scheuchen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungscheu-chen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›scheuchen‹ als Letztglied: ↗aufscheuchen · ↗emporscheuchen · ↗fortscheuchen · ↗heimscheuchen · ↗herausscheuchen · ↗hinausscheuchen · ↗hochscheuchen · ↗wegscheuchen · ↗zurückscheuchen
eWDG, 1974

Bedeutung

ein Tier, jmdn. besonders durch drohende Zurufe, Gebärden in eine bestimmte Richtung, an einen bestimmten Ort jagen, treiben
Beispiele:
Hühner, Gänse scheuchen
Bauern scheuchten die Vögel von den Feldern
der Aufseher scheuchte die Leute an die Arbeit
Menschen zur Seite scheuchen, um einen Durchgang zu bahnen
Die Frau schlägt in die Hände, als scheuche sie Küken [MoloEin Deutscher407]
bildlich
Beispiele:
jmdn. aus dem Schlafe, aus seinen Träumen scheuchen (= jäh herausreißen, wecken)
Die noch draußen standen, wurden durch eine kurze kalte Regendusche in die Wagen gescheucht [Ch. WolfGeteilter Himmel221]
Aber sie scheuchte den Verdacht von sich [RehfischHexen205]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheuchen · Vogelscheuche · Scheuche
scheuchen Vb. ‘fort-, verjagen’, in neuerer Zeit auch ‘irgendwohin treiben’, im 15. Jh. aus mhd. schiuhen (s. ↗scheu, ↗scheuen) hervorgegangen, indem sich dessen Spirans vor Konsonanz (z. B. vor -t in flektierten Formen, vgl. er schiucht) verschärft. Die anfangs nur lautlich voneinander abweichenden Verben werden bald auch semantisch unterschieden. Vogelscheuche f. mit menschlicher Kleidung behängtes Gestell, das die Vögel abschrecken soll, ‘Schreckbild’, frühnhd. vogelscheuch. Das Grundwort ist zu scheuchen gebildet wie frühnhd. scheuhe, schewhe (15. Jh.), mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’ zu mhd. schiuhen. Zu letzterem vgl. vogelschewe (15. Jh.), Vogelscheue (17. Jh., vereinzelt noch 19. Jh.). Aus Vogelscheuche gekürzt Scheuche f. ‘Schreckbild, Popanz’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
antreiben · ↗aufstacheln · ↗hetzen · ↗jagen · scheuchen · ↗treiben · ↗voranbringen · ↗vorantreiben · ↗vorwärtstreiben · zur Eile treiben  ●  (jemandem) Dampf machen  Redensart · (jemandem) Beine machen  ugs. · (jemandem) Feuer unter dem Hintern machen  ugs., fig. · (jemandem) Feuer unterm Arsch machen  derb, fig. · (jemandem) auf die Füße treten  ugs., fig. · Zunder geben  ugs., fig. · auf Touren bringen  ugs. · auf Trab bringen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (dazu) bringen (zu) · (jemandem) Anlass geben · ↗(jemanden) animieren · ↗(jemanden) motivieren · ↗(jemanden) veranlassen
  • Druck ausüben · Druck machen · ↗dringen · dringend bitten · ↗drängen  ●  ↗urgieren  österr. · Dampf machen  ugs. · die Daumenschrauben anziehen  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • (es) eilig haben · (jemandem) nicht schnell genug gehen können · Druck machen  ●  aufs Tempo drücken  ugs., fig. · zur Eile drängen  geh.
  • (jemandem) Mut machen · (jemanden) animieren (zu) · (jemanden) aufrufen (zu) · (jemanden) bestärken (in) · (jemanden) bringen (zu) · (jemanden) stimulieren (zu) · ↗anregen · ↗anspornen · ↗ermuntern · ↗ermutigen · ↗stärken
  • beschleunigen · ↗vorantreiben  ●  ↗akzelerieren  fachspr. · ↗dynamisieren  geh.
