schwindeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschwin-deln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schwindeln‹ als Letztglied: ↗abschwindeln · ↗anschwindeln · ↗aufschwindeln · ↗durchschwindeln · ↗herausschwindeln · ↗herumschwindeln · ↗vorschwindeln · ↗wegschwindeln
 ·  mit ›schwindeln‹ als Grundform: ↗Schwindelei
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich die Unwahrheit sagen, lügen, betrügen, oft nur in kleinen, harmlosen Dingen
Beispiele:
du schwindelst ja!
er schwindelte, dass sich die Balken bogen
wehe, wenn du wieder geschwindelt hast!
daß die Kleine voll Genuß schwindelte, ohne Not, aus reiner Freude am Schminken des Lebens [A. ZweigRegenbogen98]
sich, jmdn., etw. mit Lüge oder Betrug durchbringen
Beispiele:
jmd. schwindelt sich aus jeder Schwierigkeit, durch das Leben
er wurde gefasst, als er versuchte, einen Koffer durch die Zollkontrolle zu schwindeln
Er schwindelte ihn auf die Liste der ersten Heimkehrer [H. KantAula274]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwindeln · Schwindel · Schwindler · Schwindelei · schwindlig
schwindeln Vb. ‘sich schwindlig fühlen, betrügen’, ahd. swintilōn ‘in Ohnmacht fallen, Schwindel empfinden’ (um 800), mhd. swindeln ist Iterativbildung zu dem unter ↗schwinden (s. d.) dargestellten Verb. Bereits im Ahd. stehen persönliche Konstruktion (swintilōmēs ‘wir schwindeln, fühlen uns schwindlig’) und unpersönliche mit Dativ der Person (uns swintilōt) nebeneinander. Durch freieren Gebrauch entwickelt sich im 18. Jh. ‘sich (wohin) versteigen, abenteuerliche Entwürfe oder Versprechungen machen’ und unter Einfluß von Schwindel ‘Betrug’ und Schwindler ‘Phantast, Flunkerer’ (s. unten) die heute vorherrschende Bedeutung ‘die Unwahrheit sagen, lügen’. Schwindel m. ‘Taumelgefühl, Lüge, Betrug’, mhd. swindel ‘drehendes Gefühl im Kopf, Taumelgefühl’, aus dem Verb rückgebildet. Übertragen ‘Taumel der Erregung, der Begeisterung’ (18. Jh.). Ausgehend von einer Verwendung ‘unbesonnenes Handeln’ (vereinzelt bereits 16. Jh.) entwickelt sich über ‘unlauteres Handeln’ die heute vorherrschende Bedeutung ‘Lüge, Betrug’ (18. Jh., geläufig seit dem 19. Jh.). Schwindler m. ‘Schwärmer, Phantast’ (17. Jh.), ‘unbesonnener, leichtsinniger, unlauterer Mensch’ (Ende 18. Jh.), ‘Betrüger, Lügner’ (19. Jh.). Aus dem Dt. entlehnt engl. swindler für ‘unbesonnener, leichtsinniger Mensch und Geschäftemacher’ (18. Jh.), danach auch ‘Hochstapler, Betrüger’, das über Hamburg auf das Dt. zurückwirkt. Schwindelei f. ‘Lüge, Betrug’ (2. Hälfte 18. Jh.). schwindlig Adj. ‘körperlich Schwindel empfindend’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) falsches Spiel spielen · (es) mit der Wahrheit nicht so genau nehmen · (etwas) wahrheitswidrig behaupten · ↗betrügen · die Unwahrheit sagen · ↗hochstapeln · schwindeln  ●  ↗lügen  Hauptform · mit gespaltener Zunge sprechen  fig. · ↗cheaten  ugs. · ↗flunkern  ugs. · krücken  ugs., regional · ↗mogeln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (ein) notorischer Lügner (sein) · (jemand) lügt, wenn er den Mund aufmacht · (jemandem) (frech) ins Gesicht lügen · lügen ohne rot zu werden · schamlos lügen  ●  (jemand) lügt schneller, als ein Pferd laufen kann  ugs. · andauernd lügen  ugs., variabel
  • Märchen erzählen · das Blaue vom Himmel herunterlügen · lügen wie gedruckt · lügen, dass sich die Balken biegen  ●  (jemandem) die Hucke volllügen  ugs., regional
Assoziationen
Synonymgruppe
mogeln · ↗schummeln · schwindeln · ↗tricksen · ↗täuschen  ●  Schmu machen  ugs. · ↗kungeln  ugs., regional · ↗mauscheln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kopf anschwindeln du durch gern hinwegschwindeln lügen manchmal vorschwindeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwindeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer auf dem Platz betrügt, schwindelt der nicht auch im Leben?
Die Welt, 07.12.2005
Die Cebit schillert nicht mehr, sie glänzt nicht mehr, sie schwindelt und sie trauert nicht mehr.
Der Tagesspiegel, 17.03.2004
Die hohe energetische Spannung dieses Textes macht den Leser schwindeln.
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2002
Diese wog er, und ich mußte genau achthaben, daß er nicht schwindelte; auch beim Ausrechnen des Preises, den er dafür bezahlte, hatte ich recht aufzupassen.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 17045
Sie haben die Spielregeln verletzt, Sie haben geschwindelt, Sie, nicht die anderen.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 28
Zitationshilfe
„schwindeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schwindeln#1>, abgerufen am 17.10.2019.

