scheuern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungscheu-ern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›scheuern‹ als Erstglied: ↗Scheuerbesen · ↗Scheuerbürste · ↗Scheuereimer · ↗Scheuerfestigkeit · ↗Scheuerfrau · ↗Scheuerhader · ↗Scheuerlappen · ↗Scheuerleiste · ↗Scheuermittel · ↗Scheuersand · ↗Scheuertuch · ↗scheuerfest
 ·  mit ›scheuern‹ als Letztglied: ↗abscheuern · ↗aufscheuern · ↗ausscheuern · ↗durchscheuern · ↗herunterscheuern · ↗runterscheuern · ↗wundscheuern
 ·  mit ›scheuern‹ als Grundform: ↗verscheuern · ↗zerscheuern  ·  formal verwandt mit: ↗bescheuert
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw. durch kräftiges Reiben mit einer angefeuchteten Bürste, einem nassen Lappen säubern
Beispiele:
die Dielen, Fensterbretter, den Fußboden scheuern
die Stube, Kammer, das ganze Haus von oben bis unten scheuern
das Deck eines Schiffes scheuern
etw. mit Sand und Seife scheuern
die weiß gescheuerte Tischplatte glänzte förmlich
es war alles blank und rein gescheuert
salopp, scherzhaft so scheuer dich mal kräftig (= wasch dich mal gründlich)
2.
etw. scheuert (etw.)etw. reibt die Haut wund
Beispiele:
der Schuh scheuerte mir die Ferse
der Riemen scheuerte (ihn) an der Schulter
die Fesseln scheuerten ihm die Handgelenke
sich [Dativ] die Hosen blank scheuern
zum Schluß riß die Schnur [der Angel] an der Stelle, wo der Stein sie mürbe gescheuert (= sie beschädigt) hatte [S. LenzBrot74]
3.
etw., sich an etw. scheuernetw., sich an etw. reiben, um sich zu kratzen
Beispiele:
ein Pferd scheuerte seinen Hals an einem Pfosten
Bäume, an denen sich das Schwarzwild gescheuert hatte
sich am Kinn scheuern
Sophie rieb und scheuerte sich den Rücken am Türpfosten [StrittmatterWundertäter82]
umgangssprachlich, spöttisch, übertragen
Beispiel:
noch einmal die Schulbank scheuern zu müssen (= noch einmal zur Schule gehen zu müssen) [SchallückReineke168]
4.
durch Reibung ein Geräusch hervorrufen
Beispiele:
das, was herankam, trat nicht auf, sondern schritt nur, scharrte, scheuerte und schleifte über den Asphalt [A. NeumannEs waren ihrer sechs322]
das Holz der Balken und Bretter ächzte und rieb sich mit scheuerndem Laut an Stellen, da es mit Klammern und Winkeln aneinandergefügt war [UhsePatrioten1,442]
5.
salopp, derb
Beispiel:
jmdm. eine scheuern (= jmdn. ohrfeigen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheuern · abscheuern · durchscheuern · bescheuert · Scheuertuch
scheuern Vb. ‘(mit der Bürste) kräftig reibend reinigen’, intransitiv auch ‘reiben’. Das im Md. und Nordd. übliche Verb (obd. dafür putzen) mhd. (md.) schiuren, schūren ‘scheuern, fegen, reinigen’, mnd. schǖren, mnl. scūren, nl. schuren ist vielleicht verwandt mit den unter ↗schüren (s. d.) genannten Wortformen und an die dort angegebene Wurzel anzuschließen, wie Pokorny 1, 954 nahelegt. Damit wäre die Vermutung einer Entlehnung über das Mnl. aus afrz. escurer (frz. écurer) ‘säubern, reinigen’, hervorgegangen aus vlat. *excūrāre (zu lat. cūrāre ‘Sorge tragen, besorgen, pflegen’), abzuweisen. scheuern bezeichnet anfangs (wohl als Wort handwerklichen Sprachgebrauchs) das Reinigen und Polieren von Metallgegenständen und wird Anfang des 16. Jhs. in die Haushaltssprache übernommen (Töpfe, Dielen, den Fußboden, die Stube scheuern). abscheuern Vb. ‘durch Scheuern beseitigen’, mhd. abeschūren; ‘(sich) abnutzen’ (18. Jh.). durchscheuern Vb. ‘völlig reinigen, abnutzen’ (17. Jh.). bescheuert Part.adj. ‘nicht bei Verstand’, auch ‘unangenehm, peinlich’, eigentlich ‘eine heftige Abreibung erhalten haben’; vgl. den Kopf scheuern ‘einen starken Verweis erteilen’ (Adelung), jmdm. eine scheuern ‘einen Schlag, eine Ohrfeige versetzen’. Scheuertuch n. ‘Putzlappen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
reiben · scheuern  ●  schubben (mittelniederdt.)  ugs. · ↗schubbern  ugs., norddeutsch
Synonymgruppe
abschrubben · scheuern · ↗schrubben
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boden Brust Fußboden Hals Haut Knie Küche Nacken Putzfrau Sand Seele Stube Topf Treppe Zunge abscheuern aneinander aufscheuern blank blutig durchscheuern kochen kratzen putzen schrubben waschen wischen wund wundscheuern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheuern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe mir als Mutter erlaubt, ihm eine zu scheuern.
Bild, 27.11.2003
Auf der Straße scheuerte ich mit dem Schuh auf dem Pflaster, dann ging ich schnell weiter.
Die Zeit, 30.03.1962, Nr. 13
Ich bin alleine und habe es gewagt, einem fremden Typen in der Öffentlichkeit eine zu scheuern.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 270
Ich habe bisher meine Bücher gepackt und die Küche gescheuert.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 152
Wenn er sich gewaschen hat, nimmt er am Tisch Platz, ein einfacher Tisch, gescheuert, ohne Damast.
Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 104
Zitationshilfe
„scheuern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scheuern>, abgerufen am 17.09.2019.

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