spreizen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsprei-zen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›spreizen‹ als Erstglied: ↗Spreizfuß · ↗Spreizung · ↗spreizbar · ↗spreizbeinig
 ·  mit ›spreizen‹ als Letztglied: ↗abspreizen · ↗aufspreizen · ↗auseinanderspreizen · ↗ausspreizen · ↗einspreizen · ↗kreisspreizen · ↗rückspreizen · ↗seitspreizen · ↗unterspreizen · ↗vorspreizen · ↗wegspreizen · ↗zurückspreizen · ↗überspreizen
 ·  mit ›spreizen‹ als Grundform: ↗gespreizt · ↗verspreizen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die Beine, Arme spreizendie Beine, Arme nach beiden Seiten vom Körper wegstrecken
Beispiele:
der Junge spreizte die Beine weit, stand mit gespreizten Beinen da
sie spreizte abwehrend die Arme
er saß mit gespreizten Schenkeln, Knien, Beinen auf dem Stuhl
Turnen das rechte Bein vorwärts, rückwärts, seitwärts spreizen
die Finger spreizendie Finger seitwärts voneinander wegbewegen
Beispiele:
er spreizt die Finger, Zehen
sie führte die Tasse mit gespreiztem Finger zum Mund
er fuhr sich mit gespreizter Hand durch das Haar
der Adler spreizt seine Fänge, Klauen
die Flügel, den Schwanz spreizendie Flügel, Schwanzfedern fächerartig auseinanderbreiten
Beispiele:
die Glucke spreizt ihre Flügel (über die Küken)
der Auerhahn, Pfau spreizt den Schwanz (zu einem breiten Fächer)
der Baum spreizt seine Äste (= streckt sie nach allen Seiten aus)
2.
abwertend sich spreizen
a)
sich mit auffälligen, affektierten Gebärden bewegen, sich in aufdringlicher, angeberischer Weise wichtig tun; sich aufspielen
Beispiele:
er spreizt sich sehr, wichtigtuerisch, eitel, hochmütig
die Filmdiva spreizte sich vor ihren Bewunderern, vor den Pressefotografen
Die Germanisten schwatzten von Goethes Liebschaften ... spreizten sich mit unwichtigen Einzelheiten [BrechtSchriften z. Theater1,166]
b)
sich (in affektierter, unnatürlicher Weise und oft nur zum Schein) sträuben, widersetzen
Beispiele:
er spreizte sich lange, mitzukommen
sie spreizte (= zierte) sich erst eine Weile, ehe sie das Geschenk annahm
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spreizen · sprießen2 · Spreize · Sprieße · Sprieß · Spriet · Bugspriet
spreizen Vb. ‘etw. emporstehend machen, auseinanderstellen, -strecken, grätschen’, reflexiv (übertragen) ‘geziert einhergehen, sich aufspielen, sich sträuben, sich zieren’ spätmhd. spreutzen ‘(sich) stützen, stemmen’, frühnhd. auch ‘auseinanderstrecken, weit öffnen, auseinandersperren mit einem Querholz’ (in dieser Lautform noch bis Anfang 18. Jh.), frühnhd. (entrundet) spreizen (16. Jh.) sind Varianten mit Affrikata zu schwach flektierendem sprießen2 Vb. ‘(mit Holz) stützen, verstreben’, ahd. spriuzan ‘(unter)stützen, befestigen, sich stemmen’ (8. Jh.), mhd. spriuzen ‘stützen, stemmen’, frühnhd. spreussen, spreissen (16. Jh.). Es sind Ableitungen von dem zu stark flektierendem ↗sprießen (s. d.) gehörenden Substantiv ahd. spriuʒa (10. Jh.), spätmhd. spreitze, spräutze frühnhd. sprücze, sprütze, sprutz (15. Jh.), nhd. Spreize f. (17. Jh.) ‘Stützbalken, Stütze’. Zugrunde liegt vielleicht die Vorstellung des sich wie ein gegabelter Ast emporreckenden Stützpfeilers. Dazu landschaftlich Sprieße f. auch Sprieß m. ‘Stütze, Stütz-, Querbalken, Sprosse, Strebe’, spätmhd. spriuze f. ‘Stützbalken’ sowie aus dem Nd. Spriet n. ‘Stange’, besonders (Seemannssprache) ‘vom Mast abgespreiztes Rundholz zum Ausspannen des viereckigen Sprietsegels’, in der Literatursprache (Anfang 18. Jh.) nach nd. Spriet, mnd. spriet, sprēt n., mnl. nl. spriet m., aengl. sprēot m., engl. sprit, germ. *spreuta-. Bugspriet n. ‘über den Bug hinausragende Segelstange’ (17. Jh.), mnd. bōchsprēt, nl. boegspriet, engl. bowsprit.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufweiten · ↗ausdehnen · ↗ausweiten · breiter machen · ↗dehnen · ↗erweitern · ↗expandieren · ↗extendieren · spreizen · ↗vergrößern · ↗weiten  ●  ↗ausleiern  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Daumen Ellbogen Feder Finger Flügel Fächer Gefieder Mittelfinger Pfau Schenkel Schwanzfeder Schwinge Siegeszeichen Spagat V-Zeichen Victory-Zeichen Zeh Zeigefinger abspreizen aufspreizen auseinanderspreizen ausspreizen eitel lasziv pfauenhaft recken spreizen strecken wegspreizen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spreizen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine umgefallene klassizistische Wand spreizt sich diagonal in den Raum.
Der Tagesspiegel, 28.04.1998
Stolz in meinen hochhackigen Pumps dastehend, die Beine gespreizt, posierte ich vor ihm.
Bild, 17.06.1997
Um sie nicht noch unnötig zu verletzen, spreizte er behutsam ein Bein.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 24
Die Finger seiner linken Hand spreizten sich, als wollte er etwas fassen.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 26
Seine Arme sagen von diesem Gang und seine Finger spreizen sich und scheinen in der Luft das Zeichen des Schreitens zu machen.
Rilke, Rainer Maria: Auguste Rodin. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1902], S. 9706
Zitationshilfe
„spreizen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/spreizen>, abgerufen am 27.06.2019.

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