schwadronieren

GrammatikVerb · schwadronierte, hat schwadroniert
Aussprache
Worttrennungschwa-dro-nie-ren · schwad-ro-nie-ren
HerkunftItalienisch
Wortbildung mit ›schwadronieren‹ als Erstglied: ↗Schwadronade · ↗Schwadroneur · ↗Schwadronierer
 ·  mit ›schwadronieren‹ als Letztglied: ↗herumschwadronieren · ↗mitschwadronieren · ↗wegschwadronieren
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend wortreich, aufdringlich, laut reden
Beispiele:
die Marktfrau schwadronierte hinter uns her
Sein Gehaben, seine laute, scharf schwadronierende Redeweise ärgerte, reizte, erbitterte [Th. MannKönigl. Hoheit7,115]
prahlen, aufschneiden
Beispiel:
den Herren der Christenheit [den Papst] aus der Nähe besichtigen, um dann nachher zu Hause davon schwadronieren zu können [Weltbühne1956]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwadron · schwadronieren · Schwadroneur · Schwadronierer
Schwadron f. ‘kleine Einheit der Kavallerie’, Anfang 17. Jh. aus gleichbed. ital. squadrone in die Militärsprache entlehnt. Ital. squadrone, eigentlich ‘großes Winkelmaß, (rechtwinklig ausgerichtete) Truppe’, ist zu ital. squadra ‘Winkelmaß, (rechtwinklig ausgerichtete) Reitertruppe’ gebildet, abgeleitet von ital. squadrare ‘mit dem Winkelmaß messen, viereckig machen’ (aus vlat. *exquadrāre, Präfixbildung zu lat. quadrāre ‘viereckig, ebenmäßig machen, passen’, s. ↗Quadrat). Vgl. die älteren dt. Schreibungen Squadron, Squadre, Swadron. Daneben auch Eskadron (17. Jh.), nach (ebenfalls aus dem Ital. stammendem) frz. escadron, mfrz. (e)squadron, scadron. S. ↗Geschwader. schwadronieren Vb. ‘viel Worte machen, geschwätzig sein, mit aufschneiderischen Worten renommieren’, anfangs auch (heute unüblich) ‘eine Schar bilden, in Schwadronen umherziehen, sich in (Reiter)haufen herumtreiben’ (18. Jh.), studentensprachlich ‘wild und planlos fechten’, übertragen ‘mit Worten fechten, prahlen, aufschneiden’. Schwadroneur m. ‘Schwätzer, Aufschneider’, daneben auch Schwadronierer m. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) auslassen · (sich) ergehen (in) · (sich) verbreiten (über) · daherplappern · ↗plappern · ↗quasseln · ↗salbadern · schwadronieren · ↗schwatzen · ↗schwätzen  ●  ↗daherreden  Hauptform · ↗(herum)labern  ugs. · ↗faseln  ugs., abwertend · groß herumtönen  ugs. · ↗sabbeln  ugs. · ↗schwafeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (sich) zu der Bemerkung hinreißen lassen (dass) · ↗(ungewollt oder versehentlich) ausplaudern  ●  in ein Wespennest stechen  fig. · ↗(jemandem) entfahren  geh. · ↗(jemandem) herausrutschen  ugs. · ↗(jemandem) herausschlüpfen  ugs. · (sich) den Mund verbrennen  ugs., fig. · ↗(sich) vergaloppieren  ugs., fig. · ↗(sich) verplappern  ugs.
  • ausweichend antworten · nicht sagen was Sache ist  ●  herumlabern  ugs. · um den heißen Brei herumreden  ugs.
  • Blödsinn · ↗Humbug · ↗Nonsens · ↗Unfug · ↗Widersinn  ●  Nonsense  engl. · ↗Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · ↗Blech  ugs. · ↗Bockmist  ugs. · ↗Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Geschwafel  ugs. · ↗Gewäsch  ugs. · ↗Heckmeck  ugs. · ↗Kappes  ugs. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kohl  ugs. · ↗Kokolores  ugs. · ↗Krampf  ugs. · ↗Käse  ugs. · ↗Mist  ugs. · ↗Mumpitz  ugs. · ↗Papperlapapp  ugs. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quark  ugs. · ↗Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · ↗Scheiß  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Schmarren  ugs. · ↗Schmarrn  ugs. · ↗Schmonzes  ugs. · ↗Schmu  ugs. · ↗Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · ↗Schwachsinn  ugs. · ↗Sottise(n)  geh., franz. · ↗Stuss  ugs. · ↗Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
  • nicht auf den Punkt kommen · sich (selbst) gerne reden hören · viele Worte machen · ↗wortreich  ●  herumsalbadern  ugs. · herumschwafeln  ugs. · lange um den heißen Brei herumreden  ugs. · ↗salbadern  ugs.
  • Klatschtante · ↗Tratschtante · wandelnde Bildzeitung  ●  Dorfratschn  bair. · ↗Klatschbase  veraltet
  • (miteinander) reden · ↗(sich) unterhalten · Konversation machen · Small Talk machen · Smalltalk machen · ↗klönen · ↗parlieren · ↗plaudern  ●  ↗konversieren  veraltet · babbele  ugs., hessisch · ↗babbeln  ugs., regional · ↗plauschen  ugs. · ↗quasseln  ugs. · quatern  ugs., regional · ↗quatschen  ugs. · ↗ratschen  ugs. · ↗schnacken  ugs.
  • (das) große Wort führen · (eine) Schau machen · ↗(sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · ↗(sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · ↗(sich) aufspielen  Hauptform · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufmandeln  ugs., bair. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · ↗dicketun  ugs. · ↗dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · ↗pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Champions League Erziehung Gott Jude Moral Notwendigkeit Politiker Stammtisch Stil Wiedergeburt da darüber davon drauflos fabulieren gern gerne herumschwadronieren lieber los munter philosophieren reden singen ständig trinken träumen weiter Überlegenheit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwadronieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Niemand mehr schwadroniert vom Stecker, der täglich gezogen werden könne.
Die Zeit, 12.06.2012, Nr. 12
Ich sei die reichste Frau der Welt, schwadronieren verblödete Reporter.
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2000
Da mußte man schwadronieren und um jeden Preis auf der Höhe bleiben.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18254
Ein schmaler, fuchshaariger Bursche mit eitlen Bewegungen schwadronierte besonders laut.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 159
Auch Karl saß nun und schwadronierte bald wieder mit den Burschen.
Widmer, Urs: Das Buch des Vaters, Zürich: Diogenes 2004, S. 31
Zitationshilfe
„schwadronieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schwadronieren>, abgerufen am 19.06.2019.

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