stigmatisieren

Worttrennungstig-ma-ti-sie-ren
Wortbildung mit ›stigmatisieren‹ als Erstglied: ↗Stigmatisierung  ·  mit ›stigmatisieren‹ als Grundform: ↗stigmatisiert
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

bildungssprachlich, Soziologie mit einem Stigma belegen; brandmarken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stigma · stigmatisieren · stigmatisiert
Stigma n. ‘Merkmal, (entehrendes) Kennzeichen, Wundmal’. Lat. stigma, hervorgegangen aus griech. stígma (στίγμα) ‘Stich, Brandmal, Malzeichen, Kennzeichen’, zu griech. stízein (στίζειν) ‘stechen, punkten, tätowieren, brandmarken’ (verwandt mit ↗stechen und ↗Stich, s. d.), wird Anfang des 17. Jhs. in seinen Bedeutungen ‘den Sklaven und Verbrechern zur Beschimpfung eingebranntes Zeichen, Brandmal’ und (mlat.) ‘eins der fünf Wundmale Christi’ ins Dt. übernommen. Seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. begegnet übertragener Gebrauch ‘Kennzeichen, Merkmal, Schandmal’, in der Medizin ‘Krankheitsanzeichen’ (1. Hälfte 19. Jh.). Früher bezeugt ist stigmatisieren Vb. ‘brandmarken, mit den fünf Wundmalen Christi zeichnen’ (16. Jh.), (aus kultischen bzw. rituellen Gründen) ‘Wundmale, Narben beibringen’ (18. Jh.), übertragen ‘(kenn)zeichnen, verleumden’ (19. Jh.), mlat. stigmatizare ‘mit den Wundmalen Christi zeichnen’, griech. stigmatízein (στιγματίζειν) ‘punktieren, brandmarken’, spätlat. stigmāre ‘brandmarken’. stigmatisiert Part.adj. ‘mit Wundmalen versehen’ (16. Jh.), auf Grund religiöser Ergriffenheit ‘mit Wundmalen wie der gekreuzigte Christus behaftet’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(hart) kritisieren · ↗(öffentlich) anprangern · ↗brandmarken · ↗geißeln · ins Gericht gehen (mit) · ↗richten (archaisierend) · stigmatisieren · ↗verdammen · ↗verurteilen · ↗ächten · öffentlich beschuldigen  ●  (das) Urteil sprechen (über)  fig. · an den Pranger stellen  fig. · unter Beschuss nehmen  fig. · (jemandem) ans Bein pinkeln  ugs., fig. · beredte Klage führen (über)  geh. · den Stab brechen über  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
stigmatisieren · ↗vorverurteilen (als)  ●  ↗abstempeln (als)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitslose Aussiedler Begriff Betroffene Gegner HIV-Infizierte Islam Jude Kranke Krimineller Muslim Religion Träger Täter Versager als ausgrenzen diskriminieren kriminalisieren marginalisieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stigmatisieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es gibt in manchen Medien die Tendenz, eine bestimmte Koalition zu stigmatisieren.
Die Zeit, 17.08.2009, Nr. 33
Es stigmatisiert den Übergang von einer auf Sicherheit versessenen zu einer nach Erfolg süchtigen Kultur.
Süddeutsche Zeitung, 29.08.2003
Man stigmatisierte sich selbst, man begab sich - halb verzweifelt, halb aggressiv - in die sektiererische Ecke.
Die Welt, 11.03.1999
Wer in der Presse stigmatisiert, wird von der Presse jetzt selber stigmatisiert.
konkret, 1986
In manchen Primitivversionen erscheint es dann als völlig willkürlich, ob eine Person stigmatisiert wird.
Keupp, Heiner: Normalität und psychische Störungen. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 24551
Zitationshilfe
„stigmatisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/stigmatisieren>, abgerufen am 20.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Stigmatisation
Stigmarie
Stigma
Stiftzahn
Stiftungszweck
stigmatisiert
Stigmatisierte
Stigmatisierung
Stigmonym
Stil