selig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungse-lig
Wortbildung mit ›selig‹ als Erstglied: ↗Seligkeit · ↗seligpreisen · ↗seligsprechen
 ·  mit ›selig‹ als Letztglied: ↗hochselig · ↗unselig  ·  mit ›selig‹ als Binnenglied: ↗alleinseligmachend  ·  mit ›selig‹ als Grundform: ↗-selig · ↗Selige · ↗beseligen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
von einem rauschhaften Glücksgefühl erfüllt, überglücklich, wunschlos glücklich
Beispiele:
sie küsste ihn, und er war selig
selig wie ein Kind
selig lächelnd schaute sie den spielenden Kindern zu
ihm war ganz selig zumute
sie war selig, als sie sich endlich wiedersahen
in selige Träume versunken
in seliger Selbstvergessenheit lagen wir am Strand und schauten den ziehenden Wolken nach
Erinnerungen an unsere seligste Zeit
umgangssprachlich, verhüllend mein Freund war schon ein wenig selig (= betrunken) und fing an zu lallen
umgangssprachlich glücklich und zufrieden
Beispiele:
soll er doch selig werden mit seinem Kram!
salopp wer's glaubt, wird selig (= ich glaube es nicht)
2.
Religion von allen Übeln des irdischen Lebens auf ewig frei und der himmlischen Wonnen teilhaftig
Beispiele:
selig sein, werden
ein seliges Ende haben (= sterben in der Gewißheit, die ewige Seligkeit zu erlangen)
dichterisch die Gefilde der Seligen (= Paradies des klassischen Altertums)
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
Gott habe ihn selig (= nun, da er weg ist, ist der Fall für uns erledigt)
3.
oft nachgestellt
veraltet, süddeutsch verstorben
Beispiele:
mein seliger Mann
süddeutsch meine Mutter selig
Bücher, Vermögen der, des Seligen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

selig · Seligkeit · beseligen · gottselig
selig Adj. ‘überaus glücklich’, (in der christlichen Religion) ‘nach dem Tod der himmlischen Freuden teilhaftig’, daher auch ‘verstorben’, ahd. sālīg (8. Jh.), mhd. sælec, sælic ‘glücklich, zum Glück bestimmt, gesegnet, glückbringend, heilsam, fromm’, asächs. sālig, mnd. sālich, sēlich, mnl. sālich, nl. zalig, afries. sēlich, aengl. (ge)sǣlig, engl. (älter) seely ‘glücklich’, daraus silly ‘einfältig, töricht, dumm’, anord. sælligr (auch ‘reich’) ist abgeleitet von einem in aengl. unsǣle ‘böse, boshaft’, sēl ‘gut, klug, würdig, glücklich’, anord. sæll ‘glücklich’, schwed. säll ‘(glück)selig’, got. sēls ‘tauglich, gütig’ (germ. *sēlī-) erhaltenen Adjektiv; vgl. dazu die substantivische Ableitung ahd. sālida (8. Jh.), mhd. sælde ‘Güte, Wohlgeartetheit, Segen, Heil, Glück (von Gott), himmlische Seligkeit’, asächs. sālða, aengl. sǣlþ, anord. sæld. Vergleicht man außergerm. lat. (ablautend) sōlārī ‘trösten, ermutigen, entschädigen, hindern’, air. slān ‘heil, gesund’ und griech. hīláskesthai (ἱλάσκεσθαι) ‘(einen Gott) gnädig, günstig stimmen, versöhnen’, läßt sich eine Wurzel ie. *sel(ə)- ‘günstig, guter Stimmung, begütigen’ erschließen. Aber auch Verwandtschaft mit griech. hólos (ὅλος) ‘ganz, vollständig’ und lat. salvus ‘gesund, heil, wohlbehalten, gerettet’ wird erwogen, so daß von ie. *solo-, *sol(e)u̯o- ‘wohlbehalten, ganz’ ausgegangen werden kann. Seligkeit f. ‘Zustand wunschlosen Glücks, großer Freude’, kirchensprachlich ‘Einheit mit Gott nach dem Tod’, ahd. sālīgheit (um 1000), mhd. sælecheit, sælekeit, sælikeit ‘Wohlgeartetheit, Vollkommenheit, Anmut, Beglücktheit, Heil’. beseligen Vb. ‘selig, glücklich machen’ (15. Jh.). gottselig Adj. ‘fromm (um der Ehre Gottes willen)’ (16. Jh., von Luther geprägt), formelhaft gottseliges Gedächtnis (16. Jh.), gottseligen An(ge)denkens (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
freudestrahlend · ↗glückselig · ↗glückstrahlend · selig
Assoziationen
Synonymgruppe
(seinen Verletzungen) erlegen · aus dem Leben geschieden · dahingegangen · dahingeschieden · gestorben · mit jemandem ist es aus · nicht mehr sein · nicht mehr unter den Lebenden · nicht mehr unter uns (weilen) · seligen Angedenkens (nachgestellt) · seligen Gedenkens (nachgestellt) · ↗tot · tot und begraben (Verstärkung) · ↗verschieden · ↗verstorben  ●  draußen geblieben  militärisch · ↗gefallen  militärisch · hat uns verlassen  verhüllend, fig. · selig (nachgestellt)  veraltet · von uns gegangen  verhüllend, fig. · (jemand) hat es hinter sich  derb · draufgegangen (bei)  ugs. · gehimmelt  ugs. · ↗mausetot  ugs. · unterm Torf  ugs., salopp, fig. · verblichen  geh. · weg vom Fenster  ugs., fig.
Assoziationen
  • Ableben · ↗Abschied · ↗Exitus · Hinscheiden · ↗Lebensende · ↗Sterben · Versterben  ●  ↗(jemandes) Tod  Hauptform · ↗Abberufung  verhüllend, fig. · ↗Heimgang  religiös · ↗Hinschied  schweiz.
  • Allah sei seiner Seele gnädig · Friede seiner Asche · Gott hab ihn selig · er möge in Frieden ruhen · er möge ruhen in Frieden · möge Allah seiner Seele gnädig sein
  • (die) Augen für immer schließen · (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · ↗ableben · das Zeitliche segnen · den Tod erleiden · ↗erlöschen · in den letzten Zügen liegen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne des Lebens abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
  • fast tot · ↗halb tot · ↗halbtot · mehr tot als lebendig · übel zugerichtet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andenken Angedenken Entzücken Erwägen Geben Gefilde Gesichtsausdruck Grinsen Jungfrau Kindertag Kinderzeit Kindheitserinnerung Lächeln Nehmen Pater Schlummer Schlupfwinkel Selbstvergessenheit Unwissenheit Vergessen Weihnachtszeit Witwe einschlummern gesprochen gnadenbringend lächeln lächelnd machend schlummern schunkeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›selig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwei Tore vom Gerd, zwei von mir - wir waren selig.
Bild, 03.11.2005
Es war ein schönes Bild, wie sie da so ritt, schwankend, aber selig.
Süddeutsche Zeitung, 08.12.1998
Der selige Vater hat noch die vollständige Rehabilitation des Sohnes erleben dürfen.
Christ, Karl: Jacob Burckhardt. In: o. A. (Hg.), Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1972], S. 120
So ordentlich sei der selige Herr Graf in allem gewesen.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 306
Und sie klatschte in die Hände vor Freuden wie ein seliges Kind.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2624
Zitationshilfe
„selig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/selig>, abgerufen am 21.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Selfmademan
Selfmadefrau
Selfiestick
Selfie-Stick
Selfie
Selige
Seligkeit
Seligmannit
seligpreisen
Seligpreisung