  • (sich) beeilen · ↗eilen  ●  (sich) abhasten  veraltet · ↗(sich) abjagen  veraltet · ↗(sich) tummeln  österr. · (die) Beine in die Hand nehmen  ugs., fig. · (die) Hufe schwingen  ugs., fig. · ↗(sich) abhetzen  ugs. · ↗(sich) ranhalten  ugs. · ↗(sich) sputen  ugs. · ↗(sich) überschlagen  ugs. · Dampf machen  ugs., fig. · fix machen  ugs. · hinnemachen  ugs. · ↗reinhauen  ugs., salopp · schnell machen  ugs. · ↗voranmachen  ugs., ruhrdt.
  • (ein) bisschen dalli!  ugs. · (mach) schnell!  ugs. · (na los) Bewegung!  ugs. · (na) wird's bald?  ugs., Hauptform · (und zwar) ein bisschen plötzlich!  ugs. · Aber zackig jetzt!  ugs. · Beeilung!  ugs. · Beweg deinen Arsch!  derb · Brauchst du 'ne (schriftliche) Einladung?  ugs., variabel · Brauchst du (erst noch) ne Zeichnung?  ugs. · Dann mal ran!  ugs. · Drück auf die Tube!  ugs., veraltet · Geht das (eventuell) auch ein bisschen schneller?  ugs., variabel · Gib Gummi!  ugs., salopp · Gib ihm!  ugs. · Hau rein!  ugs., salopp · Heute noch?  ugs., ironisch · Jetzt aber dalli!  ugs., variabel · Jib Jas Justav, 's jeht uffs Janze!  ugs., Spruch, berlinerisch · Komm in die Gänge!  ugs. · Kutscher, fahr er zu! (pseudo-altertümelnd)  ugs., ironisch · Lass gehen!  ugs. · Lass jucken, Kumpel!  ugs., veraltet · Lass schnacken!  ugs. · Lass was passieren!  ugs. · Leg ma ne Schüppe Kohlen drauf!  ugs., Spruch, ruhrdt., veraltet · Leg mal 'nen Zahn zu!  ugs. · Mach fix!  ugs. · Mach hin!  ugs. · Mach hinne!  ugs., regional · Mach voran! (Betonung auf 1. Silbe, norddt.)  ugs. · Mach zu!  ugs., norddeutsch · Nicht einschlafen!  ugs. · Nichts wie ran!  ugs. · Noch einen Schritt langsamer, und du gehst rückwärts.  ugs., Spruch, ironisch · Pass auf, dass du nicht Wurzeln schlägst.  ugs., übertreibend · Pass auf, dass du nicht einschläfst!  ugs., übertreibend, variabel · Schlaf nicht ein!  ugs., variabel · Was stehst du hier noch rum!?  ugs. · Wie wär's mit ein bisschen Beeilung?  ugs. · Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!  ugs., Spruch · Wird das heut(e) noch was?  ugs., ironisch · avanti!  ugs. · hopp hopp!  ugs. · los (los)!  ugs. · worauf wartest du?  ugs. · zack zack!  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bett Ei Fahrbahn Fliege Fußgänger Handbewegung Huhn Jäger Kicker Parcours Profi Radfahrer Rasen Schlaf Schützling Trainingslager Trainingsplatz Wasserstelle Wild aufscheuchen fortscheuchen her herum herumscheuchen hoch morgens rauf runter wegscheuchen zurückscheuchen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheuchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bereits morgens um sieben Uhr scheuchte er seine Spieler durch den Wald.
Bild, 11.02.2000
Wird das bunte Huhn die graue Maus ins Loch scheuchen?
Die Zeit, 14.09.1973, Nr. 38
Er scheuchte sie, heraus aus dem Bett, fort von dem Mann.
Weyrauch, Wolfgang: Die Ehe. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 347
Einstmals als das Tier unter mir gescheucht wurde, setzte es mich unsanft auf die Erde.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 10787
Mit einigen kräftigen Worten, welche nicht gerade Segenswünsche waren, scheuchte ich sie von dannen.
Peters, Carl: Im Goldland des Altertums, München: Lehmann 1902, S. 61
Zitationshilfe
„scheuchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scheuchen>, abgerufen am 19.09.2019.

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