schmachten

GrammatikVerb · schmachtete, hat geschmachtet
Aussprache
Worttrennungschmach-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schmachten‹ als Erstglied: ↗Schmachtfetzen · ↗Schmachtkorn · ↗Schmachtlappen · ↗Schmachtlocke · ↗Schmachtriemen
 ·  mit ›schmachten‹ als Letztglied: ↗anschmachten  ·  mit ›schmachten‹ als Grundform: ↗schmachtend · ↗verschmachten
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben unter Entbehrungen leiden, besonders hungern, dürsten
Beispiele:
in der Hitze schmachten
im Kerker schmachten
Wir haben ferner auch unserer Kämpfer zu gedenken, die heute in den Verließen und Festungen der Bourgeoisie schmachten [Thälm.Reden1,168]
2.
gehoben nach etw., jmdm. schmachtensich sehr stark, leidend nach etw., jmdm. sehnen
Beispiele:
nach einem erfrischenden Trunk, nach Ruhe schmachten
Die guten Freunde schmachteten nach dem Labsal eines Wortes [FrançoisLetzte Reckenburgerin56]
Ich bin der, der nach dir schmachtet, / Paris, der dich zärtlich liebt [HacksSchöne Helena8]
oft im Part. Präs.
salopp schmachtendsentimental, schmalzig
Beispiele:
schmachtende schwarze Augen
ein schmachtendes Lied (zur Laute singen)
man hörte sie von Bord zu Bord ... die schmachtenden Walzer [GaiserNascondo72]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmachten · verschmachten · anschmachten · Schmachtriemen
schmachten Vb. ‘Entbehrung, besonders Hunger und Durst leiden, sich schmerzlich sehnen’, mnd. mnl. nl. smachten ‘Hunger leiden, vor Entbehrung dahinsiechen’, nhd. seit dem 17. Jh. bezeugt. Voraus gehen ahd. gismahtōn ‘dahinschwinden, schwach werden’ (8. Jh.) und mhd. versmahten, nhd. verschmachten ‘Hunger und Durst leiden, verdursten’, wohl von einem allerdings erst in mhd. smaht m. ‘Geruch, das Schmachten, Verschmachten, hoher Grad von Hunger und Durst’, mnd. smacht ‘Entbehrung, entkräftender Hunger’ überlieferten Substantiv abgeleitet. Als Ausgangswort ist das unter ↗Schmach (s. d.) angeführte Adjektiv ahd. smāhi ‘klein, gering’, mhd. smæhe, mnd. smā anzusehen, so daß schmachten eigentlich ‘kleiner werden, schwinden’ bedeutet. Die im Mnd. gut ausgeprägte Wortgruppe (s. auch ↗schmächtig) mag semantisch Einfluß auf das Nhd. genommen haben. nach etw. schmachten ‘etw. heftig verlangen, ersehnen’ (18. Jh.). anschmachten Vb. ‘sich nach jmdm. sehnen und dies schwärmerisch durch Blick und Gebärde ausdrücken’ (18. Jh.). Schmachtriemen m. ‘breiter lederner Leibriemen von Fuhrleuten und Reitern, dessen Druck die Empfindung von Hunger in einem leeren Magen dämpfen soll’ (18. Jh.), danach den Schmachtriemen umschnallen müssen, enger schnallen ‘Hunger leiden müssen’ (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
anschmachten · jemand lebt nur noch für · schmachten (nach) · schwärmerisch bewundern · ↗verehren · ↗verklären · ↗verschmachten (nach)  ●  in den Himmel heben  fig. · (jemandes) Ein und Alles (sein)  ugs. · (sich) verzehren (nach)  geh. · Feuer und Flamme sein (für)  ugs. · ↗anbeten  ugs. · ↗anhimmeln  ugs. · höchste Bewunderung zollen  geh. · ↗idealisieren  fachspr. · ↗vergöttern  ugs. · zu Füßen liegen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Hunger leiden · ↗darben · hungrig sein · nichts zu essen haben · schmachten  ●  ↗hungern  Hauptform · Kohldampf schieben  ugs.
Assoziationen
  • (einen) Mordshunger haben · (jemandem) knurrt der Magen · Heißhunger haben (auf) · ausgehungert sein · ordentlich Hunger haben  ●  (jemandem) hängt der Magen in den Kniekehlen  fig. · (mächtig) Kohldampf haben  ugs. · Hunger für zwei / drei / vier ... (mitgebracht) haben  ugs. · Hunger für zwei / drei / vier ... mitbringen  ugs. · dürsten und darben  geh., ironisch · einen Bärenhunger haben  ugs., variabel · einen Mordsappetit haben  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) sehnlichst vermissen · (inständig) verlangen (nach) · (sich) sehnen (nach) · (sich) verzehren nach · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗lechzen (nach) · schmachten (nach) · ↗vergehen (nach) · ↗verschmachten (nach)  ●  ↗dürsten (nach)  geh., poetisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gefangene Gefangenschaft Gefängnis Geige Gitter Häftling Joch Kerker Kette Knute Konzentrationslager Liebe Liebeslied Lied Mikrofon Sänger Tausend Verlies Zuchthaus anschmachten dahin einst entgegen entgegenschmachten hinterher hinterherschmachten mit seufzen singen träumen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmachten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Männer wüten blind, Frauen buckeln gläubig oder schmachten verschämt - das Betrachten gerät zur ungenierten Lust.
Die Welt, 10.03.2000
Wir seufzen und sehnen, wir schmachten uns nach, Wir sehnen und seufzen uns krank.
Süddeutsche Zeitung, 11.06.1994
Ich dagegen schmachte eher nach einem schönen grünen Salat, aber auch diesen Genuß haben wir nicht.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 15.07.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Im ersten Akt schmachtet er sehnsüchtig nach der geliebten Romilda.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 18
Und dennoch hat diese Wissenschaft - im weitesten Sinne genommen - länger als alle anderen in den Ketten der Tradition und des Aberglaubens geschmachtet.
Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1899], S. 34367
Zitationshilfe
„schmachten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schmachten>, abgerufen am 21.06.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schmacht
schmachbedeckt
Schmach
Schma
Schlußzeile
schmachtend
Schmachtfetzen
schmächtig
Schmächtigkeit
Schmachtkorn