schwül

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›schwül‹ als Letztglied: ↗feuchtschwül · ↗gewitterschwül · ↗regenschwül · ↗treibhausschwül
 ·  formal verwandt mit: ↗schwul
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
unangenehm warm oder heiß bei einem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft, drückend
Beispiele:
schwüles Wetter
an einem schwülen Sommertag
die schwüle Stille vor dem Gewitter
die Luft, Nacht war schwül
es war trübe und schwül
stickig, beklemmend
Beispiel:
Die schwüle Hitze im Polizeipräsidium Alexanderplatz konnte einen umwerfen [FalladaWolf1,115]
betäubend, beklemmend
Beispiel:
der schwüle Duft des Jasmins
übertragen
Beispiel:
er sprach mit schwülem Pathos, Überschwänglichkeit
2.
von Sinnlichkeit, sexueller Erregung erfüllt
Beispiele:
ein schwüler Blick
schwüle Zweideutigkeiten, Träume, Vorstellungen
»O Dietrich!« rief sie und drückte sich fester an ihn; es ward ihm schwül [G. KellerKammacher6,240]
sinnlich erregend, sexuelle Erregung hervorrufend
Beispiel:
die schwüle Beleuchtung, Musik in der halbdunklen Bar
3.
beängstigend, beklommen, spannungsgeladen
Beispiel:
im überfüllten Saal herrschte eine schwüle Atmosphäre, Stimmung
umgangssprachlich jmdm. wird schwül (zumute)jmdm. wird ängstlich zumute
Beispiele:
ihm wird (ganz) schwül, wenn er an das bevorstehende Examen denkt
ihm wurde immer schwüler und unbehaglicher zumute
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwül · schwul · Schwüle · Schwulität
schwül Adj. ‘feuchtwarm, drückend heiß, beklemmend’. Im 17. Jh. wird nd. swōl, swūl ‘drückend und ermattend warm oder heiß, drückend oder ängstlich beklommen’ in der md. Form schwul in die Literatursprache übernommen. Unter Einfluß des Antonyms ↗kühl (s. d.) setzt sich gegen Anfang des 18. Jhs. die umgelautete Form schwül durch. Das Adjektiv steht mit nl. zwoel ‘drückend warm’ und aengl. swol n. ‘das Brennen, Hitze’ ablautend zu den unter ↗schwelen (s. d.) angeführten Verben. Ältere Bildungen begegnen in omd. geschwule ‘ängstlich’ (Ende 16. Jh.), obd. gschwilig (16. Jh.), swilch ‘schwül, ängstlich’ (16. Jh.), swilich ‘lau’ (15. Jh.). In der Umgangssprache nimmt die umlautlose Form schwul die Bedeutung ‘homosexuell’ an (um 1900), vgl. die auf einer ähnlichen Vorstellung beruhende Fügung warmer Bruder für ‘Homosexueller’. Schwüle f. ‘drückende, feuchte Hitze’ (18. Jh.). Schwulität f. ‘Schwierigkeit, Verlegenheit’, scherzhafte latinisierende Bildung der Studentensprache (2. Hälfte 18. Jh.) für ‘heiß machende, beklemmende Verlegenheit’. Heute meist in Schwulitäten (‘in Verlegenheit, in Schwierigkeiten’) sein, kommen.

Thesaurus

Synonymgruppe
brutheiß · brütend heiß · drückend · ↗feuchtwarm · gewitterschwer · ↗gewittrig · ↗schwer · schwül · schwül-heiß · ↗stickig  ●  drückend heiß  Hauptform · ↗bleiern  geh. · ↗dämpfig  ugs., regional
Assoziationen
  • (starke) Wärme · ↗Bruthitze · ↗Hitze · flirrende Hitze · glühende Hitze · sengende Hitze · siedende Hitze  ●  ↗Affenhitze  ugs. · ↗Bullenhitze  ugs. · Demse  ugs. · ↗Gluthitze  ugs. · Knallhitze  ugs. · ↗Tropenhitze  ugs.
  • brennend · brütend heiß · bullig heiß · ↗glutheiß · glutig · glühend · glühend heiß · ↗heiß · heiß wie ein Bügeleisen · ↗hochsommerlich · kochend heiß · sehr warm · sengend · sengend heiß · siedend · siedend heiß · wie in einem Backofen · überheizt · überhitzt  ●  sehr heiß  Hauptform
  • anstrengend · auszehrend · ↗beschwerlich · ↗hart · ↗kraftraubend · kraftzehrend · ↗kräftezehrend · ↗mühevoll · ↗mühsam · ↗mühselig · schlauchend · ↗schweißtreibend · ↗schwer · ↗strapaziös  ●  ↗(eine) Herausforderung  verhüllend
  • (die Kleidung) klebt jemandem am Leib(e) · durchgeschwitzt · in Schweiß gebadet · nassgeschwitzt · ↗schweißtriefend · verschwitzt  ●  (jemand) hat keinen trockenen Faden am Leib  Redensart · nass geschwitzt  Hauptform · geschwitzt (sein)  ugs., regional
  • Bruthitze · ↗Gewitterstimmung · ↗Schwüle · bleierne Hitze · brütende Hitze · erdrückende Hitze · feuchtwarme Hitze · tropische Hitze · tropisches Klima · unerträgliche Hitze  ●  drückende Hitze  Hauptform · wie in der Sauna  ugs. · wie in einem Brutkasten  ugs.
  • (die) Luft steht · ↗Flaute · keine Luftbewegung  ●  ↗Windstille  Hauptform · (es geht) kein Hauch  geh. · ↗Kalme  fachspr. · kein Lüftchen (es geht ...)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendluft Augustabend Augusttag Blütenduft Dunst Erotik Gewitterluft Hitze Luft Mittagshitze Sinnlichkeit Sommerabend Sommerhitze Sommernachmittag Sommernacht Sommertag Sommerwetter Tropenluft Tropennacht Wetter Witterung brütend drückend feucht gewittrig heiß regnerisch schwülstig stickig windstill

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwül‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist unvorstellbar schwül, und alles geht seinen gemächlichen Gang.
Die Welt, 10.12.2004
Man fängt ihn in schwülen Nächten, in denen der Mond möglichst bedeckt ist.
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2003
Draußen war es an diesem Tag sehr schwül gewesen, hier drinnen aber kühl.
Hettche, Thomas: Der Fall Arbogast, Köln: DuMont Buchverlag, 2001, S. 48
Es war 13 Uhr 30 und entsetzlich schwül in New York.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 915
Und es wurde mir doch etwas schwül, daß ich mich da hineinwagen soll.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1920. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1920], S. 100
Zitationshilfe
„schwül“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schwül>, abgerufen am 23.08.2019.

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