schwelgen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschwel-gen
Wortbildung mit ›schwelgen‹ als Erstglied: ↗Schwelger · ↗Schwelgerei
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
üppig essen und trinken
Beispiele:
Alle schwelgten, und selbst der Hofhund bekam seinen Knochen [Suderm.6,58]
Ich sah den Landvogt an der Tafel schwelgen [SchillerTellII 2]
2.
gehoben, spöttisch in etw. schwelgensich an etw. berauschen, ganz in etw. versunken sein
Beispiele:
in Erinnerungen, Zukunftsträumen, Gefühlen, Tönen schwelgen
ihr Herz schwelgt in Seligkeit
er schwelgte im Bewusstsein seiner Erfolge
etw. auffallend bevorzugen, etw. reichlich anwenden
Beispiele:
der Maler schwelgt in Farben
Zu der Zeit also, da ich zum Theater kam, schwelgte man noch in Schminke [WintersteinLeben1, 135]
Sie schwelgen in Paradoxen, wie mein Bruder, der Kardinal! [GoetzLügnerI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwelgen · Schwelger · Schwelgerei · schwelgerisch
schwelgen Vb. ‘üppig essen und trinken, schlemmen, in vollen Zügen genießen’; Herkunft ungewiß. Man versucht, das ehemals stark flektierende Verb ahd. swelgan (8. Jh.), mhd. swelgen, swelhen ‘verschlingen, (ver)schlucken, trinken’, mnd. swelgen, mnl. swelghen, nl. zwelgen, aengl. swelgan, engl. to swallow, anord. svelga, aschwed. svælgh(i)a, schwed. svälja mit anord. sylgr ‘Schluck, Trank’, auch ‘Schlinger, Fresser’, mhd. swalch, swalc ‘Schlund, Flut, Woge’ auf eine k-Erweiterung der aus awest. xvar- ‘genießen, verzehren’, aengl. swillan, swilian ‘waschen, spülen’, engl. to swill ‘(ab)waschen, gierig trinken’, anord. sollr ‘Spültrank für Schweine’, schwed. (mundartlich) soll, sull ‘Milch mit Brotbrocken’ erschließbaren Wurzel ie. *su̯el- ‘schlingen, essen, trinken’ zurückzuführen, die allerdings nur im Iran. und Germ. nachgewiesen werden kann (Pokorny 1, 1045). Im Nhd. (etwa 16. Jh.) wird mit der starken Flexion auch die transitive Verwendung ‘(ver)schlucken’ aufgegeben, und schwelgen steht für ‘schmausen, zechen, schlemmen, prassen’, danach (seit dem 18. Jh.) für ‘üppig, genüßlich leben’. Schwelger m. ‘Schlemmer’, ahd. swelgāri (8. Jh.), mhd. swelher ‘Schlucker, Säufer’. Schwelgerei f. ‘Schlemmerei, Prasserei’ (16. Jh.). schwelgerisch Adj. ‘üppig, verschwenderisch’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(es sich) schmecken lassen · ↗schlemmen · schwelgen  ●  ↗(genüsslich) essen  ugs. · auf der Zunge zergehen lassen  ugs. · ↗schmausen  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) suhlen · ↗(sich) wälzen · schwelgen
Synonymgruppe
(sich) berauschen an · (sich) einer Sache überlassen · aufgehen in · fortgetragen werden (von)  ●  schwelgen (in)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dekor Erinnerung Farbenrausch Farbrausch Glückseligkeit Harmonium Hausselaune Hochgefühl Jugenderinnerung Kaufrausch Kindheitserinnerung Luxus Nostalgie Opulenz Orgie Prunk Rausch Rekordlaune Reminiszenz Selbstmitleid Streicher Superlativ Vorfreude Wonne Zukunftstraum ausgiebig genießerisch genüßlich nostalgisch Überfluß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwelgen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier könnten Touristen in Kultur schwelgen, aber was machen die meisten?
Der Tagesspiegel, 09.08.1997
Eine grafische Oberfläche verführt nur zu leicht dazu, in Fonts zu schwelgen.
C't, 1995, Nr. 6
So mußte er sich, während wir im Theater schwelgten, alkoholisch zu trösten suchen, und wie der Ausdruck seiner Augen zeigte, war ihm das reichlich gelungen.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4743
Ein Jahrhundert lang schwelgt das neue Bürgertum in moralisierender Literatur.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 128
Sie durften nun im Rauche schwelgen wie nicht einmal in ihren besten Lebenszeiten.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 313
Zitationshilfe
„schwelgen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schwelgen>, abgerufen am 21.10.2019.

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