seicht

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›seicht‹ als Erstglied: ↗Seichtigkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
flach, ohne größere Tiefe
Beispiele:
ein seichtes Gewässer
das seichte Wasser des Grabens
der Fluss war an einigen seichten Stellen zu passieren
er sprang vom Boot ans seichte Ufer
bildlich
Beispiele:
ein seichter (= schwacher) Humor, Erfolg
eine seichte Sentimentalität
Was für seichte und törichte Vorstellungen hatte er doch früher von den Dingen gehabt [BredelHeerstraßen399]
2.
abwertend, übertragen von niedrigem Niveau, nicht anspruchsvoll, oberflächlich
Beispiele:
ein seichtes Geplauder
dieses Publikum bevorzugte leider seichte Stücke, Darbietungen
ein seichter Roman
ein seichter Mensch
alles kommt mir seicht und abgeschmackt vor
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

seicht Adj. ‘flach, nicht tief’ (vom Wasser), übertragen ‘oberflächlich’, mhd. sīhte; vgl. auch schweiz. sīcht ‘sehr feucht’ (von Wiesen). Unsicher ist dagegen aengl. sīhte (oder sihte?) ‘sumpfig (?)’. Die etymologische Zugehörigkeit ist nicht eindeutig zu klären. Man setzt für die Formen mit ī ein germ. *sinhtja- voraus. Dies läßt sich außergerm. verbinden mit aind. ásakraḥ ‘nicht versiegend’, aslaw. isęknǫti ‘austrocknen, versiegen’, russ. (älter) sjáknut’ (сякнуть) ‘versiegen, verdorren, verarmen’, lit. sèkti (senkù) ‘sich senken, fallen, sinken, versiegen’ (vom Wasser), seklùs ‘seicht’, suñkti ‘Flüssigkeit durch Druck absickern lassen’. Die außergerm. Formen werden üblicherweise unter einem Wurzelansatz ie. *sek-, im Baltoslaw. auch nasaliert, ‘abrinnen, versiegen, sich senken’ (vom Wasser) zusammengefaßt, wozu sich dann (mit Nasalierung) auch seicht stellen würde sowie (mit einer speziellen semantischen Entwicklung) die unter ↗sengen (s. d.) behandelten Formen. Seebold 394 erwägt allerdings, eine Form wie lit. sèkti auf ie. *se(n)ku̯- zurückzuführen, und sieht darin eine Auslautvariante zu der unter ↗sinken (s. d.) genannten Wurzel ie. *sengu̯- ‘fallen, sinken’. Auch unabhängig von den außergerm. Vergleichsmöglichkeiten läßt sich seicht an sinken anschließen; es wäre dann als ‘eingesunkenes Land’ zu interpretieren. Doch dürfte gerade die Semantik eher für die oben hergestellte Verbindung zur Wurzel ie. *sek- sprechen.

Thesaurus

Synonymgruppe
abgedroschen · ↗abgeschmackt · ↗banal · ↗beliebig · ↗flau · ↗geistlos · ↗inhaltsleer · ↗leer · ↗nichts sagend · ↗nichtssagend · ↗oberflächlich · ohne Aussage · ↗schal · seicht · ↗trivial · ↗witzlos · ↗wohlfeil  ●  ↗billig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗platt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
flach · seicht · ↗untief
Synonymgruppe
belanglos · ↗flach · ↗oberflächlich · ohne Tiefgang · ohne tiefere Bedeutung · seicht  ●  ↗platt  ugs.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Billig... · ↗billig · ↗derb · ↗fadenscheinig · ↗flach · nicht (besonders) ambitioniert · ohne Ambition(en) · ohne Anspruch · ohne Niveau · ↗platt · ↗primitiv · ↗schlecht · seicht  ●  wenig ambitioniert  verhüllend · ↗anspruchslos  geh. · nicht besonders einfallsreich  ugs. · ↗niveaulos  geh., Hauptform · ↗unambitioniert  geh., verhüllend · wie in einem schlechten Film  ugs., variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bucht Fahrwasser Gefilde Geschwätz Gewässer Komödie Kost Küstenwasser Lagune Meeresbucht Muse Operette Plot Popsong Schlager Schwachsinn Tümpel Ufergewässer Uferwasser Unterhaltung Unterhaltungsfilm Unterhaltungsliteratur Unterhaltungsmusik Untiefe Wasser belanglos dahinplätschern gefällig oberflächlich plätschern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›seicht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er schwebte, leicht auch mit schwerem Kopf, immer über dem Bierernst, auch dem der seichteren Szene.
Die Zeit, 12.09.2013, Nr. 38
Kurz nach 18 Uhr ist Schluss mit den seichten Tönen.
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2002
Mir schien die Stelle seicht genug, um ihn jetzt mit der Hand fangen zu können.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16866
Bodenlos und seicht zugleich ist dein Auge, höhnisch und verzweifelt zugleich ist dein Lachen.
Frapan, Ilse: Arbeit. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5271
Stehende Wasser pflegen mit der Zeit seichter zu werden, aber doch nicht tiefer.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 114
Zitationshilfe
„seicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/seicht>, abgerufen am 22.05.2019.

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