sichtlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsicht-lich
eWDG, 1976

Bedeutung

(deutlich) erkennbar, offenkundig, offenbar
Beispiele:
ihn ärgerte die sichtliche Benachteiligung, Bevorzugung seines Kollegen
er zeigte sichtliche Zeichen von Ermüdung
in sichtlicher Erregung betrat er das Zimmer
sie widmet sich mit sichtlicher Freude, sichtlichem Vergnügen dieser Aufgabe
sichtlich beeindruckt verweilte sie längere Zeit vor dem Gemälde
diese Frage irritierte ihn sichtlich
der Kranke hat keinen Appetit und magert sichtlich ab
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sicht · sichtbar · sichtig · durchsichtig · kurzsichtig · umsichtig · weitsichtig · sichtlich · sichten1 · besichtigen · Besichtigung
Sicht f. ‘Fähigkeit zu sehen, Sehweite, Ausblick’, auch ‘Betrachtungsweise’, ahd. (9. Jh.), mhd. siht ‘das Sehen, Ansehen, Anblick’, mnd. mnl. sicht, nl. zicht, aengl. -siht, sihþ, engl. sight sind westgerm. Abstraktbildungen (germ. *sihwti-) zu dem unter ↗sehen (s. d.) behandelten Verb. Als Übersetzung von ital. a vista begegnen in der mnd. Handelssprache der Hanse Wendungen wie na gesichtes myns weselbreyffs (‘nach Vorlage meines Wechsels’) betalen (15. Jh.), (Wechsel) up sichtt (bezahlen), 8 dage nae sichtte der handtt schryfft (16. Jh.), dann auch im Hd. nach Sicht des Wechselbrieffs (16. Jh.). Daraus entwickelt sich im 17. Jh. die Bedeutung ‘Laufzeit (eines Wechsels)’, und es entsteht formelhaftes auf lange, auf kurze Sicht ‘für lange, für kurze Zeit’ (17. Jh.). In der Seemannssprache gilt mnd. sicht m. für ‘Sehweite’; es geht in diesem Sinne im 19. Jh. in die Literatursprache ein, vgl. in, außer, ohne Sicht (ohne erkennbares Genus, aber als Fem. aufgefaßt). S. ↗Gesicht; für -sicht in Abstraktbildungen zu Verbalkomposita (An-, Aufsicht usw.) s. ↗sehen. sichtbar Adj. ‘was zu sehen ist’ (16. Jh.). sichtig Adj. ‘hell, klar’ vom Wetter (um 1800 aus der nd. Seemannssprache); vgl. ahd. gisihtīg (um 1000), mhd. sihtec, sihtic, nhd. (bis ins 17. Jh.) sichtig ‘sichtbar, wahrnehmbar, deutlich’; heute nur noch in Zusammensetzungen wie durchsichtig Adj. ‘so beschaffen, daß man hindurchsehen kann’, übertragen ‘zart, blaß, leicht durchschaubar’, ahd. thuruhsihtīg (um 1000), mhd. durchsihtec; kurzsichtig Adj. ‘Sehschärfe nur für die Nähe besitzend, nicht vorausdenkend’ (18. Jh.); umsichtig Adj. ‘bedachtsam, überlegt’, mhd. umbesihtic; weitsichtig Adj. ‘weit sichtbar, weitblickend’ (16. Jh.), ‘Sehschärfe nur für die Ferne besitzend’ (18. Jh.). sichtlich Adj. ‘offenkundig, deutlich’, mhd. sihtlich ‘was gesehen werden kann, sichtbar, leibhaftig’. sichten1 Vb. ‘erblicken’ (19. Jh.), Übernahme aus der nd. Seemannssprache. besichtigen Vb. ‘in Augenschein nehmen, genau ansehen’ (15. Jh.), älter besichten (Anfang 15. Jh.); Besichtigung f. ‘das genaue Ansehen, Inspizieren’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
deutlich · ↗erkennbar · sichtlich · ↗spürbar  ●  ↗merklich  Hauptform · ↗ersichtlich  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Behagen Genugtuung Stolz Vergnügen angeschlagen aufblühen beeindruckt bewegt deprimiert enttäuscht ergriffen erleichtert erregt erschöpft erschüttert frustriert geknickt gelaunt genervt genießen gerührt geschockt geschwächt gezeichnet irritiert mitgenommen mühen verärgert überfordert überrascht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sichtlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was sich damit alles anstellen lässt, darauf sind die neun schon sichtlich gespannt.
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2002
Der Angestellte an der Rezeption hat sichtlich Probleme mit dem Computer.
Der Tagesspiegel, 06.01.2002
Der Frau hinter dem Stand war meine Freude sichtlich unverständlich.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 30.12.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Denn durch den edelgeformten Kopf zog sichtlich eine entstehende Dichtung.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 31107
Mein Interesse an der zweckmäßigen rationellen Bewirtschaftung eines Hofes war ihnen sichtlich sympathisch.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Zitationshilfe
„sichtlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/sichtlich>, abgerufen am 18.06.2019.

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