sinnen

GrammatikVerb · sann, hat gesonnen
Aussprache
Worttrennungsin-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›sinnen‹ als Letztglied: ↗ansinnen · ↗aussinnen · ↗hintersinnen · ↗nachsinnen
 ·  mit ›sinnen‹ als Grundform: ↗besinnen · ↗entsinnen · ↗ersinnen · ↗gesinnt · ↗gesonnen
 ·  formal verwandt mit: ↗versonnen
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben
1.
seinen Gedanken nachhängen, nachdenken, überlegen, grübeln
Beispiele:
er sann lange, was sie mit diesen Worten gemeint haben könnte, wie er ihnen helfen könnte
Bei den Mahlzeiten sinnt er stumm vor sich hin [StrittmatterTinko66]
über etw. sinnenüber etw. nachdenken, seine Gedanken um etw. kreisen lassen
Beispiel:
Wer es auch sein mochte, ich fühlte Sympathie für ihn. Indes ich hierüber sann, hatte ich den See bis dorthin umschritten, wo ... [H. Mann8,16]
oft im Part. Präs.
sinnendin Gedanken versunken, nachdenklich
Beispiele:
jmd. blickt sinnend vor sich hin, aus dem Fenster, in die Ferne
sie saß sinnend im Sessel, hatte die Augen sinnend niedergeschlagen
mit sinnendem Blick, Ernst sah er sie an
jmd. verfällt, versinkt in düsteres Sinnen
sie starrte in tiefem, verworrenem Sinnen vor sich hin
jmds. Sinnen und Trachten (= jmds. Denken und Streben) ist auf etw. gerichtet, zielt auf etw.
all sein Sinnen und Trachten geht, steht dahin, dieses Ziel zu erreichen
2.
auf etw. sinnenin Gedanken nach etw. suchen, sich etw. ausdenken, etw. ersinnen
Beispiele:
jmd. sinnt auf einen Ausweg, eine List, Ausrede, auf Mittel und Wege
daß er auf Mittel sinnen möchte, wie man etwas Geld für die Bahnfahrt der Kinder beschaffen könnte [WiechertErzählungen34]
etw. planen, beabsichtigen, etw. im Schilde führen
Beispiel:
jmd. sinnt auf Verrat, jmds. Untergang, nichts Gutes
veraltend etw. sinnen
Beispiele:
jmd. sinnt Verderben, Schrecken, Rache
was sinnst du? (= was denkst du, was hast du vor?)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abenteuer Abhilfe Ausweg Besserung Flucht Gesetzgeber List Mittel Rache Rettung Revanche Umsturz Vergeltung Verrat Wiedergutmachung ansinnen aussinnen darauf darüber derweil hin hinein hinterher nach nachsinnen seither sinnen träumen vergeblich verzweifelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sinnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie tun sich gegen mich zusammen; sie sinnen darauf, mir das Leben zu rauben.
Süddeutsche Zeitung, 24.03.2000
In einer so antiquarisch gesonnenen Zeit wie der unseren mußte das Proteste hervorrufen.
Die Zeit, 07.04.1989, Nr. 15
Ruhig verließ er die Stube, nicht gesonnen, sich erwischen zu lassen.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 227
Er war gesonnen, seiner Mutter die Schuld daran zu geben.
Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow, Rostock: Hirnstorff 1978 [1937], S. 136
Nachdem sie zu Ende gekommen war, starrte sie lange sinnend auf die beschriebenen Bogen.
Heyking, Elisabeth von: Der Tag Anderer. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9679
Zitationshilfe
„sinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/sinnen>, abgerufen am 21.05.2019.

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