schlummern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschlum-mern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schlummern‹ als Erstglied: ↗Schlummerstunde · ↗Schlummerstündchen  ·  mit ›schlummern‹ als Letztglied: ↗dahinschlummern · ↗einschlummern · ↗hinüberschlummern · ↗weiterschlummern
 ·  mit ›schlummern‹ als Grundform: ↗entschlummern
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben
1.
leicht, sanft schlafen
Beispiele:
leicht, sanft, ruhig, friedlich, süß schlummern
das Kind lag tief schlummernd in seinem Bett
er hat eine Weile im weichen Sessel geschlummert
bildlich
Beispiel:
Wir kleinen Schauspieler aber draußen in der Provinz schlummerten noch in der Nacht politischer und geistiger Indolenz [WintersteinLeben1,294]
gehoben, verhüllend im Grabe ruhen, tot sein
Beispiel:
Dort unten auf dem Meeresgrund / Schlummern sie [die Ertrunkenen] friedlich mit bleichem Mund [BrechtDreigroschenroman410]
etw. schlummertetw. ruht
Beispiele:
die schlummernde Natur
das schlummernde Gewissen wachrufen
Unter uns im rötlichen Lichtmeer schlummert Paris [UnruhNike323]
2.
übertragen in jmdm., etw. schlummert etw.in jmdm., etw. liegt etw. verborgen, das noch nicht geweckt ist, das sich noch nicht in voller Entfaltung gezeigt hat
Beispiele:
in jmdm. schlummern Kräfte, Fähigkeiten, Neigungen
die in einem Kind schlummernden Talente, Anlagen zu stärkerer Entwicklung bringen
die in den Atomkernen schlummernden Energien
Aber auch hier schlummert eine bedenkliche Gefahr der Einseitigkeit [PlanckWeltbild12]
etw. schlummertetw. liegt ungenutzt brach (und ist in Vergessenheit geraten)
Beispiele:
Danach schlummerte mein Talent viele Jahre [MundstockinHammer u. Feder407]
Wie viele gute Entwicklungen in den Schubfächern schlummern, weil sich kein Betrieb findet, der die Produktion übernehmen will [Urania1963]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlummern · Schlummer
schlummern Vb. ‘leicht, nicht sehr tief schlafen’, mnd. frühnhd. (md.) slummer(e)n ‘leise schlafen’ (15. Jh.) ist wie mnl. slūmeren, nl. sluimeren, mengl. slūmere, engl. to slumber eine Iterativbildung zu einem in mnd. slom(m)en ‘schlafen’, mhd. (md.) slummen, nhd. schlummen (bis ins 16. Jh.), mnl. slūmen, aengl. slūmen belegten Verb, das sich mit aengl. slūma ‘Schlummer’, norw. slum ‘schlaff, dünn’ (vom Gras), dän. (älter) slum ‘Schlummer’ auf eine im Germ. durch m erweiterte Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’ zurückführen läßt, zu der auch got. slawan ‘schweigen’ und (mit Dentalerweiterung) ↗schlottern, ↗lottern (s. d.) gehören. Schlummer m. ‘leichter Schlaf’, spätmhd. slummer, wohl Rückbildung aus dem Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
ruhen · schlummern  ●  ↗schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Kindersprache · an der Matratze horchen  ugs. · ↗dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · ↗knacken  ugs. · ↗koksen  ugs. · ↗pennen  ugs., salopp · ↗pofen  ugs., salopp · ↗ratzen  ugs. · ↗schnarchen  ugs.
Unterbegriffe
  • durchschlafen · gut schlafen
  • (den) Schlaf des Gerechten schlafen · (tief und) fest schlafen · schlafen in himmlischer Ruh · schlafen wie ein Baby · schlafen wie ein Bär · schlafen wie ein Murmeltier · schlafen wie ein Stein · schlafen wie ein Toter · tief schlafen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Archiv Bestie Depot Dornröschenschlaf Haube Potential Potenzial Potenziale Reserve Schatz Schublade Schubladen Sparstrumpf Talent Tresor Unterbewußtsein Verborgene Zeitbombe einschlummern entgegen entgegenschlummern friedlich hin hinschlummern irgendwo selig unbeachtet unbemerkt unentdeckt unerkannt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlummern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort schlummert sie in Mamas Arm, nichtsahnend, was sie alles verpaßt in diesen Tagen.
Die Welt, 08.11.2004
Solange noch kein Gast da ist, schlummern freilich diese Fähigkeiten ungeweckt.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 17.03.1940
Es ist so süß, zu schlummern unter der weichen weißen Decke.
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 160
Doch auch in diesem aprioristischen D. schlummerten empirische Möglichkeiten, die immer stärker betont wurden.
Schmidt, M.: Deismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 21378
Die Tugenden, welche diese aller Welt verehrungswürdig machen, schlummern keimartig im Kinde und müssen daher zur Entfaltung und zum Blühen gebracht werden.
Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, 1913, Nr. 10, Bd. 65
Zitationshilfe
„schlummern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schlummern>, abgerufen am 24.10.2019.

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