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siedeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsie-deln
Wortbildung mit ›siedeln‹ als Erstglied: ↗Siedelung · ↗Siedler · ↗Siedlung
 ·  mit ›siedeln‹ als Letztglied: ↗absiedeln · ↗ansiedeln · ↗aufsiedeln · ↗aussiedeln · ↗rücksiedeln · ↗umsiedeln · ↗übersiedeln
 ·  mit ›siedeln‹ als Grundform: ↗besiedeln
eWDG, 1976

Bedeutung

an einem bestimmten Ort ansässig werden
a)
sich auf einem Stück Land niederlassen, Bauten, Wohnbauten errichten und den Boden kultivieren
Beispiele:
nach langer Wanderschaft siedelte der Stamm in diesem fruchtbaren Tal
die Einwanderer siedelten am Oberlauf des Flusses
b)
DDR eine durch Aufteilung von Großgrundbesitz entstandene Neubauernsiedlung übernehmen
Beispiel:
Wie wir gesiedelt haben, haben wir uns das alles viel leichter vorgestellt. Mutter hatte einen Laden, Haushaltsartikel. Und dann kam der Aufruf, und wir sind aus unserem Ort als erste aufs Land [BaierlFlinz10]
c)
Beispiele:
Zoologie die lichtbedürftige Feldmaus siedelt (= wohnt) nur im offenen Gelände [K. Zimmerm.Säugetiere27]
gehoben In den Ritzen siedelte Moos [KasackStadt145]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

siedeln · besiedeln · Siedler · Siedlung
siedeln Vb. ‘seßhaft werden, sich niederlassen, eine Wohnstätte gründen’, ahd. gisidalen ‘ansiedeln, ausbreiten’, reflexiv ‘sich niederlassen’ (9. Jh.), sidalen (11. Jh.), mhd. sidelen ‘ansässig machen, Wohnsitze errichten’. Das nur im Dt. bezeugte, erst in neuerer Sprache auch intransitiv gebrauchte Verb ist zu ahd. sidil(l)a ‘Sitz, Stuhl, Wohnsitz’ (11. Jh.), mhd. sidel, sidele ‘Sitz, Sessel, Bank’ bzw. ahd. sedal ‘Sitz, Thron, Platz’ (8. Jh.), mhd. sedel ‘Sessel, Sattel, Sitz, Land-, Wohnsitz, Ruhesitz, Lager’, asächs. seðal, aengl. seþel gebildet (s. auch ↗Einsiedler) und gehört mit den genannten Substantiven zu der unter ↗sitzen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *sed- ‘sitzen’. In frühnhd. Zeit schwindet siedeln aus dem allgemeinen Sprachgebrauch und lebt nur in obd. Mundarten weiter, wird jedoch seit dem 18. Jh. wieder geläufig. besiedeln Vb. ‘eine Gegend bebauen und Wohnsitze darauf errichten, ansässig werden’ (19. Jh.), mhd. besidelen ‘als Pächter einsetzen’. Wie das Simplex erst in neuerer Zeit wieder gebräuchlich. Siedler m. ‘wer ein Gebiet bebaut und und erschließt, sich dort niederläßt’ (um 1800), älter (17. Jh.) kurz für ↗Einsiedler (s. d.) und in der Zusammensetzung Landsiedler (17. Jh.); vgl. ahd. sidilo (9. Jh.), mhd. lantsidel(e). Siedlung f. ‘das (Be)siedeln’ (um 1800), ‘Ort der Niederlassung’, auch ‘Wohn- oder Gartenkolonie’ (19. Jh.); vgl. frühnhd. sidelungereht ‘Abgabe für Ansässigmachung’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albaner Bakterie Germane Grauzone Grenzgebiet Kelte Kitsch Kolonist Niemandsland Römer Schleimhaut Slawe Stamm Ufer Volksgruppe Vorfahr Wikinger absiedeln an ansiedeln aussiedeln irgendwo kompakt nahe um umsiedeln zurücksiedeln zwangsumsiedeln über übersiedeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›siedeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An ihr siedelten griechische Händler, und über sie marschierten römische Legionen.
Die Zeit, 26.09.1997, Nr. 40
Der Amerikaner Dean Reed siedelte 1972 in die DDR über.
Bild, 22.07.2004
Er siedelt allerdings weit ab von menschlichen Behausungen in stillen Wäldern.
Dathe, Heinrich: Wegweiser durch den Tierpark, Berlin: OV 1976, S. 21
Da ihm das nicht gelingt, kann er nicht heimkehren und siedelt sich in der von ihm gegründeten Burg von Theben an.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 22866
Sie siedelten sich auf einer Insel an oder in einer Stadt, gingen darüber nicht hinaus.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 45
Zitationshilfe
„siedeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/siedeln>, abgerufen am 21.07.2019.

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