schließen

GrammatikVerb · schloss, hat geschlossen
Aussprache
Worttrennungschlie-ßen
Wortbildung mit ›schließen‹ als Erstglied: ↗Schließfach · ↗Schließfrucht · ↗Schließklappe · ↗Schließkorb · ↗Schließmuskel · ↗Schließrahmen · ↗Schließtag · ↗Schließzelle · ↗schließbar
 ·  mit ›schließen‹ als Letztglied: ↗abschließen · ↗anschließen · ↗aufschließen · ↗ausschließen · ↗beischließen · ↗einschließen · ↗herumschließen · ↗kurzschließen · ↗umschließen · ↗unterschließen · ↗wegschließen · ↗zurückschließen · ↗zusammenschließen · ↗zuschließen · ↗überschließen
 ·  mit ›schließen‹ als Grundform: ↗beschließen · ↗entschließen · ↗erschließen · ↗geschlossen · ↗verschließen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. mit einem Schlüssel dadurch unzugänglich machen, dass man ihn im Schloss umdreht, etw. zuschließen, verschließen
Beispiel:
eine Tür, das Haus, den Schrank, Koffer schließen
etw. Geöffnetes, Offenstehendes zumachen
Beispiele:
schließ bitte das Fenster, die Tür, es zieht
einen Deckel, Vorhang schließen
sie schloss die Augen, weil die Sonne blendete
den Mund schließen
die Hand zur Faust schließen
gehoben, verhüllend er hat seine Augen für immer geschlossen (= ist gestorben)
die Autos mussten vor der geschlossenen Bahnschranke warten
das Geschäft, die Postfiliale, der Schalter hat von 13–15 Uhr, sonntags, wegen Urlaub geschlossen
wegen Krankheit ist diese Filiale vorübergehend geschlossen
die Gaststätte schließt um 22 Uhr
die Schule musste wegen Grippe geschlossen werden (= der Unterricht musste ausfallen)
das Buch schließen (= zuklappen)
einen Briefumschlag schließen (= zukleben)
einen Mantel, den Hemdkragen schließen (= zuknöpfen)
Elektrotechnik einen Stromkreis schließen (= das Fließen des elektrischen Stroms bewirken)
einen Damm, eine Mauer schließen (= vollenden, zu Ende bauen)
eine Lücke schließen (= ausfüllen)
die Reihen schließen (= zusammenrücken, keine Lücke lassen)
sich schließen
Beispiele:
die Blüten schließen sich immer am Abend
die Wunde hat sich noch nicht (ganz) geschlossen
bildlich
Beispiel:
die Augen vor etw. schließen (= etw. nicht wahrhaben wollen)
übertragen
Beispiel:
über diese Angelegenheit, diesen Fall sind die Akten noch keineswegs geschlossen
2.
etw. schließt
die Tür schließt von selbst (= die Tür geht von selbst zu)
Beispiele:
die Tür schließt automatisch, selbsttätig
das Fenster schließt schlecht (= ist nicht dicht)
dieser Schlüssel schließt schlecht (= dieser Schlüssel passt schlecht für dieses Schloss)
Beispiel:
mein Schlüssel schließt schwer, nicht, gut
3.
jmdn., sich, etw. in etw. einsperren, einschließen
Beispiele:
den Gefangenen in eine Zelle schließen
er schloss sich in sein Zimmer
Geld in eine Kassette, in den Schreibtisch schließen
ein Tier, etw. mit einem Schloss an etw. befestigen
Beispiele:
er schloss den Hund an die Kette
das Fahrrad an einen Zaun schließen
4.
jmdn., etw. in etw. schließen (= jmdn., etw. umfassen, umschließen)
Beispiel:
voller Freude schließt sie ihn in die, ihre Arme
bildlich
Beispiel:
jmdn. in sein, ins Herz schließen (= liebgewinnen)
etw. in sich schließen (= etw. enthalten, bergen)
Beispiele:
dieses Problem schließt noch weitere Fragen in sich
diese Reise schloss viele schöne Erlebnisse in sich
5.
etw. beenden
Beispiele:
ein Gespräch, eine Unterredung, Diskussion, Sitzung schließen
er schloss seinen Brief, Bericht, das Protokoll mit den Worten ...
6.
mit etw. schließen (= mit etw. zu Ende gehen, mit, in etw. enden)
Beispiele:
der Prozess schloss mit einem Freispruch
mit dieser Feststellung schließt die Novelle
7.
sich an etw. schließen (= auf etw. folgen, sich an etw. anschließen)
Beispiel:
an das Referat schloss sich eine lebhafte Diskussion
8.
etw. eingehen, abschließen
Beispiele:
er schließt Freundschaft, Kameradschaft mit ihm
vor einem Monat hat er mit ihr die Ehe geschlossen
einen Vertrag, Bund, ein Bündnis, einen Vergleich, Kompromiss schließen
Frieden schließen (= sich nach einem Streit versöhnen) (= einen Kriegszustand durch einen Friedensvertrag beenden)
9.
