär Wir kamen zu einem Posten […] der stramm meldete [RennKrieg342]
3.
kräftig gebaut
Beispiel:
sie hat einen strammen Jungen bekommen
derb, stark
Beispiele:
ein strammer Bursche
umgangssprachlich ein strammer Kerl
salopp ein strammes Weib
umgangssprachlich eine stramme Person
stramme Waden, Beine
umgangssprachlich Strammer Max (= scharfgewürztes Gehacktes, das mit Ei und Zwiebeln serviert wird)
4.
energisch, forsch
Beispiele:
sich stramm benehmen, geben
Der Staatsanwalt, keineswegs so energisch und stramm, wie er im Saale manchmal erschienen war [BöllDienstfahrt80]
streng, unnachsichtig
Beispiele:
stramme Disziplin
umgangssprachlich das ist aber ein bisschen, reichlich stramm (= rücksichtslos)
du mußt den Jungen strammer erziehen [H. W. RichterSpuren343]
abwertend stur, unbelehrbar
Beispiel:
er war ein strammer Vertreter des Militarismus
5.
umgangssprachlich gehörig, tüchtig
Beispiel:
Und daß mir stramm gearbeitet wird [FalladaWolf2,111]
anstrengend
Beispiel:
strammen Dienst verrichten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stramm · strammstehen · strammziehen
stramm Adj. ‘straff, fest gespannt, prall, kräftig’. Seit dem Anfang des 15. Jhs. belegtes mnd. stram, vereinzelt auch stramp ‘straff gespannt, steif, steil, hochaufgerichtet’ ist zu Ende des 17. Jhs. auch in hd. Wörterbüchern nachweisbar und wird im 18. Jh. von Schriftstellern nd. Herkunft, immer noch als mundartlich geltend, im Hd. verbreitet, setzt sich aber im 19. Jh., wohl durch die Militärsprache, allgemein durch. Es kann (bei m(m) aus mb, wie das vereinzelte mnd. Zeugnis nahelegt) mit nl. stram ‘stark, steif, gespannt’, anord. -strambr (in hafstrambr eine Walart), isl. strembinn ‘mühevoll, schwierig, schwer verdaulich’, norw. (mundartlich) stremben ‘aufgebläht’, stremba ‘spannen, Brust oder Magen aufblähen’, den unter ↗strampeln (s. d.) und ↗Strumpf (s. d.) verzeichneten Formen und lit. stram̃pas ‘Knüttel’, apreuß. strambo ‘Stoppel’ auf ie. *stremb-, *stremp- zurückgeführt werden, eine nasalierte Labialerweiterung der unter ↗starren (s. d.) genannten Wurzel ie. *(s)ter(ə)- ‘starr, steif sein’. de Vries Nl. 707 möchte allerdings in dem relativ spät bezeugten Wort eine sekundäre Bildung (ähnlich straff) annehmen. Im Hd. wird in allgemeiner Verwendung straff bevorzugt. Jedoch bildet stramm die Verbalkomposita strammstehen Vb. ‘militärisch geradestehen’ und strammziehen Vb. ‘straffziehen’ (beide 19. Jh.); vgl. die Hosen strammziehen ‘durch Schläge bestrafen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
fest · ↗straff · stramm
Synonymgruppe
auf Linie · ↗getreu · ↗hundertprozentig · ↗konsequent · ↗linientreu · stramm · zweihundertprozentig · ↗überzeugt
Assoziationen
Synonymgruppe
dicht gepackt · stramm · vollgepackt (Programm)
Synonymgruppe
eng (Kleidung) · ↗eng anliegend · ↗straff (gespannt) · stramm (sitzend)  ●  ↗prall (sitzend)  ugs., regional · ↗spack  ugs., regional
Assoziationen
  • (ein) paar Nummern zu klein sein (Kleidung) · (zu) eng (Kleidung)  ●  (aussehen wie eine) Quetschwurst  ugs. · ↗spack  ugs., norddeutsch · strämmen  ugs., berlinerisch · wie Leberwurst in Pelle  ugs.
  • (sehr) stramm sitzen · ↗spannen (Kleidung) · zu eng sein
Antonyme
  • locker fallen(d)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antikommunismus Antikommunist Bursch Bursche Distanzschuss Expansionskurs Fernschuss Flachschuss Fußmarsch Hitlerjunge Ideologe Kommunistin Kostendisziplin Kostenkontrolle Linkskurs Linksschuss Nationalist Nazi PS Parteigänger Parteisoldat Po Rechtskurs Rechtsschuss Schenkel Schuß Sparkurs Wachstumskurs Wade antikommunistisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stramm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu seiner Linken steht ihr Mann in Marineuniform fast stramm.
Der Tagesspiegel, 04.08.2003
Männlich stramm aufgerichtet stehen sie paarweise an strategisch günstigen Stellen.
Süddeutsche Zeitung, 04.09.2001
Der mittlere Stab sorgt am großen Fenster für strammen Sitz.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 197
Und alle nahmen dort, wo sie sich gerade befanden, stramme Haltung an.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 113
Beim Militär lernte man die Kunst des Wartens auf stramme Art.
Gleichen-Russwurm, Alexander von: Der gute Ton. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1932], S. 21473
Zitationshilfe
„stramm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/stramm>, abgerufen am 18.10.2019.

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