speien

GrammatikVerb · spie, hat gespien/gespieen
Aussprache
Worttrennungspei-en
Wortbildung mit ›speien‹ als Erstglied: ↗Speigat · ↗Speigatt · ↗Speitäubling · ↗speiübel
 ·  mit ›speien‹ als Letztglied: ↗anspeien · ↗ausspeien · ↗bespeien · ↗feuerspeiend
 ·  formal verwandt mit: ↗flammenspeiend · ↗wasserspeiend · ↗wutspeiend
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben
1.
etw., besonders Speichel, (mit Nachdruck) aus dem Mund auswerfen, spucken
Beispiele:
auf den Boden speien
nach jmdm. speien
voll Verachtung spie sie ihm ins Gesicht
Blut speien
bildlich etw. (in großen Mengen) auswerfen
Beispiele:
der Vulkan speit Lava, Feuer
die Geschütze spien Tod und Verderben
der Ofen, die Heizung speit Hitze
die Tierfiguren des Brunnens speien Wasser
2.
sich erbrechen
Beispiel:
viele Passagiere wurden seekrank und mussten speien
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

speien · speuzen
speien Vb. ‘spucken, sich übergeben’, ahd. spīwan, (alem. und südrheinfrk.) spīan ‘spucken, aus-, anspeien, sich erbrechen’ (9. Jh.; vgl. firspīwan ‘verwerfen, zurückweisen’, 8. Jh.), mhd. spī(w)en, (md.) spūwen, asächs. spīwan, mnd. spī(g)en, mnl. spīen, spijen, spuwen, nl. spuwen, afries. spīa, aengl. spīwan, engl. to spew, anord. spȳja, schwed. spy, got. speiwan (germ. *spīwan); in der Entwicklung zeigen die Formen teilweise Schwund von altem w, teilweise Übergang von īw zu ūw. Das gemeingerm., stark flektierende Verb für ‘spucken, sich erbrechen’ ist verwandt mit den unter ↗Speichel, ↗Spott und ↗spucken (s. d.) behandelten Wörtern sowie mit aind. ṣṭhī́vati (ṣṭh- dissimiliert aus ṣp-) ‘spuckt, speit aus’, griech. ptȳ́ein (πτύειν) ‘spucken, ausspeien’, lat. spuere ‘spucken’, lit. spiáuti ‘spucken, speien’, aslaw. pl’ьvati, aruss. plьvati, russ. plevát’ (плевать) ‘speien, spucken’. Auszugehen ist von einem den Spucklaut nachahmenden (in den einzelnen Sprachen unterschiedlich abgewandelten) Ansatz ie. *(s)p(i̯)eu̯(ə)-, *(s)pi̯ū-, *(s)pīu̯- ‘speien, spucken’. Ein zu mhd. spī(w)en (s. oben) gebildetes Intensivum mhd. spiutzen, spūtzen (aus *spiuwezzen) führt zu speuzen Vb. ‘speien’, landschaftlich auch spauzen, spūzen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Nahrung) nicht bei sich behalten (können) · ↗(etwas) erbrechen · ↗(sich) erbrechen · ↗(sich) übergeben · ↗hochwürgen · speien  ●  Magen(inhalt) oral entleeren  variabel · ↗speiben  österr. · ↗spucken  regional · (das Essen) kommt oben wieder heraus  ugs. · ↗(sich) auskotzen  derb · ↗brechen  ugs. · ↗göbeln  ugs., regional · ↗kotzen  derb · ↗reihern  ugs. · rückwärts essen  ugs., scherzhaft · ↗vomieren  geh.
Assoziationen
  • (das Sich-)Übergeben · ↗Erbrechen · Erbrechungen  ●  ↗Emesis  fachspr. · ↗Vomitus  fachspr.
  • Spuckbeutel · Spucktüte  ●  Speibsackerl  österr. · Kotztüte  ugs.
  • Brechmittel  ●  ↗Emetikum  fachspr. · ↗Vomitorium  fachspr., lat.
  • (einen) Würgereiz (haben) · (sich) übergeben (wollen) · kurz davor sein, sich zu übergeben  ●  (eine) schwere Zunge (haben)  fig.
  • (sich) übergeben müssen (von)  ●  nicht bei sich behalten (können)  fig. · (das Essen) kommt oben wieder heraus  ugs. · wieder auskotzen  derb
Synonymgruppe
speien · ↗spucken  ●  ↗rotzen  derb

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asche Berg Bogen Dampf Drache Erde Feuer Fisch Flamme Galle Gesicht Gift Himmel Lava Löwe Mund Rachen Rauch Verderben Vulkan Wasser Wolke anspeien aus ausspeien fressen husten schlucken verschlingen zurück

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›speien‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die beinahe euphorisierende Wirkung des Erfolgs speist sich aus anderen Quellen.
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2001
Woraus speist sich das, was wir insgesamt gesellschaftlich voranbringen wollen?
Der Tagesspiegel, 11.02.2000
Gleich war aber das Männchen da, nahm es fürsorglich ins Maul und spie es wieder ins Nest hinein.
Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16
Und nun bäumt sich das Meer und speit und speit und speit seine Toten aus.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 16
Brennendes Blut speien die vesuvischen Entladungen der Schlachten über die Erde.
Dohm, Hedwig: Der Mißbrauch des Todes. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3385
Zitationshilfe
„speien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/speien>, abgerufen am 20.06.2019.

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