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schwindeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschwin-deln (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

jmdm., jmdn. schwindelt (es)jmd. wird von Schwindelgefühl befallen, fühlt sich taumelig
Beispiele:
mir, mich schwindelt
ihm, ihn schwindelte es, als er vom Turm in die Tiefe sah
dem Kranken schwindelte vor Schmerz, Schwäche
das Tempo, die Hitze, der Hunger lässt jmdn. schwindeln
der Schreck, die Gefahr, der Erfolg, das Glück macht jmdn. schwindeln
ihm hat der Kopf geschwindelt
Die Landstraße, die den Berg hinauflief, machte mich plötzlich schwindeln, sie drehte sich vor meinen Augen [BöllZug37]
oft im Part. Präs.
schwindelndSchwindelgefühl hervorrufend, schwindelerregend
Beispiele:
die schwindelnde Höhe eines Wolkenkratzers
die schwindelnde Tiefe eines Abgrunds
er arbeitet in schwindelnder Höhe
in schwindelnder Fahrt ging es bergab
sie drehten sich in schwindelndem Tanz
eine schwindelnd hohe Felsenwand
eine schwindelnde Hoffnung erfüllte ihn
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwindeln · Schwindel · Schwindler · Schwindelei · schwindlig
schwindeln Vb. ‘sich schwindlig fühlen, betrügen’, ahd. swintilōn ‘in Ohnmacht fallen, Schwindel empfinden’ (um 800), mhd. swindeln ist Iterativbildung zu dem unter ↗schwinden (s. d.) dargestellten Verb. Bereits im Ahd. stehen persönliche Konstruktion (swintilōmēs ‘wir schwindeln, fühlen uns schwindlig’) und unpersönliche mit Dativ der Person (uns swintilōt) nebeneinander. Durch freieren Gebrauch entwickelt sich im 18. Jh. ‘sich (wohin) versteigen, abenteuerliche Entwürfe oder Versprechungen machen’ und unter Einfluß von Schwindel ‘Betrug’ und Schwindler ‘Phantast, Flunkerer’ (s. unten) die heute vorherrschende Bedeutung ‘die Unwahrheit sagen, lügen’. Schwindel m. ‘Taumelgefühl, Lüge, Betrug’, mhd. swindel ‘drehendes Gefühl im Kopf, Taumelgefühl’, aus dem Verb rückgebildet. Übertragen ‘Taumel der Erregung, der Begeisterung’ (18. Jh.). Ausgehend von einer Verwendung ‘unbesonnenes Handeln’ (vereinzelt bereits 16. Jh.) entwickelt sich über ‘unlauteres Handeln’ die heute vorherrschende Bedeutung ‘Lüge, Betrug’ (18. Jh., geläufig seit dem 19. Jh.). Schwindler m. ‘Schwärmer, Phantast’ (17. Jh.), ‘unbesonnener, leichtsinniger, unlauterer Mensch’ (Ende 18. Jh.), ‘Betrüger, Lügner’ (19. Jh.). Aus dem Dt. entlehnt engl. swindler für ‘unbesonnener, leichtsinniger Mensch und Geschäftemacher’ (18. Jh.), danach auch ‘Hochstapler, Betrüger’, das über Hamburg auf das Dt. zurückwirkt. Schwindelei f. ‘Lüge, Betrug’ (2. Hälfte 18. Jh.). schwindlig Adj. ‘körperlich Schwindel empfindend’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) falsches Spiel spielen · (es) mit der Wahrheit nicht so genau nehmen · (etwas) wahrheitswidrig behaupten · ↗betrügen · die Unwahrheit sagen · ↗hochstapeln · schwindeln  ●  ↗lügen  Hauptform · mit gespaltener Zunge sprechen  fig. · ↗cheaten  ugs. · ↗flunkern  ugs. · krücken  ugs., regional · ↗mogeln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (ein) notorischer Lügner (sein) · (jemand) lügt, wenn er den Mund aufmacht · (jemandem) (frech) ins Gesicht lügen · lügen ohne rot zu werden · schamlos lügen  ●  (jemand) lügt schneller, als ein Pferd laufen kann  ugs. · andauernd lügen  ugs., variabel
  • Märchen erzählen · das Blaue vom Himmel herunterlügen · lügen wie gedruckt · lügen, dass sich die Balken biegen  ●  (jemandem) die Hucke volllügen  ugs., regional
Assoziationen
Synonymgruppe
mogeln · ↗schummeln · schwindeln · ↗tricksen · ↗täuschen  ●  Schmu machen  ugs. · ↗kungeln  ugs., regional · ↗mauscheln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kopf anschwindeln du durch gern hinwegschwindeln lügen manchmal vorschwindeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwindeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer auf dem Platz betrügt, schwindelt der nicht auch im Leben?
Die Welt, 07.12.2005
Die Cebit schillert nicht mehr, sie glänzt nicht mehr, sie schwindelt und sie trauert nicht mehr.
Der Tagesspiegel, 17.03.2004
Die hohe energetische Spannung dieses Textes macht den Leser schwindeln.
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2002
Diese wog er, und ich mußte genau achthaben, daß er nicht schwindelte; auch beim Ausrechnen des Preises, den er dafür bezahlte, hatte ich recht aufzupassen.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 17045
Sie haben die Spielregeln verletzt, Sie haben geschwindelt, Sie, nicht die anderen.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 28
Zitationshilfe
„schwindeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schwindeln#2>, abgerufen am 17.10.2019.

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