spießbürgerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungspieß-bür-ger-lich (computergeneriert)
WortzerlegungSpießbürger-lich
Wortbildung mit ›spießbürgerlich‹ als Erstglied: ↗Spießbürgerlichkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend
Beispiele:
spießbürgerliche Ansichten, Vorurteile
ein spießbürgerlicher Geschmack, ein spießbürgerliches Milieu
Oder sie findet es spießbürgerlich, einen Ehering zu tragen [Th. MannZauberb.2, 195]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß2 · Spieß3 · spießen · Spießbürger · Spießer · spießbürgerlich · spießig · Spießgeselle
Spieß2 m. alte Wurf- und Stoßwaffe, ahd. spioʒ (um 800; vgl. als Jagdwaffe swīnspioʒ, 8. Jh.), mhd. spieʒ ‘Kampf-, Jagdspieß’, auch ‘Spießträger’, asächs. spiot, mnd. spēt, mnl. spiet, anord. spjōt ‘Spieß, Speer’, schwed. spjut ‘Speer’. Herkunft unbekannt. Ein Zusammenhang mit griech. speú͞dein (σπείδειν) ‘sich sputen, eilen, streben, sich anstrengen’, transitiv ‘antreiben, beschleunigen’, spūdḗ (σπουδή) ‘Eile, Eifer, Mühe, Ernst, Wohlwollen’, lit. spáusti (aus *spáudti) ‘(aus)drücken, -pressen’, intransitiv ‘eilen’ mit einer Ausgangsform ie. *(s)p(h)eud- ‘drücken, mit Nachdruck betreiben, eilen’ (vgl. Pokorny 1, 999), wonach der geschleuderte Spieß als ‘Eilender’ zu deuten wäre, ist wenig befriedigend. de Vries in: PBB (T) 80 (1958) 20 faßt dagegen germ. *speuta- ‘Spieß’ als vokalische Variante von germ. *spita- ‘Spitze’ (s. ↗Spieß) auf. Spieß3 m. in der Soldatensprache ‘Kompanie-, Hauptfeldwebel’ (um 1900), anspielend auf den Offizierssäbel, den dieser früher zu tragen berechtigt war; vgl. bereits mhd. spieʒ, nhd. Spieß ‘Spießträger, Krieger’ (bis 17. Jh.). spießen Vb. ‘(mit dem Spieß) durchbohren’ (17. Jh.). Nicht hierher, sondern zu ↗Spieß gehört mhd. spiʒʒen ‘an den Bratspieß stecken’ und auch frühnhd. spissen ‘mit dem Spieß, mit der Stichwaffe durchstechen’ (16. Jh.), das sich jedoch semantisch an ↗Spieß anlehnt. Unklar in seiner Zugehörigkeit ist mhd. (md.) spīʒen ‘aufspießen’. Spießbürger m. ‘kleinlich denkender, engstirniger Mensch’ (17. Jh.), studentisches Schimpfwort, eigentlich ‘der mit dem Spieß bewaffnete, zu Fuß kämpfende Bürger’; im 18. Jh. (Wieland) in die Literatursprache aufgenommen. Daraus verkürzt Spießer m. (19. Jh.). spießbürgerlich Adj. ‘kleinstädtisch, kleinlich, engstirnig’ (18. Jh.); entsprechend spießig Adj. (um 1900). Spießgeselle m. ‘Mittäter in einer üblen Sache’ (16. Jh.), eigentlich ‘der (ebenfalls mit einem Spieß kämpfende) Waffengefährte’ (16. Jh.). Den pejorativen Sinn erhält das Wort durch den schlechten Ruf, den in älterer Zeit Landsknechte und Soldaten genießen.

Thesaurus

Synonymgruppe
philisterhaft · spießbürgerlich
Synonymgruppe
bieder · ↗borniert · brav und bieder · ↗engstirnig · ↗kleinbürgerlich · ↗philisterhaft · ↗piefig · ↗provinziell · spießbürgerlich · ↗spießerhaft  ●  ↗spießig  Hauptform · ↗philiströs  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Enge Moral

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spießbürgerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt ist das Gros der Schüler eher prollig, spießbürgerlich drauf.
konkret, 1994
Wenn wir anders gelebt hätten, wären wir in dieser spießbürgerlichen Gesellschaft aufgefallen.
Der Spiegel, 20.08.1990
Eine "Siedlung" von Glashäusern, die von weitem an indische Bauten anklingen, fällt schon als spießbürgerlich in solcher Umgebung auf.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 03.04.1919
Es ist durchaus spießbürgerlich, engherzig und lächerlich eines Sitzplatzes bei Tisch wegen beleidigt zu sein.
Gleichen-Russwurm, Alexander von: Der gute Ton. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1932], S. 21608
Im Adjektiv bourgeois hatte es schon etwas den Beigeschmack von spießbürgerlich.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 10534
Zitationshilfe
„spießbürgerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/spießbürgerlich>, abgerufen am 19.06.2019.

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