schuldig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschul-dig
Wortbildung mit ›schuldig‹ als Erstglied: ↗Schuldigkeit · ↗schuldigermaßen · ↗schuldigsprechen
 ·  mit ›schuldig‹ als Letztglied: ↗hauptschuldig · ↗mitschuldig · ↗pflichtschuldig · ↗unschuldig
 ·  mit ›schuldig‹ als Grundform: ↗Schuldige · ↗Schuldiger
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die Verantwortung, Schuld tragend
Beispiele:
ein schuldiger Täter
der Angeklagte war schuldig, wurde als schuldig verurteilt
er ist schuldig geworden
an einem Vergehen, Unglück schuldig sein
er ist des Mordes schuldig
sich eines Vergehens, einer Unterlassung schuldig machen
Jura das Gericht erkannte auf schuldig (= fällte einen Schuldspruch)
Jura jmdn. eines Verbrechens für schuldig befinden, erklären
Jura der Angeklagte bekannte sich schuldig
Jura das Schuldig (= Schuldspruch) beantragen, aussprechen
»Ich wurde plötzlich müde ...«, sagte sie mit schuldigem (= schuldbewusstem) Gesicht [A. ZweigClaudia189]
Ich bin an dieser ungeheuren Tat / Nicht schuldig [SchillerWallenst. TodV 11]
2.
a)
zu zahlen verpflichtet
Beispiele:
den schuldigen Betrag zurückzahlen
jmdm. etw. schuldig sein, bleiben
jmdm. etw. schulden
Beispiele:
jmdm. viel, nichts schuldig sein
was bin ich Ihnen schuldig?
jmdm. Geld, die Zeche schuldig sein
sie blieben die Miete schuldig
übertragen
Beispiele:
jmdm. Dank, Rechenschaft, Gehorsam schuldig sein
er war ihm eine Erklärung schuldig
das ist er seiner Familie, seiner Stellung, sich selbst schuldig
jmdm. die Antwort schuldig bleiben (= nicht geben)
den Beweis für seine Behauptung blieb er uns schuldig
jmdm. nichts schuldig bleiben (= jmdm. scharf antworten)
b)
gebührend, geziemend
Beispiele:
jmdm. die schuldige Achtung, Rücksicht entgegenbringen
jmdm. den schuldigen Respekt erweisen, zollen
es nicht an der schuldigen Ehrerbietung fehlen lassen
jmdn. mit der schuldigen Zuvorkommenheit behandeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schuld · schuld · schulden · schuldig · schuldigen1 · Schuldiger1 · schuldigen2 · Schuldiger2 · beschuldigen · anschuldigen · entschuldigen · Schuldner · Unschuld · unschuldig
Schuld f. ‘Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)’, ahd. sculd ‘(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache’ (8. Jh.), mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti-Suffix zu dem unter ↗sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum. Verwandt sind lit. skolà und kaltė͂ ‘Schuld’, apreuß. skallīsnan (Akkusativ Sing. Fem.) ‘Pflicht’. Schuld bezeichnet zunächst eine ‘Verpflichtung oder Leistung’, die einem obliegt, dann speziell die ‘Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst’ und steht sowohl für ‘entliehenes, zurückzuzahlendes Geld’ als auch (vom Gläubiger her gesehen) für ‘verliehenes Geld, Guthaben’. Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über ‘Verpflichtung zur Buße’ die Bedeutung ‘Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht’ an. Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung ‘Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung’ (vgl. mhd. schult geben), ‘Ursache, Grund’ (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens, vgl. mhd. einer sache schulde hān, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben). Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. ‘schuldig’. schulden Vb. ‘jmdm. zu einer Leistung, besonders zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken’, ahd. sculdōn ‘verschulden, verdienen’ (10. Jh., gisculdōn, 9. Jh.), sculden ‘verschulden, verdienen, schuldig sprechen’ (9. Jh.), mhd. schulden ‘schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen’. schuldig Adj. ‘verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend’, ahd. sculdīg ‘schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet’ (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. schuldigen1 Vb. ‘anklagen, bezichtigen’, ahd. sculdigōn (um 1000), mhd. schuldigen. Davon abgeleitet Schuldiger1 m. ‘Beschuldigender, Ankläger, Gläubiger’, mhd. schuldigære, schuldiger. Daneben (selten) schuldigen2 Vb. ‘Schuld tragen, schuldig sein’, ahd. sculdigen (10. Jh.). Davon abgeleitet Schuldiger2 m. ‘wer Schuld auf sich geladen hat, Straffälliger, Missetäter, Beklagter’, ahd. sculdiger (11. Jh.), mhd. schuldigære, schuldiger. Biblisch: … wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Vaterunser (Matth. 6, 12), mhd. … als wir tuon unsern schuldigæren, in der Übersetzung von lat. dēbitōribus nostris (Vulgata), griech. opheilétais ḗmōn (ὀφειλέταις ἡμῶν). beschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, anklagen, bezichtigen’, mhd. beschuldigen ‘anklagen’; vgl. ahd. sculdī̌gōn ‘beschuldigen’ (um 1000). anschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, bezichtigen’, mhd. aneschuldigen. entschuldigen Vb. ‘verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten’, mhd. entschuldigen ‘von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen’. Schuldner m. ‘wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß’, frühnhd. schuldener ‘Schuldner’ und ‘Gläubiger’ (15. Jh.). Unschuld f. ‘Schuldlosigkeit, moralische Reinheit’, ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. ‘schuldlos, moralisch untadelig’, ahd. unsculdīg (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec ‘frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
geboten · ↗gebührend · ↗geziemend · ↗schicklich · zu erwarten · zum guten Ton gehören(d)  ●  schuldig  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich etwas) zu Schulden kommen lassen · (sich etwas) zuschulden kommen lassen · schuld (sein) · schuldtragend (sein) · ↗verantwortlich (sein)  ●  ↗haftbar (sein)  fachspr., juristisch · schuldig (sein)  fachspr., juristisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Dank Ehrfurcht Ermordete Gehorsam Handelnde Respekt Reverenz Tribut alle befunden bekennen bisher bislang bleiben fühlen genauso geschieden gesprochen geworden irgendwie machen mitschuldig nichtschuldig schuldig schuldlos selber sprechen unschuldig vorerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schuldig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er fühle sich moralisch schuldig am Tod der Mutter, schrieb der Sohn.
Die Zeit, 05.01.2009 (online)
Weil ich dem folgte, wurde ich auch als Opfer schuldig.
Der Tagesspiegel, 27.01.2005
Irgend etwas mußte ihm noch einfallen, bevor die Party zu Ende ging, das war er Anne schuldig.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 54
Wer gewunken hat, ist in den meisten Fällen dennoch schuldig.
Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 114
Er selbst also machte sich der Erniedrigung seiner trotz allem tiefgeliebten Schwester schuldig.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 264
Zitationshilfe
„schuldig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schuldig>, abgerufen am 16.07.2019.

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