stocken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsto-cken
Wortbildung mit ›stocken‹ als Erstglied: ↗Stockfleck · ↗Stockschnupfen  ·  mit ›stocken‹ als Letztglied: ↗aufstocken · ↗erstocken  ·  mit ›stocken‹ als Grundform: ↗bestocken
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
zu einem (vorübergehenden) Stillstand, einer Unterbrechung kommen
a)
jmd. stocktjmd. hält in einer Äußerung, Bewegung, Tätigkeit plötzlich inne
Beispiele:
sie stockte mitten in ihrer Rede
ohne zu zaudern oder zu stocken sagte sie das Gedicht auf
er stockte einen Augenblick, bevor er weitersprach
beim Lesen, bei einer Erzählung, einem Bericht stocken
ich stockte eine Weile bei meiner Arbeit
er ging rasch über den Hof, stockte aber vor dem Tor und kehrte wieder um
Liesel stockte in ihren Gedanken [SeghersSiebtes Kreuz4,358]
oft im Part. Präs.
stockendmit Unterbrechungen, nicht fließend
Beispiele:
er las stockend, begann stockend zu antworten, reden
wir unterhielten uns stockend
er konnte die ungeliebte Arbeit nur stockend vorantreiben
b)
etw. stocktetw. bleibt (vorübergehend) stehen, geht nicht weiter, ist unterbrochen
Beispiele:
die Arbeit, der Verkehr stockt
unsere Kolonne kam, geriet ins Stocken
als er das Zimmer betrat, stockten alle Gespräche
die Unterhaltung geriet ins Stocken
vor Freude, Schreck stockte ihr der Atem, Herz(schlag), das Blut in den Adern
etw. stockt jmdm.
Beispiele:
das Blut stockte ihm in den Adern (= er erstarrte vor Angst und Schrecken)
die Feder stockte ihm in den Händen
oft im Part. Präs.
stockendmit Unterbrechungen, nicht fließend, nicht gleichmäßig
Beispiele:
er sprach mit stockender Stimme
ihr Atem ging stockend
2.
Stockflecke bekommen
Beispiele:
das Holz, Papier, die Wäsche hat gestockt
Tulpenzwiebeln müssen trocken gelagert werden, sonst stocken sie
3.
landschaftlich gerinnen, sich verfestigen, eindicken
Beispiele:
die Milch stehen lassen, bis sie stockt
Eier verquirlen und in heißem Fett unter langsamem Rühren zum Stocken bringen
gestockte (= saure) Milch
4.
Forstwesen von Bäumen und Sträuchern
Beispiel:
Auf den freien Moorflächen stocken (= stehen, wachsen) starke Birkenbestände und Erlen [Urania1957]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stocken · Stockschnupfen · verstockt · stockig · Stockfleck
stocken Vb. ‘innehalten, nicht vorankommen’, im 16. Jh. als medizinischer Ausdruck ‘dick, fest, steif, starr werden, gerinnen’ (vom Blut) wohl zu dem unter ↗Stock (s. d.) dargestellten Substantiv gebildet (älter mhd. verstocken, s. unten). Als Ausgangsbedeutung ist ‘steif wie ein Stock, wie ein Klotz, bewegungslos werden’ anzunehmen. Danach erweitert von der Funktion des Herzens, des Pulses, des Atems (18. Jh.), der Funktion technischer Geräte (Maschine, Uhr-, Triebwerk, 17. Jh.), vom Gelingen von Unternehmungen und Geschäften (18. Jh.), vom Verkehrsstrom (19. Jh.). Vgl. ins Stocken geraten ‘nicht mehr zügig vorangehen’ (19. Jh.). Stockschnupfen m. ‘nicht fließender, verdickter Schnupfen’ (18. Jh.). verstockt Part.adj. ‘auf etw. versteift, verhärtet, uneinsichtig, unzugänglich’ (16. Jh.), zu mhd. verstocken ‘erstarren’. stockig Adj. ‘durch Feuchtigkeit verdorben, dumpf’ (17. Jh.), eigentlich wohl ‘durch unbeweglich stehende Luft faulend’, vgl. stocken im Sinne von ‘durch Feuchtigkeit verderben, faulen’ (16. Jh.). Stockfleck m. ‘durch stehende Feuchtigkeit entstandener Fleck’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erlahmen · ↗festfahren · ↗gleichbleiben · ins Stocken geraten · ins Stocken kommen · lahm liegen · ↗ruhen · ↗stagnieren · ↗stehen bleiben · ↗stillstehen · stocken  ●  ↗einfrieren  fig. · auf Eis liegen  ugs., fig. · nicht weiterkommen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
erschrecken · ↗innehalten · stocken · ↗stutzen · stutzig werden
Assoziationen
  • (sich) wundern über · ↗stutzen  ●  (etwas) merkwürdig finden  variabel · (jemandem) komisch vorkommen  ugs., variabel
  • stoßen auf · zufällig entdecken  ●  stolpern über  fig.
Synonymgruppe
Panikattacke erleiden · ↗erschaudern · ↗erstarren · in Bestürzung geraten · sich entsetzen · sich erstaunen · stocken · ↗stutzen · stutzig werden · verblüfft werden · vom Schlag getroffen (gerührt) werden

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absatz Ader Anblick Atem Aufholprozeß Augenblick Blut Erzählfluß Fluß Friedensprozeß Geldmangel Herzschlag Informationsfluß Kreditvergabe Nachschub Redefluß Reformprozeß Schreibfluss Spielfluss TV-Zuschauer Verhandlung Verkehr Vormarsch Zuschauer auf aufstocken jedesmal mehrmals plötzlich stottern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stocken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er starrt geradeaus, während er leise spricht, und manchmal stockt er, obwohl er seine Geschichte schon so oft erzählt hat.
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2003
Aber indem man das Wort „Denker“ so unbekümmert niederschreibt, stockt man schon.
Die Zeit, 09.11.1973, Nr. 46
Denn sie selber stockt nicht, sondern sie ist in Bewegung.
Hofmannsthal, Hugo von: Balzac. In: Mathias Bertram (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 27862
Sie spricht stockend und macht häufig an unerwarteten Stellen kleine Pausen.
Barthel, Henner (Hg.), Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 107
Dergleichen läßt sich nun freilich nicht behaupten, ohne daß man stockt.
Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 370
Zitationshilfe
„stocken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/stocken>, abgerufen am 26.06.2019.

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