stürmisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungstür-misch
WortzerlegungSturm-isch
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
stark windig, mit Sturm
Beispiele:
ein stürmischer November(tag), Herbst, Frühling
sie stachen bei stürmischem Wetter in See
eine stürmische Seereise
die Nacht war finster und stürmisch
die stürmische (= vom Sturm aufgepeitschte) See
bildlich
Beispiele:
ein stürmisches Leben
stürmische Jahre, Zeiten
Trotzdem löste der Streik im Ruhrgebiet eine stürmische Flut anderer Streiks und Bewegungen aus [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung7,204]
2.
leidenschaftlich, ungestüm, hitzig
Beispiele:
ein stürmischer Liebhaber
stürmische Herzlichkeit, Freude, Erregung, Empörung
eine stürmische Begrüßung, Umarmung
jmdn. mit stürmischen Fragen, Bitten bedrängen
diese Worte lösten stürmische Heiterkeit, stürmisches Gelächter, stürmischen Jubel, stürmische Begeisterung, Ovationen, Proteste aus
unter stürmischem Beifall der Anwesenden begrüßte der Vorsitzende die Ehrengäste
eine stürmische Debatte, Versammlung, Demonstration
ihre Erregung an jenem verhängnisvollen Nachmittag war so stürmisch gewesen, dass ...
jmdn. stürmisch begrüßen, umarmen, feiern
etw. stürmisch verlangen, fordern
stürmisch widersprechen, protestieren, applaudieren
jmd. läutet stürmisch an der Wohnungstür, nähert sich mit stürmischen Schritten
umgangssprachlich (sachte,) nicht so stürmisch (= vorsichtig, langsam, nicht so schnell)(, junger Mann)!
Aber sein stürmisches Blut brachte es mit sich, daß er sich in meine Stiefschwester verliebte [BrugschArzt81]
wild, heftig
Beispiel:
jmds. Herz schlägt stürmisch
3.
sehr schnell vor sich gehend, sich sehr schnell vollziehend
Beispiele:
ein stürmisches Aufbautempo
eine stürmische Aufwärtsentwicklung, Vorwärtsentwicklung
der stürmische Lauf der Geschichte
das stürmische Wachstum, Entwicklungstempo der Naturwissenschaften
der stürmische Durchbruch seines dramatischen Talents
etw. entwickelt sich, wächst stürmisch
die Entwicklung der Industrieproduktion schreitet stürmisch voran
Je mehr Giftstoffe ... gebildet worden sind, desto rascher und stürmischer tritt das Krankheitsbild in Erscheinung [Gesundheit1965]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sturm · stürmen · anstürmen · Ansturm · Stürmer · stürmisch
Sturm m. ‘starker Wind, Aufruhr, Angriff’, ahd. sturm (um 800), mhd. sturm (md. auch storm) ‘Unruhe, Lärm, Kampf, Unwetter’, asächs. mnd. mnl. nl. aengl. engl. schwed. storm, anord. stormr (germ. *sturma-) kann mit Formen ohne anlautendes s- wie aengl. þrymm ‘Menge, lärmende Schar’, anord. þrymr ‘Lärm, Krachen’, lat. turma ‘Schar, Schwadron, Schwarm’ verbunden und als m-Ableitung zu der unter ↗Quirl (s. d.) angeführten Wurzel ie. *tu̯er-, *tur-, *tu̯ṛ-, *tru- ‘drehen, quirlen, wirbeln’ gestellt werden, wozu auch das unter ↗stören (s. d.) behandelte Verb gehört. Ausgehend von einer Bedeutung ‘quirlende, lebhafte, wirbelnde Bewegung’, steht das Substantiv in älterer Zeit häufig für ‘Kampf, Streit, kriegerischer Angriff’, z. B. Sturm laufen ‘anrennen’ (17. Jh.), älter den Sturm anlaufen (16. Jh.), zum Sturm (‘Angriff’) antreten, älter den Sturm antreten ‘angreifen’ (16. Jh.), (zum) Sturm (‘Aufruhr’) schlagen (16. Jh.). Vgl. Sturm und Drang literarische Strömung des 18. Jhs., sogenannte Geniezeit (19. Jh.), benannt nach einem Dramentitel von F. M. Klinger (1776) im Sinne von ‘innerer Aufruhr’. stürmen Vb. ‘sehr windig sein, kriegerisch anrennen, erobern’, ahd. sturmen (8. Jh.), mhd. stürmen ‘Unruhe machen, lärmen, sich bewegen, schwirren, streiten, kämpfen, berennen’. anstürmen Vb. ‘anrennen, angreifen, vorwärtsstürmen’, mhd. anestürmen; Ansturm m. ‘Angriff, Andrang, große Nachfrage’ (14. Jh.). Stürmer m. ‘wer stürmt, Kämpfer’, mhd. sturmære, stürmære. stürmisch Adj. ‘drängend, lebhaft, lärmend’, geläufig seit dem 16. Jh., vgl. mhd. stürmec sowie stürmische Adv. und ahd. sturmlīh (Hs. 12. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
furios · glühend · ↗heftig · ↗hitzig · ↗rasend · stürmisch · ↗turbulent · ↗ungestüm · ↗unruhig · ↗wild  ●  ↗ungezügelt  selten
Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · aufgeregt · ↗ausgelassen · ↗hemmungslos · mit Überschwang · ↗orgiastisch · stürmisch · ↗ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · ↗wild · ↗zügellos · ↗übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · ↗aufgekratzt  ugs. · außer Rand und Band  ugs. · ↗hibbelig  ugs. · ↗hippelig  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
frenetisch · ↗rasend · stürmisch · tobend · tosend · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig.
Synonymgruppe
sturmdurchbraust · sturmdurchweht · stürmend · stürmisch · tobend (Wind)
Assoziationen
  • (sehr) schwerer Sturm · maximale Windstärke · orkanartiger Sturm  ●  ↗Orkan  Hauptform
  • dem Wind ausgesetzt · luftdurchströmt · luftdurchweht · ↗luftig · ↗windig · ↗zugig  ●  von Wind umbraust (lit.)  geh. · windumtost (lit.)  geh.
Synonymgruppe
bewegt (Zeit, Jahre) · ↗turbulent · ↗unruhig · ↗wild · ↗wildbewegt  ●  stürmisch  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfangsphase Applaus Aufwärtsentwicklung Beifall Böe Expansion Gewässer Heiterkeit Jubel Liebesaffäre Ovation See Südwestwind Umarmung Wachstum Westwind Wetter Wind Winde angreifend applaudieren bewegt gefeiert geradezu regnerisch umarmen umjubelt verlaufen wehen Überfahrt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stürmisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach 1908 nahm der öffentliche Verkehr dank der elektrischen Tram stürmisch zu.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 233
Zuletzt haben sich die Kurse ja auch wieder stürmisch nach oben bewegt.
Der Tagesspiegel, 23.12.1999
Das war womöglich stürmisch gemeint, in Wirklichkeit aber allenfalls schwach windig.
Süddeutsche Zeitung, 04.01.1999
Diese stürmisch vorangetriebene Produktion entstand dabei unter den denkbar größten Belastungen.
Christ, Karl: Johann Gustav Droysen. In: o. A. (Hg.), Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1972], S. 1
Es ist falsch, das Stottern zu stürmisch bekämpfen zu wollen.
o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 298
Zitationshilfe
„stürmisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/stürmisch>, abgerufen am 20.06.2019.

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