etw. aus etw. schließenaus etw. Gegebenem einen Schluss ziehen, etw. aus etw. folgern, herleiten
Beispiele:
daraus ist zu schließen, kann man schließen, muss geschlossen werden, dass ...
aus seiner Freude schloss sie, dass ihm das Geschenk sehr gefallen hat
aus etw. auf etw. schließen
Beispiele:
aus seiner Begeisterung schlossen wir auf seine Bereitschaft, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen
aus seiner gesunden Gesichtsfarbe haben wir auf seine Genesung geschlossen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schließen · Schließer · schließlich
schließen Vb. ‘durch eine Vorrichtung (wie Pflock, Riegel, Schloß, Deckel, Knopf, Haken u. dgl.) zumachen’, ahd. slioʒan ‘verschanzen’? (9. Jh.; vgl. intslioʒan ‘aufschließen, öffnen’, 8. Jh.), mhd. slieʒen ‘(ver)schließen, umfassen, (zusammen)fügen, aneinander befestigen’ (germ. *sleutan), asächs. -slūtan, mnd. mnl. slūten, nl. sluiten, afries. slūta (germ. *slūtan), dem Nordgerm. und Ostgerm. fehlend. Wenn germ. *sleut- mit Konsonantenerleichterung aus ie. *skleud- hervorgegangen ist, sind (ohne anlautendes s-) vergleichbar lit. kliū́ti ‘hängenbleiben, hindern’, (mit k-Suffix) aslaw. kl’učь, russ. ključ (ключ) ‘Schlüssel’, kljuká (клюка) ‘Krücke, Krummstab’, serbokr. kljȕka ‘Haken, Schlüssel, Klammer’ und (mit -āu- statt -ē̌u-) griech. klé͞is, Genitiv kleidós (κλείς, κλειδός), älter klḗs (κλῄς) ‘Pflock, Ruderpflock, Querriegel, Haken, Schlüssel, Schlüsselbein’, lat. claudere (clausum) ‘verschließen, zusperren’, clāvus ‘Nagel, Pflock’, clāvis ‘Schlüssel, Riegel’, air. clō ‘Nagel’. Daraus ergibt sich eine Wurzel ie. *klē̌u-, *klāu- ‘Haken, krummes Holz oder Astgabel, Pflöckchen, an-, verhaken (sich anklammern), durch einen vorgesteckten Haken, Riegel, ein Pflöckchen verschließen’ (wozu auch ↗Los, s. d.). Als Grundbedeutung ist wohl ‘Pflock’ (als ältestes Mittel zum Verschließen), verbal ‘einen Pflock einlegen und damit zumachen’, anzunehmen. Schließer m. ‘Pförtner, wer abschließt’ (17. Jh.); vgl. mnd. slūter (14. Jh.). schließlich Adj. ‘endlich, abschließend, am Schluß’ (16. Jh.), als Adverb schließentlich, schließlichen (16. Jh.), schließlich (17. Jh.). S. dazu auch ↗Schluß, ↗Schloß und ↗Schlüssel.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufgeben · schließen  ●  ↗(aus dem Markt) ausscheiden  fachspr., Jargon · (seine) Pforten schließen  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · ↗zumachen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Ende haben · ↗(in bestimmter Weise) ausgehen · ↗ablaufen · ↗aufhören · ↗ausklingen · ↗auslaufen · ein (...) Ende finden · ↗enden · schließen · ↗verfallen · zu Ende gehen  ●  zu Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • (dem) Ende näherkommen · (sich dem) Ende zuneigen · langsam zu Ende gehen
Synonymgruppe
(den) Betrieb einstellen · ↗abwickeln · ↗auflösen (Geschäft) · ↗liquidieren · nicht weiterführen · schließen · ↗stilllegen  ●  ↗(jemandem den Laden) dichtmachen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkommen Auge Börse Dax Freitag Kreis Lücke Minus Plus Punkt Schule Tür Vertrag Werk Zähler ab abschließen an anschließen auf aus ausschließen daraus ein einschließen er nicht zusammen zusammenschließen öffnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schließen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aus der Intensität läßt sich auf die Größe des Fehlers schließen.
o. A. [math]: Ultraschall-Prüfung. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1998]
Darauf entzog sie sich wieder, und die Zweige schlossen sich.
Die Zeit, 09.03.1984, Nr. 11
Der Akt war geschlossen, und niemand hatte Lust, darauf zurückzukommen; eine Frage war aus der Welt geschafft, die ihren kirchenpolitischen Sinn längst verloren hatte.
Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 25809
Mir schmeckt alles, es ist mir nicht übel, nichts läßt also darauf schließen, daß wir uns das zweite Kind bestellt haben.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 21.01.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Auf die zukünftige Entwicklung läßt sich aus ihnen nur unzuverlässig schließen.
Vossische Zeitung (Sonntags-Ausgabe), 06.03.1921
Zitationshilfe
„schließen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schließen>, abgerufen am 23.07.2019.

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