scholastisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungscho-las-tisch
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›scholastisch‹ als Erstglied: ↗Scholastik · ↗scholastisieren
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von Scholastik (Lesart 1)
2.
abwertend schulmäßig
Beispiel:
Doch war die Bildungsarbeit bisher zu scholastisch [Tageszeitung1967]
spitzfindig, haarspalterisch
Beispiel:
seine Argumente sind scholastisch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scholastik · scholastisch · Scholastiker · Scholastizismus
Scholastik f. Bezeichnung für die mittelalterliche theologisch-philosophische Lehre, die kirchliche Dogmen und antike (aristotelische) Philosophie zu verbinden sucht. Der Ausdruck ist ein Gelehrtenwort der 2. Hälfte des 18. Jhs., gebildet aus lat. scholasticus ‘zur Schule, zum Rhetorikstudium gehörend, rhetorisch’, griech. scholastikós (σχολαστικός) ‘müßig, fleißig, gelehrt’; zu griech. scholázein (σχολάζειν) ‘sich Zeit nehmen, Zeit, Muße für etw. haben, sich einer Sache widmen, lehren’, einer Ableitung von griech. scholḗ (σχολή) ‘Rast, Muße, (gelehrte) Unterhaltung, Schule’. Mit pejorativem Sinn (vgl. bereits lat. scholasticus m. ‘Lehrer, Gelehrter’, aber auch ‘Pedant’) ‘dogmatische, engstirnige Schulweisheit, Buchstabengelehrsamkeit’ (19. Jh.). Älter als das Substantiv ist scholastisch Adj. ‘die Scholastik betreffend, nach der Methode der Scholastik’ (17. Jh.), pejorativ (seit etwa 1700) ‘schulmäßig eng, spitzfindig’; lat. scholasticus (s. oben). Scholastiker m. ‘Vertreter der Scholastik’ (Mitte 18. Jh.), auch ‘Wortkrämer’ (um 1800); zuvor Scholaster (Luther). Scholastizismus m. ‘übertriebene Anwendung und Überbewertung der scholastischen Methode, Spitzfindigkeit’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgeklügelt (bildungsspr.) · scholastisch · ↗schulisch · zum Studium gehörig  ●  ↗kasuistisch  abwertend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aristotelismus Definition Denken Denker Dialektik Disput Disputation Distinktion Gelehrsamkeit Latein Lehre Lehrgebäude Logik Metaphysik Methode Nominalismus Philosoph Philosophie Realismus Spitzfindigkeit Terminologie Theologe Theologie Tradition Unterscheidung Vernunft anmutend humanistisch mystisch patristisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scholastisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mann: Es ist eine scholastische Frage, das heißt eigentlich eine sinnlose Frage.
Die Zeit, 30.08.1985, Nr. 36
Der letzte Satz erkannte den Wert der scholastischen Philosophie an.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16335
Ich glaube, es läuft alles auf das Auswendiglernen scholastischer Definitionen hinaus.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1926. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1926], S. 22
Sowie die scholastischen Wissenschaften nutzlos sind für die Kultur, so die bisherige Logik für die Entwicklung von Wissenschaften.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18562
Diese trockene scholastische Manier war die Qual zahlloser Schülergenerationen gewesen.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 40
Zitationshilfe
„scholastisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scholastisch>, abgerufen am 17.09.2019.

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